Dominikanerinnen sind ausgezogen

Bewohnerwechsel im Dießener Kloster St. Josef

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Im Schatten des Marienmünsters steht das Kloster St. Josef. Nachdem die Dominikanerinnen ausgezogen sind, residiert hier jetzt das Säkularinstitut „Cruzadas de Santa Maria“.

Dießen – Mit der Auflösung des Dießener Dominikanerinnen-Klosters St. Josef gegenüber dem Marienmünster geht eine Ära zu Ende. Die Gründe dafür sind – wie überall – fehlender Ordensnachwuchs sowie die Überalterung der letzten in der Marktgemeinde verbliebenen Schwestern. Diese mussten jetzt schweren Herzens ihre Koffer packen und in das Mutterhaus im fränkischen Neustadt am Main umziehen. Die neuen Nutzer von St. Josef haben die Räumlichkeiten bereits übernommen: „Cruzades de Santa Maria“, ein ursprünglich in Spanien gegründetes Säkularinstitut.

Pfarrer Josef Kirchensteiner bedauert den Weggang der Dominikanerinnen, die fast eineinhalb Jahrhunderte segensreich in Dießen gewirkt hätten. Wobei die Liebfrauen-Realschule ein wichtiger Schwerpunkt ihrer Arbeit gewesen sei. Am 8. März (10 Uhr) werden einige der Schwestern als Ehrengäste noch einmal an den Ammersee reisen. Pfarrer Kirchensteiner zelebriert in der Winterkirche St. Stephan einen Dankgottesdienst und würdigt bei einem anschließenden Empfang nochmals deren Verdienste.

1865 hatten die Landsberger Dominikanerinnen einige Wirtschaftsgebäude des ehemaligen Augustiner Chorherrenstifts in Dießen erworben. Sie gründeten das selbständige Kloster St. Josef. Das Prälatenhaus bauten sie zu einer Volksschule um, unterrichteten Dießener Mädchen und unterhielten im Parterre einen Kindergarten.

Die Nachfrage für einen Schulplatz war so groß, dass die Schwestern ein benachbartes Wirtschaftsgebäude kauften und die Schule vergrößerten. Dazu kam ein Heim, um auch auswärtige Mädchen aufnehmen zu können. Bis 1992 hatte dieses Internat Bestand. Das Unterrichtsangebot wurde ständig erweitert auf Kurzschrift, Buchführung, Fremdsprachen, Musik und Handarbeit. Die Schwestern bildeten sogar Lehrmädchen im Schneiderhandwerk und als Weißnäherinnen aus. Von 1927 bis 1964 bestand in Utting eine Dependance mit Näh- und Haushaltsschule.

Die Namensinitiatorin

Die Nachkriegszeit und der Umbau in ein staatliches Schulsystem brachten neue Herausforderungen für die Schulschwestern des Klosters St. Josef. 1950 wurde eine staatlich anerkannte dreistufige Mittelschule eingerichtet und die klösterlichen Lehrkräfte wurden schrittweise von der Volks- in die Mittelschule versetzt.

1953 übernahm Schwester Gertrudis die Leitung und führte die Schule bis 1990. In ihre Amtszeit fallen die Schulhauserweiterungen von 1961/62 und 1974/75, die durch die Einführung der vierstufigen Realschule notwendig wurden. Für „ihre langjährige beständige und fruchtbare Erziehungsarbeit“ wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Sie initiierte auch den Namen „Liebfrauenschule“, den das im Jahr 2000 erbaute und 2016 erweiterte jetzige Schulgebäude heute noch trägt. 2003 wurde die Mädchenrealschule an die Diözese Augsburg übergeben.

Das Dießener Kloster St. Josef hat nach dem Auszug der Dominikanerinnen bereits neue Bewohner: Drei Frauen des Katholischen Säkularinstituts „Cruzadas de Santa Maria“. Die religiöse Frauengemeinschaft wurde 1971 in Spanien gegründet und untersteht direkt Papst Franziskus. Ihre Mitglieder tragen keine Ordenskleidung und gehen weltlichen Berufen nach. Schwerpunkte sind dabei Erziehungs- und Bildungswesen. Sie veranstalten Exerzitien, Einkehrtage, Freizeitangebote wie Zeltlager für Jugendliche und Gottesdienste.

Da die Frauen direkt der Kirche in Rom unterstehen, kommt am 22. März (10 Uhr) Erzbischof Nikola Eterovic, Apostolischer Nuntius und Stellvertreter des Papstes in Deutschland, nach Dießen. Im Marienmünster wird er dann zusammen mit Pfarrer Josef Kirchensteiner im Rahmen eines Festgottesdienstes offiziell die „Cruzadas de Santa Maria“ in der Marktgemeinde begrüßen.
Dieter Roettig

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