Den Weg immer weiter gehen

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In seinem neuen Posten als Leiter des städtischen Forstamtes angekommen: Michael Siller.

Landsberg – Seit einem halben Jahr leitet Michael Siller nun das städtische Forstamt. Noch sitzt er zu 80 bis 90 Prozent am Schreibtisch und versucht „seinen Laden in den Griff zu bekommen“, wie der 47-Jährige selbst sagt. Trotzdem: „Ich bin definitv angekommen“, zieht der Landsberger Bilanz.

Normalerweise folgt ein solches Resümee nach 100 Tagen im Amt. Und auch das passt: Denn bis Ende Oktober stand Siller noch sein Vorgänger Dr. Gerhard Gaudlitz zur Seite, seit November führt er das Forstamt allein. „Die Zeit war zu wenig, aber irgendwann muss man ins kalte Wasser springen“, blickt Siller zurück.

Er war „Stadtrat mit Leib und Seele“ (CSU) sowie Forstreferent und hatte einen gute Anstellung beim Fuchstaler Sägewerk Pröbstl. Doch dann ergriff er die sich ihm bietende Chance und bewarb sich als Nachfolger von Forstamtsleiter Gaudlitz. Gegen fast 90 Bewerber musste Siller sich durchsetzen. Einen Vorteil habe er wohl gehabt: er ist Landsberger.

Doch sonst habe er es auch nicht einfacher gehabt, als seine Mitbewerber. Rückblickend sagt der 47-Jährige: ein „Scheißabend“. Die Situation, sich seinen Stadtratskollegen präsentieren und empfehlen zu müssen, sei nicht gerade angenehm gewesen. Doch Siller setzt sich durch: „Das war die Erlösung.“ Danach habe er sich erst einmal auf eine Bank am Lech gesetzt und seine Ruhe gebraucht.

Das ist nun ein halbes Jahr her. Manchmal trauere er dem Stadtratsposten noch nach. Andererseits sei er aber auch „am Limit“ gewesen und hätte kaum noch Zeit für seine Familie gehabt. Dafür bleibe jetzt mehr Zeit und Familie und Beruf lassen sich besser vereinbaren – zum Beispiel beim sonntäglichen Ausflug in den Lechpark. Im Endeffekt sei es wie ein neuer Beruf, den er nun hat. Aber immer „vielfältig, spannend und interessant“, betont Siller.

Die größte Umstellung sei die Jagd gewesen. Daran müsse er sich zunächst wieder gewöhnen. Insgesamt betreibe man in den drei Landsberger Revieren eine intensive Bejagung, damit die Pflanzen in Ruhe wachsen können. „Das ist harte Arbeit mit einem genauen Abschuss­plan“, betont der Forstamtsleiter. Da sind beispielsweise die Wildschweine. Ein akutes Problem gebe es zwar derzeit noch nicht, „aber es wird immer schlimmer werden“, prophezeit er. Räuber wie Adler, Wolf oder Luchs fehlen in unserer Gegend. Da gelte es mit modernen und neuen Möglichkeiten vorzugehen. Auch die interne Abstimmung dauere noch ein wenig: „In vielen Dingen bin ich nun mal Neuling.“

Für die Zukunft hat der neue Forstamtschef klare Ziele: Er möchte den Weg, den Gerhard Gaudlitz eingeschlagen hat, weitergehen. Und dieser Weg führt immer weiter weg vom Fichtenwald hin zu einem stabilen Misch­wald. Da gelte es, nachhaltig zu wirtschaften und den Wald nicht nur aus betriebswirtschaftlicher Sicht zu bewerten, sondern einen Wald zu schaffen, der stabil genug ist, dass er den Klimawandel übersteht. Und den man den folgenden Generationen übergeben kann. Dazu gehört auch, seine Arbeit mehr an die Öffentlichkeit zu tragen und zu informieren. Das habe er sich für die Zeit nach etwa einem Jahr im Amt fest vorgenommen.

Oberstes Ziel ist es für Siller somit, „die Riesenfußstapfen, die Dr. Gaudlitz hinterlassen hat, einigermaßen gefüllt zu bekommen.“ Dabei habe er den Vorteil, dass es sich beim Forst um eine Fachverwaltung handele, die sehr eigenständig arbeiten könne. Diesen Freiraum schätzt Siller sehr. Hilfreich ist es hier bestimmt auch, dass der 47-Jährige eine „Bombentruppe“ übernommen hat: Bei Revierleitern und Arbeitern – insgesamt immerhin 17 Mitarbeiter – ist mehr oder weniger alles beim Alten geblieben. „Die halten mir den Rücken frei“, sagt Siller. „Wenn es mir gelingt, diesen Weg konsequent weiter zu gehen, bin ich höchst zufrieden.“

Astrid Neumann

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