Gefährliche Körperverletzung:

Den Türsteher k.o. geschlagen

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Erst in der Ausnüchterungszelle der Polizei beruhigte sich der 26-jährige Afghane, der zuvor den Security einer Landsberger Innenstadt-Kneipe bewusstlos geschlagen hatte.

Landsberg – Wegen gefährlicher Körperverletzung hat sich zuletzt ein afghanischer Asylbewerber vor dem Landsberger Amtsgericht verantworten müssen. Der laut seinen Papieren 26-Jährige hatte im September den Security einer Innenstadt-Kneipe bewusstlos geschlagen, nachdem er sich – betrübt wegen eines Arbeitsverbotes – den Abend über stark betrunken hatte. Richter Michael Eberle ließ aber Milde walten und ahndete das Verhalten des Afghanen mit einer Bewährungsstrafe und Sozialstunden.

Die Vorgeschichte des jungen Mannes ist zweifellos schlimm: Rund 12.000 Dollar musste der Afghane in die Hand nehmen, um über Pakistan und den Iran die Flucht nach Deutschland anzutreten. Dort überquerte der 26-Jährige im März 2014 die Bundesgrenze. Wo seine Eltern inzwischen unterkommen, weiß er nicht.

In seiner neuen Heimat fand der gelernte Kaufmann einen Aushilfsjob in einem Lebensmitteldiscount – eines Tages habe er dann aber ein Berufsverbot bekommen, sagt er vor Gericht. Und weil ihm vonseiten der Behörden auch der Wunsch nach einer Ausbildung verwehrt worden sei, habe er zu Alkohol gegriffen. Ob er dann viel getrunken habe, wollte Richter Eberle von ihm wissen. „Nicht viel, fünf Bier“, so die Antwort.

An einem Septemberabend im letzten Jahr waren es aber offenbar einige mehr. Nachdem der Angeklagte mit Freunden erst privat etwas getrunken hatte, startete er noch eine Kneipentour, die in besagter Innenstadt-Location seinen Abschluss finden sollte. Gegen 4 Uhr wurde der Mann dann das erste Mal auffällig, als die Türsteher ihn wegen seines Rausches nicht mehr in die Kneipe lassen wollten. Der Angeklagte sei daraufhin zornig geworden und hätte den Stuhl eines benachbarten Cafes in den Eingangsbereich geworfen.

Seine Jacke durfte der Betrunkene in Begleitung eines Security dann noch holen, ehe die gerufene Polizei den Mann vor der Location in Empfang nahm. Der Alkoholtest zeigte da schon einen Wert von rund zwei Promille an.

Beruhigen konnten die Beamten den Asylbewerber offenbar nicht, denn nachdem die Streife wieder verschwunden war, war der Afghane weiterhin auf Krawall gebürstet: Etwa gegen 5 Uhr, so hieß es später in er Anklageschrift, habe er den 36-jährigen Sicherheitsmitarbeiter der Kneipe, der gerade eine Zigarette rauchen wollte, von hinten umgestoßen und auf ihn eingeschlagen. Als das Opfer bereits am Boden lag, soll der Asylbewerber seinem Gegenüber noch ins Gesicht getreten haben. Die Folge: Schädel- und Nasenbeinprellungen, eine Platz­wunde und abgesplitterte Eckzähne. Zwei Wochen war der Security deshalb arbeitsunfähig.

Dabei war er wohl nur ein Zufallsopfer. Denn auf die Frage, warum ausgerechnet der 36-Jährige das Ziel des Gewalt­ausbruchs gewesen sei, antwortete der Asylbewerber mit einem Schulterzucken und einem „Weiß ich nicht“.

Und wer weiß, was passiert wäre, hätte ein 27-jähriger Gast nicht geistesgegenwärtig in die Situation eingegriffen und den Asylbewerber weggestoßen. So malte es auch Richter Eberle aus. „Da haben Sie noch Glück gehabt“, meinte er in Richtung des Angeklagten, dessen Tat ­Eberle als „rücksichtslos und brutal“ bezeichnete.

Das Ende der Geschichte: Der Gast und ein weiterer Security hielten den betrunkenen Mann solange fest, bis die Polizei ein zweites Mal in dieser Nacht eintraf. Diese steckte den Angeklagten dann zunächst in eine Ausnüchterungszelle. Das erkannte wohl auch der Asylbewerber selbst als die richtige Maßnahme an, denn vor Gericht befand er rückblickend: „Dieser Tag war so besoffen.“

Den Alkoholkonsum legte ihm das Gericht immerhin strafmildernd aus. „Das geht aber nur einmal“, stellte Richter Eberle klar. Auch, weil der Angeklagte sofort geständig war, forderte Staatsanwältin Julia Ehlert eine Freiheitsstrafe von acht Monaten – ausgesetzt zur Bewährung. Richter Eberle folgte diesem Vorschlag und verhängte zusätzlich 120 Sozialstunden sowie die Kosten des Verfahrens. Ob es tatsächlich zur Ableistung der gemeinnützigen Arbeit kommt, ist allerdings noch unklar: Die Aufenthaltsgenehmigung des Af­ghanen läuft nämlich nur noch bis Anfang Februar.

Für den Fall, dass die Erlaubnis verlängert wird, verdeutlichte Eberle dem 26-Jährigen: „So eine Tat bringt Sie einer ­Arbeitserlaubnis oder einer dauerhaften Bleibe nicht näher.“ Seine Strafe hat der Asylbewerber akzeptiert, das Urteil ist damit rechtskräftig.

Marco Tobisch

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