Kurze Wege bevorzugt

Gebühren könnten steigen: Ausschreibung für Biomüllverwertung

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Die Vergärung von Biomüll muss demnächst höhere Anforderungen erfüllen. Weshalb die Ausschreibung für die Biomüllverwertung im Landkreis läuft.

Landkreis – Immer wieder eine Diskussion wert: der Biomüll und seine Entsorgung. Im Landkreis wird Biomüll vergärt – eine Entscheidung, die bei Einführung der ‚Grünen Tonne‘ 2015 aus ökologischen Gründen gefällt wurde. Doch Vergärung ist teuer, weshalb der Verbraucher seit 2018 dafür zahlen muss. Der Vertrag mit dem bisherigen Entsorgungsunternehmen läuft Ende 2019 aus. Eine einmalige Verlängerung um ein Jahr wäre zwar möglich, aber geringere Müllmengen und rechtliche Änderungen machen eine Neuausschreibung notwendig. Weshalb die Müllgebühren wahrscheinlich steigen werden.

Ein Grund für die notwendige Neuausschreibung ist eine rechtliche Änderung: Die Vergärung von Biomüll zur Gasgewinnung ist ab 2020 noch strenger geregelt: Im Mai nächsten Jahres soll die neue Düngemittelverordnung in Kraft treten – die bisherige reicht nicht aus, um die EU-Nitratrichtlinie einzuhalten. Mit der neuen Verordnung steigen die Anforderungen an die Vergärung von Biomüll. Denn die Stoffe, die nach Vorsieben, Vergären und Nachrotten auf die Felder ausgebracht werden, sind strenger reglementiert. Weshalb die Betreiber von Gäranlagen nachrüsten. Die Folge: Die Biomüllgebühren im Landkreis könnten im Zuge der Neuausschreibung steigen.

Ein weiterer Grund spricht gegen die Vertragsverlängerung: Seit Einführung des Biomülls 2016 sind die eingesammelten Biomüllmengen stark gesungen. Waren es 2016 knapp 8.000 Tonnen und 2017 sogar rund 8.800 Tonnen, rutschte diese Menge wegen der Einführung der Biomüllgebühren drastisch in den Keller: 2018 waren es nur noch gut 5.600 Tonnen Biomüll. Gartenabfälle wurden wieder kostenlos auf dem Wertstoffhof entsorgt. „Inzwischen steigt die Menge des Biomülls wieder, aber sehr moderat“, informierte der Abteilungsleiter der Abfallwirtschaft Johann Bernauer auf der Sitzung des Kreisausschusses vergangene Woche. Dennoch sei eine Verlängerung für die beiden bisherigen Unternehmen nicht rentabel: „Es sind ja fast 2.000 Tonnen Biomüll, die den beiden Unternehmen fehlen“, rechnet Bernauer vor. Für die Neuausschreibung gehe man von einer Müllmenge von 6.000 Tonnen pro Jahr aus, „mit einem Korridor von plus/minus 15 Prozent“, berichtet Bernauer. Der Landkreis wolle dabei wieder zwei Ausschreibungen zu je 3.000 Tonnen Biomüll (beim laufenden Vertrag sind es jeweils 3.700 Tonnen) starten, um auch kleinere Unternehmen mit ins Boot zu nehmen.

Der Leistungskatalog

Die zu erfüllenden Leistungen sind die Abholung des Mülls am Wertstoffhof Hofstetten – dort habe man auch ideale Voraussetzung für die Lagerung sowie der Transport zur Verwertungsanlage mit Fahrzeugen der EURO VI Norm. Weiterhin verlange der Landkreis eine hochwertige Vergärung. Das bedeutet, dass die Gärreste mindestens 150 Tage im Verwertungssystem bleiben. Die Reste müssen nachrotten können, die dann noch bleibenden Rückstände sollen „stofflich verwertet“, also auf Felder ausgebracht werden können. Rest- oder Störstoffe müssen vom Unternehmen entsorgt werden.

Den Zuschlag will der Landkreis dem Unternehmen geben, das zwei Kriterien am besten erfüllt: den Preis und ökologische Gesichtspunkte, vor allem die Transportentfernung von Hofstetten zur Biogasanlage: je geringer der Weg, desto höher die Wertung für den Anbieter. Ist die Anlage beispielsweise nur maximal 40 Kilometer entfernt, liegt der Wertungsanteil höher als bei Anlagen, die 70 oder gar über 100 Kilometer entfernt sind.

Dass man bei den Zuschlagskriterien den Faktor Preis mit 70 Prozent werte, die Wegentfernung hingegen nur mit 30 Prozent, sei ein Vorschlag seitens des Landkreises: „Wir haben auch die Verantwortung gegenüber dem Gebührenzahler“, gibt Bernauer zu bedenken. Denn die Preise könnten aufgrund der erforderlichen Nachrüstung in den Unternehmen steigen: „Nach aktuellem Marktgeschehen müssen wir mit einer deutlichen Steigerung der Preise rechnen.“

Der Kreisausschuss stimmte den Eckpunkten für die EU-weite Ausschreibung – die Biomüllentsorgung übersteigt den Grenzwert von 221.000 Euro bei Weitem – zur Biomüll-Verwertung einstimmig zu. Die Angebote sollen nach der Sommerpause eingehen, die Vergabe werde im letzten Quartal des Jahres erfolgen.

Susanne Greiner

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