Durchs Dach in den Supermarkt

Zwei Männer wegen Einbruchsversuch verurteilt

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Zwei Männer wurden vor dem Amtsgericht Landsberg wegen versuchten Einbruchs in einen Supermarkt verurteilt.

Landsberg – Der Betreiber eines Supermarktes in Issing traute seinen Augen nicht, als er eines schönen Feiertages – am 3. Oktober 2016 – abends in seinen Laden kam, um die Warenbestände zu überprüfen. Draußen lehnte eine Leiter am Giebel des Vorbaus, drinnen lagen Deckenplatten und Blätter auf dem Boden. Die Isolierung des Flachdachs war an einer Stelle mit einem Taschenmesser entfernt und die Decke eingetreten worden. Es hatte offensichtlich ein Einbruchsversuch stattgefunden.

Der Marktinhaber verständigte die Polizei, die sich in der folgenden Nacht auf die Lauer legte. Tatsächlich kehrten die Täter zurück – vielleicht, um einen erneuten Versuch zu starten, vielleicht auch nur, um ihre Einbruchswerkzeuge einzusammeln. Beides gelang nicht. Die Polizeistreife konnte in der dunklen, regnerischen Nacht zwar niemanden festnehmen, beobachtete aber von weitem den Lichtkegel eines Autos, das zum Gebäude kam und sich kurz darauf wieder entfernte.

Im Gebüsch wurden am nächsten Tag jede Menge Beweisstücke sichergestellt – darunter Geißfuß, Trennschleifer, Taschenmesser, eine Tasche und zwei Leitern.

„Das war eine gut ausgerüstete Expedition“, stellte Richter Michael Eberle fest. Denn zwei der Täter – ein 49-jähriger Kosovare aus Kaufbeuren und ein 31-jähriger Landsmann aus Murnau – konnten ermittelt werden und standen jetzt wegen versuchten Diebstahls und Sachbeschädigung vor dem Amtsgericht Landsberg. Ihre DNA war an der Tasche beziehungsweise einer der Leitern gefunden worden. Außerdem war in der Tatnacht vom Handy des 49-Jährigen mehrfach das Handy des 31-Jährigen angerufen worden – just in der Funkzelle, in der der Supermarkt liegt.

Trotz dieser recht eindeutigen Beweislage wies der 31-Jährige jede Tatbeteiligung von sich. Er habe am fraglichen Tag gegen 17 Uhr lediglich den 49-Jährigen, der keinen Führerschein hat, nach Issing gefahren und dort vor einem Frisörgeschäft abgesetzt. Auf die Frage, wie sein Handy mitten in der Nacht nach Issing gekommen sei, erklärte er, das Handy sei ihm bereits vor längerer Zeit gestohlen worden. „Der Wahnsinn, so ein Zufall“, kommentierte Eberle ironisch. Auch Staatsanwältin Yvonne Möller würde später in ihrem Plädoyer von einer „Märchenstunde“ sprechen.

Die Aussage des 49-Jährigen wertete Eberle immerhin als Teilgeständnis. Der Bauhelfer gab zu, in der Tatnacht mit dem 31-Jährigen nach Issing gefahren zu sein. Er sei aber am Auto geblieben und habe Schmiere gestanden. Warum dann seine DNA-Spuren an einer der Einbruchs-Leitern gefunden worden seien, wollte Eberle wissen. Er habe dem 31-Jährigen, der ebenfalls im Baugewerbe arbeitet, die Leiter geliehen, ohne zu wissen, wofür der sie verwenden wolle, behauptete der Angeklagte.

Die Polizei geht bei dem Einbruchsversuch mindestens von vier Tätern aus. Ein dritter wurde bereits wegen anderer Einbrüche verurteilt und hat zwei Jahre Haft abgesessen. Der vierte Beteiligte konnte noch nicht ermittelt werden.

In den Jahren 2016 und 17 kam es offenbar zu einer Reihe von Einbrüchen in Supermärkten im Landkreis und im Allgäu – betroffen waren Geschäfte in Penzing, Oberbeuren und Schwangau. Nach und nach würden nun die DNA-Treffer „aufploppen“, so Eberle, und die Täter zur Rechenschaft gezogen. „Die Gerechtigkeit holt Sie ein“, gab er dem 31-Jährigen mit auf den Weg.

Verurteilt wurden die beiden Angeklagten zu je neun Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung. Eberle sprach von bandenähnlichen Strukturen, die hier vorlägen – insofern hätten beide Männer noch Glück, dass sie nicht wegen bandenmäßigen bewaffneten Einbruchs verurteilt würden. Denn das Taschenmesser hätte auch als Waffe gewertet werden können. Zugunsten der Angeklagten fiel ins Gewicht, dass kein hoher Sachschaden entstand – der Supermarkt-Inhaber hatte von 300 gesprochen und berichtet, dass der Schaden am Dach in wenigen Stunden Eigenleistung behoben worden sei.

Bei beiden Angeklagten wurde von einer günstigen Sozialprognose ausgegangen, weil sie Arbeit und Familie haben. Der 31-Jährige brachte keine Vorstrafen mit, der 49-Jährige fünf – allerdings nicht einschlägig, wie Verteidiger Uwe Harnos betonte. Sein Mandant muss zusätzlich zu der Freiheitsstrafe, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde, 120 Stunden soziale Arbeit leisten. Für zwei Jahre wird ihm ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt. Bei dem 31-Jährigen beträgt die Bewährungszeit ebenfalls drei Jahre. Außerdem muss er 3.000 Euro an eine soziale Einrichtung zahlen.

Der 49-Jährige nahm noch im Gerichtssaal das Urteil an. Der 31-Jährige, der ohne Verteidiger erschienen war, kündigte an, er werde in Berufung gehen.

Ulrike Osman

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