Der heißeste Club in Landsberg

Bigband Dachau und Jimi Tenor lassen das Stadttheater tanzen

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Jimi Tenor (Mitte) und JJ Jones (links) verwandelten mit der Bigband Dachau den Theatersaal zum Tanzboden.

Landsberg – Zwei mal 50 Minuten reine Energie: Wenn die zurecht sagenumwobene Bigband Dachau auf den finnischen Multiinstrumentalisten Jimi Tenor trifft und JJ Jones im blauen Samtmantel-Outfit mit begnadeter Stimme und breitestem Grinsen beisteuert, entsteht Musik, die Herz, Hirn und Beine aktiviert. Auch die Zuschauer im Stadttheater haben das am Wochenende erfahren: Parkett, Rang 1 und Rang 2 gaben sich dem wilden Tanz hin.

„Sitzen ist heute nicht die adäquate Form der Perzeption“, warnt Musikorganisator des Stadttheaters Edmund Epple. Wobei natürlich jedem selbst überlassen sei, wie er mit der Musik der Dachauer umgehe. Nicht auf die Sitze steigen, bittet Epple noch. Und: „Seid nett zueinander.“

Nett sein? Kein Problem: Die Stimmung, die die rund 25 Musiker auf der Bühne produzieren, lässt dem Zuschauer nichts anderes übrig, als gänzlich im Rausch der guten Laune zu versinken: Die Musiker der Band tanzen soweit möglich mit, johlen, schwingen berauscht ihre Jacken über den Köpfen. Der Boss der mit offiziellem Namen heißenden „Knabenkapelle Dachau“ Tom „Tornado“ Jahn ist auf Bass, Musik, Takt oder sonstiger Droge unterwegs. Und JJ Jones mit orangener Brille schwingt seelig lächelnd die Arme über dem Kopf, bevor seine satte Stimme ins Geschehen eingreift.

Die Bigband Dachau gastiert zum dritten Mal in der Lechstadt. Beim ersten Auftritt am Soundlaster schien manch Zuhörer kurz vor dem Kollaps. Das zweite Mal im Stadttheaterfoyer war leicht gedämpft – vielleicht wegen der, wie Epple formuliert, „schwierigen Akustik“. Beim dritten Mal nun steht der finnische Elektronik-Kauz Jimi Tenor im Mittelpunkt. Mit zappaesken Kompositionen samt Ausflügen in Afro, Free-Jazz, House ... fast alles schwingt da mit. Der Gesang lässt an Bowie denken, dazu kommen geniale Saxophon-, Synthi- und Ventilator-Soli. Richtig gelesen: Tenor holt aus dem Propeller feinstes musikalisches Flirren hervor. Und wirkt im hellblauen Mantel wie eine Figur aus einem Kubrick-Film.

Am Anfang scheint das zu verkopft, denkt man an die sonstigen Auftritte der Dachauer. „Eine gewisse Art von Angespanntheit“ in der Show sei ihm wichtig, sagt Tenor auch in einem Interview. Da könne die Tanzfläche schon mal leer werden. Aber weit gefehlt: Tenors Musikhumor passt perfekt, die Band – laut Jahn mit Durchschnittsalter 16 – verschmilzt mit Tenors Ideen und macht sie sich zu eigen, und spätestens, wenn Tenors Love-Parade-Hit „Take Me Baby“ erklingt, explodiert der Saal. Allen voran JJ Jones im blauen Samtmantel, grinsend, mit einer Stimme aus Sex pur.

Nach gefühlten zehn Minuten ist das Konzert zu Ende. Manch einer mag sich wohl wundern, wo der Rest der zwei Stunden geblieben ist.
Susanne Greiner

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