Am Anfang war die Teichwirtschaft

Landsbergs Fischer feiern das 125-Jährige

Fliegenfischer am Lech bei Landsberg
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Stets im Einklang mit der Natur: Fliegen­fischer am Lech.
  • Toni Schwaiger
    VonToni Schwaiger
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Landsberg – Einer der ältesten Fischereivereine Oberbayerns hat Geburtstag und kann coronabedingt nicht feiern: der Bezirksfischereiverein Landsberg. 125 Jahre alt ist er geworden. Das besondere Jubiläum wollten die Petrijünger in großem Stil begehen – im Stadttheater, mit Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl als Schirmherrin. Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben, die Jubiläumsveranstaltung wird zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden, verspricht Vorsitzender Stefan Neubauer.

Abgesehen von der Verlegung seiner Jubiläumsfeier sei der Verein bislang gut durch die Pandemie gekommen, sagt der Vorsitzende. Der Bezirksfischereiverein habe schon andere schwere Krisen überstanden, man denke nur an die beiden Weltkriege, die damals große Lücken im Vereinsleben mit sich brachten. „Doch die Mitglieder haben damals, wie heute, an ihrem Verein trotz aller Probleme festgehalten und sich um die Natur am Lech gekümmert“, weiß Neubauer. Und so gehe der Verein nun auch durch diese Krise, gestärkt durch die Entschlossenheit seiner Mitglieder, für die Natur am und im Lech zu sorgen und ihrem geliebten Hobby als Angelfischer nachzugehen.

Am 29. Februar 1896 wurde der Verein von einigen Landsberger Honoratioren mit dem Ziel aus der Taufe gehoben, die Teichwirtschaft und den Angelsport in „Landsberg und Umgegend“ zu fördern. Landsberg hatte damals etwa 6.000 Einwohner. In der Anfangszeit des Vereinsgeschehens dominierte zwar als Vereinsziel die Förderung der Fischerei auf dem Gebiet der Teichwirtschaft, doch zeichnete sich im Laufe der Jahre immer mehr eine Zunahme der an der Angelfischerei interessierten Mitglieder ab.

Hege, Pflege und Kartierung: Elektrofischerei am Patenschaftsgewässer Umgehungsgerinne der Lechstaustufe 18 bei Kaufering.

Der dafür begeisterte Personenkreis blieb allerdings anfänglich noch ziemlich begrenzt. Das Geld war knapp, die Ausrüstung teuer. Es gab noch keine geeigneten öffentlichen Beförderungsmöglichkeiten, um jederzeit bequem ans Wasser zu kommen. Die Wegverbindungen zum und am Lech sowie zum „Verlorenen Bach“ waren umständlich. So existierte innerhalb des Vereins lange Zeit nur ein kleines, exklusives Häuflein finanzkräftiger Angelfischer. Deren Zahl schwankte später in den Jahren ab 1928 bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs immer nur zwischen 20 und 50 Mitgliedern.

Ein festes Vereinslokal gab es nicht. Man traf sich meist in solchen Lokalen Landsbergs, deren Wirte Vereinsmitglieder waren, wie beispielsweise im „Schafbräu“ oder beim Hotel „Goggl“. Zeitweise war auch der „Zederbräu“ der bevorzugte Treffpunkt für Vorstands- und Ausschusssitzungen. Der dortige Pächter, ein Südtiroler, soll nämlich einen ganz hervorragenden „Roten“ ausgeschenkt haben.

Nach dem 2. Weltkrieg waren nur noch wenige der alten Mitglieder vorhanden, die zudem den Angelsport nicht mehr ausüben durften. Die Militärregierung verbannte nämlich die deutschen „Sportfischer“ durch eine zwei Jahre in Kraft befindliche Verordnung von den Angel­gewässern. Die Besatzungsmacht behielt sich das Recht der Fischereiausübung allein vor. Die Gewässer im ganzen Land wurden nun von amerikanischen Soldaten buchstäblich überlaufen. „Von einer Fischhege war natürlich keine Rede mehr“, weiß Neubauer zu berichten, „überall wurde nur Raubbau betrieben und alle legalen und illegalen Mittel zur Ausbeutung der Wasser angewendet – wobei auch mit Handgranaten und anderen Sprengmitteln gearbeitet wurde.“

Zwischenzeitlich erlosch die Vereinstätigkeit fast gänzlich. Erst gegen Ende 1946 durften sich auch deutsche Fischer – allerdings auch nur mit besonderer Lizenz – wieder am Wasser sehen lassen. Aus einem Schreiben des späteren 1. Vorsitzenden Wilhelm Seitz vom 30.1.1947 an die Bayerische Wasserkraftwerke ist zu entnehmen, dass sich der Verein dann im Frühjahr 1946 wieder offiziell konsolidiert und neu belebt hat. Neue Mitglieder wurden jetzt aufgenommen und eine neue Vorstandschaft gebildet.

Von 1950 an wuchs der Verein stetig. Das Interesse am Angelsport begann in immer weiteren Bevölkerungskreisen Eingang zu finden und auch die heranwachsende Jugend zu erfassen. In den folgenden Jahren gelang es dem Verein, neben der seit 1896 gepachteten Lechstrecke von Kaufering bis Zollhaus weitere Lechgewässer zu pachten – von Pitzling bis zur Sandauer Brücke in Landsberg. Und zwei Baggerseen auf Penzinger Flur gingen per Ankauf ins Vereinseigentum über. Parallel dazu stieg die Mitgliederzahl kontinuierlich an – auf aktuell knapp 300, davon etwa 20 Jugendfischer.

Auch mit großem finanziellen Aufwand sorgen die Landsberger Fischer für Bachforellen-Besatz im Lech.

Die Landsberger Fischer erlebten während dieser 125 Jahre, wie sich „ihre“ Gewässer durch den Bau von Kraftwerken komplett veränderten. Aus einem reißenden, wilden Gebirgsfluss entstand eine Reihe von Stauseen. Dadurch änderten sich nicht nur die Befischung, sondern auch die Voraussetzungen für den Erhalt von Flora und Fauna. Der Fluss verlor seine Kraft zur Bildung natürlicher Strukturen für Gewässergrund und Uferbereiche, die ehemals angehäuften Kiesbänke wurden zunehmend mit Sedimenten zugesetzt, sodass ihre Funktion als Laichhabitate weitgehend verloren ging.

Mit Unterstützung durch Fischereiverbände, Kommunalverwaltung und Kraftwerksbetreiber kümmern sich die Fischer seitdem nicht mehr nur um die Erhaltung eines artenreichen Fischbestandes, sondern auch mit erheblichem finanziellem und personellem Aufwand um die bestmögliche Schaffung und Erhaltung naturnaher Gewässerstrukturen durch Anlegen von Kiesbänken als Laichhabitate oder Einbringen von Totholz als Unterstand für die Fische. Und kümmern sich im Rahmen von Patenschaften um die „Fisch­treppen“ an der Lech-Staustufe 18 bei Kaufering sowie am Lechwehr in Landsberg.

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