Eine Wohnung, 35 Bewerber

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Nur wenige Tage nach der Einweihung (Foto) waren alle 30 Sozialwohnungen in Obere Wiesen vermietet.

Landsberg – Im Landkreis finden immer mehr Menschen keine bezahlbare Wohnung. Auf eine frei werdende Sozialwohnung kommen derzeit 35 Bewerber, wie Constanze Kastenhuber und Patricia Montbrun-Löffler von der Arbeitsgruppe (AG) Wohnraum jetzt im Senioren- und Sozialpolitischen Ausschuss des Kreistags berichteten.

Es müsse daher dringend günstiger Wohnraum geschaffen beziehungsweise vermittelt werden, doch nicht nur das. Auch Begleitkosten wie Kaution, Maklergebühren, Umzugs- und Energiekosten ver­hindern zunehmend, dass Menschen mit geringem Einkommen sich ihre vier Wände noch leisten können.

Montbrun-Löffler ist im Jobcenter Landsberg Beauftragte für Chancengleichheit, Kastenhuber arbeitet in der Schwangerenberatung des Land­ratsamtes. Allein aus dem Kundenstamm von Jobcenter, Caritas, Schwangerenberatung und Familienoase ergebe sich geschätzt eine Gruppe von 80 Einzelpersonen und Familien, die in akuter Wohnungsnot seien, berichteten die beiden. Hinzu kommen weitere Betroffene, die zwar faktisch nicht auf der Straße sitzen, bei denen man aber nicht von einer gesicherten Wohnsituation sprechen könne.

Hierzu gehören beispielsweise Paare, die nach einer Trennung weiter unter einem Dach leben müssen, weil die Ex-Partner keine eigenen Wohnungen finden. Oder „Couch-Hopper“, also Menschen, die gar keine eigene Bleibe haben, sondern nur notdürftig im Freundeskreis unterkommen. 

Dabei wirke sich das Fehlen einer vernünftigen Wohnung auch auf andere Lebensbereiche aus. „Wer in einer un­- gesicherten Wohnsituation lebt, kann sich auch nicht um die Jobsuche kümmern“, so Kastenhuber. Betroffen von Wohnungsnot sind Großfamilien ebenso wie Alleinerziehende, Azubis wie Hartz-IV-Empfänger, Behinderte wie Senioren.

Unter den 250 städtischen Wohnungen seien vier soziale Wohnanlagen, darunter eine für Senioren. Die neue Wohnanlage Obere Wiesen mit 30 barrierefreien Sozialwohnungen sei bereits Tage nach der Einweihung komplett vermietet gewesen. Zeitlich begrenzter Wohnraum, etwa für Durchreisende, Interimsmitarbeiter oder Azubis, fehle völlig.

Stadt, Landkreis, soziale Träger, Sozialamt und Jobcenter sollten einen flexiblen Wohungsbeirat gründen, forderten die Referentinnen. Oberste Priorität habe die Schaffung von Wohnraum, zum Beispiel in Mehrgenerationenform. Für ein solches Projekt habe man Landrat und Oberbürgermeister angesprochen, bereite die Grün­dung eines sozial engagierten Vereins vor und arbeite an Konzepten für die Finanzierung. Auch eine soziale Makler-Runde hat die AG Wohnraum einberufen.

Ulrike Osman

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