Wenn Wünsche zu Bildern werden

Bildhauer Egon Stöckle erhält den Herkomerpreis der Stadt Landsberg

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Häuser und Türme: Egon Stöckle erhält den Herkomerpreis.

Landsberg – Eigentlich wollte Egon Stöckle etwas ganz anderes werden. Aber mit 22 Jahren entschied er sich dann doch für die Kunst. Einen konkreten anlass dafür habe es nicht gegeben. Denn „der Anlass für die Kunst steckt in einem drin“, sagt der 83-Jährige Kaufbeurer. Für die Stadt Landsberg und andere Auftraggeber der Lechstadt hat der Bildhauer zahlreiche Aufträge übernommen. Zum Beispiel der „Gute Hirte“ im Pfarrzentrum Mariä Himmelfahrt oder auch der Brunnen am Rupert-Meyer-Platz – zwei Arbeiten, die ihm besonders am Herzen liegen. Für sein Lebenswerk zeichnet ihn die Stadt Landsberg nun mit dem Herkomer-Preis aus.

„Das ist eine Überraschung“, sagt Stöckle. „Dass meine Arbeit jetzt so geehrt wird, ist natürlich sehr schön.“ Auf der Frage nach dem, was ihm in der Kunst wichtig ist, differenziert er: „Es ist natürlich ein unterschied, ob ich Auftragsarbeiten mache oder Dinge verwirkliche, die aus mir kommen.“ Der Auftraggeber sage ihm, was er „ins Bild setzen solle“. Bei den ‚privaten‘ Arbeiten „ohne finanziellen Hintergrund, denn man muss ja auch Leben von der Kunst“, entdecke er seine eigenen Wünsche in sich und setzte diese in Bilder um. Wie er zu den Ideen zu seinen beispielsweise architektonischen Skulpturen von Häusern und Türmen kommt? „Da wunder ich mich selbst darüber.“

Egon Stöckle lebt in Hohenfurch am Lech. Er studierte er Philosophie und Theologie – bevor er sich Ende der 50er für die Kunst entschied und Meisterschüler von Professor Heinrich Kirchner an der Akademie der Bildenden Künste in München wurde. Seit 1964 arbeitet er als freischaffender Bildhauer. Zahlreiche seiner Arbeiten im öffentlichen Raum – unter anderem in München, Augsburg, Kaufering, Kaufbeuren, Memmingen, aber auch in Tirol und Sachsen – haben ihn über Bayerns Grenzen hinaus bekannt gemacht. In Landsberg ist er zum Beispiel mit dem Kreuz im Sitzungssaals des Landsberger Rathauses, der Fritz-Beck-Büste in der vhs, den Schattentieren im Schulhof der Platanenschule und – passend zum Preis – mit der Doppelbüste Herkomers im Herkomerpark vetreten, die allerdings dort noch gar nicht so lange steht. Von Stöckle stammen auch die Büsten von Alois und Maria Elsner und das Tabernakel in der Heilig-Engel-Kirche – ebenfalls eine Arbeit, die ihm wichtig ist.

2009 waren Stöckles Arbeiten im Neuen Stadtmuseum zu sehen, 2013 im Foyer des Historischen Rathauses. Der Künstler erhielt den Kunstpreis der Diözese Augsburg, 2015 gewann er den Wettbewerb für eine Brunnenskulptur bei der Wieskirche. Er ist Mitglied im BBK Augsburg, im Kunstforum Weilheim und im RBK Landsberg am Lech. Bei den jährlichen Kunstwerktagen „Bronzeguss“ in Hohenfurch, gibt er sein Wissen an Künstlerkollegen und Laien weiter. Auch diese Zugänglichkeit zeichnet den Künstler aus.

Der Herkomerpreis wird Künstlern überreicht, „die sich durch besondere Leistungen auf dem Gebiet der Bildenden Kunst, der Literatur, der Musik, der Fotografie oder des Films ausgezeichnet haben oder deren Werk es verdient, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich zu ziehen“, so Stadtpressesprecher Andreas Létang. Und weil Stöckles Arbeiten eindeutig auf sich aufmerksam machen, darf er sich über das Preisgeld von 7.000 Euro freuen.

Der Preis wird im Abstand von mindestens fünf Jahren an Künstler aus Landsberg oder dem Umkreis sowie an Künstler, die durch ihr Werk mit der Stadt oder ihrer Gegend verbunden sind, verliehen. Er ist die höchste Auszeichnung für kulturelles Schaffen, die die Stadt Landsberg vergibt. Das letzte Mal wurde der Preis2014 an Johannes Skudlik vergeben. Den allerersten Preis erhielt Luise Rinser 1991.

Susanne Greiner

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