Dem Biber auf den Pelz rücken? Rudi Wezolek klagt über massive Schäden – Schilderkrieg in Rott

Regelrecht ein Schilderkrieg ist in den Schwaigängern ausgebrochen. Streitobjekt: der Biber. Nachdem Rudi Wezolek in dem Gebiet zwischen Apfeldorf und Rott seit einiger Zeit mit Tafeln auf Schäden aufmerksam macht, die der Nager auf seinem Grund und Boden verursacht, melden sich jetzt verstärkt anonyme Biber-Freunde deutlich sichtbar zu Wort.

Auf zwei übergroßen Tafeln klagt Landwirt Rudi Wezolek auf den geschädigten Wiesen an: „Nasse Enteignung und Existenzvernichtung durch Biber. Gemeinde Rott, Landkreis Landsberg und Freistaat Bayern, inklusive Landesbank, reiben sich die Hände. Naturschutz zum Nulltarif!“ Ein eher unscheinbarer Pro-Biber-Hinweis mit den Worten „Intensive landwirtschaftliche Nutzung der Flächen zerstört den Lebensraum vieler Tiere und Pflanzen. Ich brauche Raum für meine Existenz“ wurde nahe der neuen Solaranlage angebracht; anonym, lediglich unterzeichnt mit „der Biber von Rott“. Inzwischen hat der scheue Baumfäller nochmals Schützenhilfe bekommen: Deutlich sichtbar prangt in leuchtend roten Lettern direkt über dem Rottbach, wo der Biber haust: „Ich renaturiere kostenlos, was raffgierige Landwirte der Natur gestohlen haben.“ Unterschrieben mit „Immer noch: Der Biber.“ Wezolek findet das alles andere als lustig. Die Biberburgen sind zum Problem geworden: Der Rottbach staue sich an und die Wiesen würden nicht mehr ordentlich entwässert, erklärt er. Daher könne der Grund nicht mehr bewirtschaftet werden. Ein Pächter habe deswegen bereits die Pacht reduziert, und ein anderer habe den Vertrag ganz gekündigt, weil er mit seinem Traktor nicht mehr reinkomme. Und die Fichten gingen ein, weil es ihnen zu nass geworden sei, weiß der Bibergeschädigte. Auch andere Landwirte mit Flächen in den Schwaigängern hätten schon über Schäden geklagt, sagt Wezolek. Doch momentan sei er selbst am meisten betroffen, da seine Felder am Rottbach konzentriert seien. Für das Biberproblem macht der Apfeldorfer den Freistaat Bayern verantwortlich, da dieser den Nager wieder eingebürgert habe. „Ich sehe das Ganze als Existenzbedrohung“, so Wezolek. Daher hofft er auf Hilfestellung vom Landratsamt Landsberg. Die Kreisbehörde samt ihrem Biberbeauftragten sei zwar bemüht, räumt der Geschädigte ein, habe bisher aber noch keine konkreten Lösungsvorschläge unterbreitet. Diesbezüglich sei er auch zu einem Flächentausch bereit, erklärt Wezolek. Übrigens: Nach wie vor ist nicht bekannt, wer die Pro-Biber-Schilder aufgestellt hat. Robert Wohlleib, der ganz in der Nähe des Geschehens wohnt, findet es jeden- falls „super, dass mal jemand was für den Biber tut“. Er ist davon überzeugt, dass die Natur geschützt werden müsse. Auch die meisten Spaziergänger, die man in dem Gebiet antreffe, seien für das Nagetier, berichtet der Anwohner. Außerdem weist Wohlleib darauf hin, dass die Flächen im Moorgebiet ja zu früheren Zeiten von den Bauern entwässert worden seien.

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