Brauverein gegründet

Bier vom Schondorfer Bürgerbräu?

Bierbrauer Timm Haug und Johannes Gronau aus Schondorf
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Auf ihren ersten Etappensieg zum „Bürgerbräu Schondorf“ stoßen Timm Haug (links) und Johannes Gronau an. Die Flaschen mit selbst gebrautem Pale Ale haben sie bereits mit den künftigen Etiketten versehen.

Schondorf – Der erste Schritt ist getan. Aber bis sich die Schondorfer ein Helles vom „Bürgerbräu“ einschenken können, liegt noch ein Marathonlauf vor Timm Haug und Johannes Gronau. Die beiden Gerstensaft-Fans wollen einen Brauverein gründen und die Ammersee-Gemeinde mit „handmade“ Bierspezialitäten verwöhnen. Als Braustätte stellen sie sich den seit Jahren ungenutzten Güterschuppen beim Bahnhof vor.

Ihre Idee haben Haug und Gronau beim aktuellen Bürgerbudget der Gemeinde Schondorf eingereicht. Und sie waren selbst erstaunt, dass sie mit 23,42 Prozent klare Sieger bei der Publikumsabstimmung geworden sind. Was aber nicht verwundert. Denn die beiden Ini­tiatoren möchten interessierte Schondorfer mit einbeziehen, einen Verein gründen und damit Gemeinschaft und Geselligkeit im Dorf fördern. Einmal im Monat soll zusammen gebraut werden, wobei sich jedermann über das Bierbrauen informieren und zuschauen kann. Auch Kurse über die Kunst des Brauens sind geplant. Das gebraute Bier wird unter den Vereinsmitgliedern verteilt. Im zweiten Schritt denkt man über einen Bierverkauf durch die örtliche Gastronomie nach.

Wie sich Johannes Gronau und Timm Haug das im Detail vorstellen, wollen sie auf einer Informationsveranstaltung sowie im Internet und in den sozialen Medien erklären, um Mitglieder für ihren Verein zu begeistern. Für diese Realisation haben sie ein Projektbudget von 1.000 Euro beantragt. Entscheiden wird darüber der Gemeinderat in seiner Sitzung am 16. Dezember. 10.000 Euro stehen insgesamt zur Verfügung und damit sollen natürlich auch andere Projekte aus den „Top 10“ der Publikumsfavoriten gefördert werden.

Der vorgeschlagene Brauereistandort wird bei der Diskussion der Gemeinderäte natürlich eine wichtige Rolle spielen. Denn die Bürgerbräu-Macher möchten den brachliegenden Güterschuppen am Bahnhof mit Gerstensaft wieder zum Leben erwecken. Sie würden zusammen mit Mitstreitern sogar ein Konzept zum Gebäudeumbau beziehungsweise zur Renovierung ausarbeiten. Da sich die Gemeinderäte seit Jahren über die Nutzung des Schuppens uneinig sind, könnten sie das Problem elegant abwälzen. „Wir würden uns sogar um die Instandhaltung des Gebäudes kümmern“, verspricht Johannes Gronau. Freilich muss die Gemeinde erst das hagelgeschädigte Dach reparieren und für Strom- und Wasseranschluss sorgen.

Bier im Heimanbau

Timm Haug (40), von Beruf Chemiker bei Delo, hat bereits Erfahrung im Bierbrauen. Zuhause zaubert er mit einer kleinen Heimanlage diverse Sorten für den Eigenverbrauch. Gerade hat er aus hellem Malz „Pale Ale“ gebraut, das bei seinen Kameraden in der Schondorfer Feuerwehr bombig ankam. Johannes Gronau (33), im Veranstaltungsbereich des Deutschen Patent- und Markenamts tätig sowie Jugendleiter bei der Feuerwehr, war begeistert von der Möglichkeit des privaten Bierbrauens. Und so entstand beim dritten Flascherl die Idee des Bürgerbräu-Brauvereins.

Sollte der Wunschstandort Güterschuppen nicht realisierbar sein, wollen Haug und Gronau ihre Idee notfalls auch in einem anderen Gebäude umsetzen. Jetzt geht es aber erstmal um die Finanzierung der Infoveranstaltung und Öffentlichkeitsarbeit. Mit einem Obolus der Vereinsmitglieder wird dann das Brauzubehör angeschafft. „Für den Brauvorgang verwenden wir Wasser aus Schondorf und Rohstoffe in Bioqualität aus der Region“, verspricht Timm Haug.

Bier als Hobby selbst zu brauen, ist ein Trend, der immer mehr Liebhaber gewinnt. Dafür gibt es diverse Gerätschaften und Komplettsets zu kaufen. Jeder darf pro Kalenderjahr bis zu 200 Liter Bier für den Eigenbedarf steuerfrei herstellen. Trotzdem muss man sich als „Haus- und Hobbybrauer“ beim zuständigen Hauptzollamt anmelden. Bei mehr als 200 Litern und Verkauf ist eine Steueranameldung beim Zollamt abzugeben. Anzumelden ist auch das Brauen zu Demonstrationszwecken. Pro Hektoliter ist hier ein Regelsteuersatz von 0,787 Euro zu bezahlen.

Sollte der Bürgerbräu Schondorf einschlagen und eines Tages Bier verkauft werden, wären bei 50 Litern Helles 2,64 Euro Biersteuer fällig. Die Schondorfer Bierinitiatoren haben also neben Organisation und Aufbau auch eine Menge Verwaltungsarbeit vor sich. Was sie aber nicht abhält. Sie sehen Bier nicht nur als bayerisches Grundnahrungsmittel, sondern als wohlmundigen Treibstoff des Soziallebens. Und das möchten sie in Schondorf wieder richtig ankurbeln.
Dieter Roettig

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