Tolle Gründer-Ideen

Wenn Schafe den Rasenmäher ersetzen

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Entspannte Medienkonferenz auf dem 66 Jahre alten Holzsegler „Sir Shackleton“ mit den Machern des BIGHub-Innovationsforums. Von links: Prof. Dr. Wolfgang Stark, Prof. Dr. Herbert Gillig, Projektmanager Detlef Däke und Kommunikationsberater Hans-Peter Sander.

Dießen – Da hat man sich im Dießener Ammersee-Denkerhaus etwas wirklich Erfolgversprechendes ausgedacht: Detlef Däke, Prof. Dr. Wolfgang Stark, Prof. Dr. Herbert Gillig und Hans-Peter Sander setzten die Idee eines Projekts zur Förderung der innovativen Gründerszene im ländlichen Raum in die Tat um. BIGHub nennen sie ihr Konzept, frei übersetzt als „große Drehscheibe“, wobei die Buchstaben BIG für Bildung, Innovation und Gründung stehen. Diese Förderidee fand sogar das Bundesministerium für Bildung und Forschung für förderungswürdig und gab einen Startzuschuss von 100.000 Euro.

Jetzt steht nach mehrmonatiger Vorarbeit mit vielen Auf­takt­veranstaltungen das Finale der ersten BIGHub-Ausgabe auf dem Programm. Am 15. und 16. Juni findet im BVS-Bildungszentrum Holzhausen als krönender Abschluss das „Innovationsforum 2018“ statt. Junge Unternehmen präsentieren ihre Konzepte und erste Ergebnisse. Es gibt Fachvorträge und Workshops, Podiumsdiskussionen und viel „Net(t)working am See“ für Erfahrungsaustausch, neue Ideen oder gar Kooperationen. Eine der Referentinnen ist Sina Trinkwalder, die Gründerin der ökosozialen Textilfirma „manomama“ und bekannt als streitbare Teilnehmerin in diversen TV-Talkshows. Höhepunkt ist am Samstag die Preisverleihung an die Gewinner in den zwei Kategorien „Junge Wilde“ und „Neue alte Hasen“.

Von den 46 Teilnehmern haben es 14 in die engere Wahl geschafft. Diese nominierten Start­Ups stellen ihre Ideen in Kurzform einer prominenten Jury vor, die dann die beiden Preise in Höhe von je 3.000 Euro vergibt. Stifter der Preise sind die Sparkasse Landsberg-Dießen und die Managementberatung Synnecta aus Köln. Im Publikum werden auch einige Sponsoren und Financiers sein, die sich die eine oder andere StartUp rauspicken und fördern wollen. Sogar Projektmanager aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland haben sich angekündigt, die von der BIGHub-Idee begeistert sind und sie auch in ihrer Region aufziehen wollen, natürlich mit Unterstützung des Ammersee-Denkerhauses.

Nutzen für die Region

Die Grundidee von BIGHub klingt plausibel. Jede/r Kreative mit einer Geschäftsidee oder einer Erfindung im Hinterkopf konnte an dem Wettbewerb teilnehmen. Die Themenbereiche waren frei wählbar. Ob alternative Energien, Digitalisierung, Mobilität, Ökologie, Gesundheitswesen, Bildungswirtschaft, Dienstleistung oder Handel – die Kreativen konnten sich hier richtig austoben. Bei der Auswahl der letzten 14 waren drei Kriterien ausschlaggebend: Innovationsgrad, verantwortungsvolles unternehmerisches Gehalt und vor allem Nutzen für die Region.

Wer in die engere Wahl kam, blieb aber nicht auf sich gestellt. Mit einem kostenlosen Intensiv-Coaching von Experten, darunter das bekannte Münchener Strascheg Center für Entrepreneurship, wurden die Bewerber/innen für eine nachhaltige Realisierung „flügge gemacht“.

„Der lange Weg bis hin zum Finale hat uns große Freude bereitet“, betonte Projektmanager und LAG-Chef Detlef Däke bei einem Medienempfang auf dem 66 Jahre alten Holzsegelschiff „Sir Shackleton“, das Eigner und Skipper Klaus Gattinger quer über den Ammersee von St. Alban nach Herrsching zum Akademischen Segler-Verein München lenkte. Auf der Zweimast-Ketsch zeigte sich in der lockeren Gesprächsrunde, dass die ausgewählten StartUps wirklich von kompetenten Fachleuten betreut wurden. Dr. Wolfgang Stark ist unter anderem Professor für Organisations­psychologie und -entwicklung an der Universität Duisburg-Essen, Sprecher des Hochschulnetzwerks „Bildung durch Verantwortung“ und Direktor des Steinbeis Transferzentrums Innovation und Sustainable Leadership. Dr. Herbert Gillig ist Professor für Entrepreneurship an der Uni München, Leiter des Strascheg Centers im Bereich Gründungsförderung und engagiert sich in der „Denkfabrik Gründerhochschule“. Kommunikationsberater Hans-Peter Sander schließlich als Medienverantwortlicher ist Mitbegründer des „Ammersee Denkerhauses – Coworking Space“ und hilft beim Bekanntwerden der StartUps.

Die BIGHub-Macher blickten zurück auf ihre vielfältigen Aktionen in den Landkreisen Landsberg, Weilheim-Schongau, Starnberg, Fürstenfeldbruck, Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen und Miesbach. Hier wie auch im „Blauen Haus“ in Dießen fanden zum Reinschnuppern, Kennenlernen und Mutmachen „Marktplätze der Ideen“ statt als Entscheidungshilfe für die Teilnahme, gefolgt von kreativen Workhops.

Interessante Ideen

Hans-Peter Sander verriet einige interessante Geschäftskonzepte, die in die engere Wahl kamen und sich am 15. und 16. Juni in Holzhausen beim Finale vorstellen. Da ist zum Beispiel ein Regio-Bio-Genuss-Markt nach dem Motto „Regional bis ins Detail“ mit Produktion eigener Waren, Kochkursen, Events oder Gastro-Angeboten. Sogar die Mitarbeiter-Kleidung wird regional hergestellt. Ein anderer Neugründer will einen E-Bike-Lieferdienst in Kooperation mit Lebensmittelmärkten im ländlichen Raum installieren, weil hier immer mehr Dorfläden schließen. Eine Gruppe von Frauen will Schafe zur Grünflächenpflege vermieten und damit die Rasenmäher ersetzen. Und ein Gründer liefert hochwertiges regionales Rehfleisch direkt vom Jäger an die Haustüre des Kunden.

Bei den „Jungen Wilden“ wird die beste unternehmerische Geschäftsidee von jungen Kreativen prämiert, die unverbraucht und frisch an die Lösung vorhandener beziehungsweise erkannter Herausforderungen in der Region gegangen sind. Bei den „Neuen alten Hasen“ haben Personen mitgemacht, die bereits einen beruflichen Weg als Angestellte, Selbständige oder Freiberufler hinter sich haben und mit Hilfe von BIGHub nochmal etwas Neues wagen wollen.

Das Innovationsforum am 15. und 16. Juni in Holzhausen am Ammersee ist übrigens öffentlich und für alle künftigen Tüftler und Kreativen interessant zum Nachahmen.

Dieter Roettig

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