"Big brother" am Flößerplatz – Passanten sind verunsichert: Echte Überwachungskameras oder nur Attrappen?

Alles nur Attrappe? Beim Schlendern entlang des Peter-Dörfler-Weges mag so manchem Spaziergänger das Eis nicht mehr recht schmecken. Direkt über der Theke eines neu eröffneten Eiscafés war noch bis Donnerstag an der Fassade eine Kamera montiert. Und auch an der Lavazza Bar, in Richtung Flößerplatz und Salzgasse, kann das Gefühl der Überwachung aufkommen. Dort befindet sich ebenfalls eine Kamera, die bereits im Dezember letzten Jahres installiert worden war.

Betreiber von Bar und Eiscafé ist der Landsberger Gastronom Nikolaus Amberger. Dieser macht aus den beiden Kameras, montiert an Fensterrahmen und Lampe, keinen Hehl. Er würde damit nicht filmen, erklärt er, und beschreibt die „Überwachungsmaßnahme“ damit als harmlose Täuschung. Es seien lediglich Attrappen, die er zum Schutz vor Randalierern angebracht hätte. Und „wer nichts zu verbergen hätte, müsste ja auch kein komisches Gefühl bekommen“, beschwichtigt Amberger, der von 2001 bis 2003 im Vorstand des Landsberger BHG-Kreisverbandes war. Seltsam nur: Einen Tag nach der Anfrage des KREISBOTEN war die Kamera am Peter-Dörfler-Weg wieder verschwunden. Stadtjuristin und Datenschutzbeauftragte Petra Mayr-Endhart kennt das Problem bereits. Mehreren Lechstädtern war die Kamera an der Lavazza Bar schon im letzten Jahr aufgefallen. Sie hatten der Stadtverwaltung die mögliche Überwachung gemeldet. Von einer Privatperson filmisch überwacht werden wollten sie nicht und beklagten sich über die Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte. Laut Mayr-Endhart seien den städtischen Ordnungshütern hier aber die Hände gebunden. Das Straßencafé ist ein privates Gebäude und da können sie nicht eingreifen. Etwas dagegen unternehmen, könne der Bürger, indem er zivilrechtlich dagegen vorgeht. Unabhängig davon hat sich eine höhere Stelle mit der Angelegenheit befasst. Zuständig für den Fall, bei dem von einem privaten Gebäude aus öffentliche Plätze gefilmt werden könnten, ist die Bayerische Datenschutzaufsichtsbehörde für den nicht-öffentlichen Bereich in Ansbach. Dort wurde der Vorfall im August bearbeitet und eine Überprüfung durch hiesige Polizeibeamte veranlasst. Festgestellt wurde, so der Verantwortliche Günther Dorn, dass die Kamera außer Betrieb war, daher konnte sie bleiben. „Wenn nichts passiert ist“, versichert Amberger, „sind die Kameras bald wieder weg.“ Das lässt hoffen, dass auch die Überwachungsanlage, die hinter dem Fenster der Cofini-Bar in den bestuhlten Bereich der Fußgängerzone Ludwigstraße filmt, bald verschwunden ist. Wer möchte schon gerne gefilmt werden, wenn er sein Eis oder den Cappuchino genießt? Und wer kann schon unterscheiden, ob es sich bei der Anlage nur um eine Attrappe oder doch um eine funktionsfähe Kamera handelt?

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