Ein bisschen anders

Gut, günstig, gemeinnützig: So lautet das Motto, mit dem das neue Sozialkaufhaus in Landsberg möglichst viele Kunden in seine Verkaufsräume locken will. Foto: Peters

Es sieht aus wie ein normales Möbelhaus: Auf der einen Seite des großen Raumes stehen Regale voller Geschirr und Wohnaccessoires, auf der anderen reihen sich Sofas, Tische und weitere Möbelstücke aneinander. In einem wesentlichen Punkt unterscheidet sich das neue soziale Möbelkaufhaus am Schongauer Dreieck in Landsberg allerdings von seinen Konkurrenten: Alles, was hier angeboten wird, ist gebraucht und dementsprechend günstig sind auch die Preise. Das Geschäft im ehemaligen Gebäude eines Supermarktes ist ein Angebot der Beschäftigungsinitiative Landsberg (BiLL), die am vergangenen Freitag mit der Eröffnung des Kaufhauses ihren Betrieb aufnahm.

Das Sozialunternehmen hat ein hehres Ziel. Es will Menschen, die durch persönliche oder soziale Probleme, Langzeitarbeitslosigkeit, psychische oder andere Arten von Behinderung keine Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt haben, eine Beschäftigung bieten. 14 Stellen hat die gemeinnützige Gesellschaft dafür geschaffen, neben der Arbeit im Sozialkaufhaus, sollen die BiLL-Mitarbeiter künftig auch Transporte und Umzüge organisieren, Entrümpelungen und Haushaltsauflösungen durchführen. Drei Jahre haben die Vorbereitungen dafür gedauert, „unzählige Hürden“ seien zu nehmen gewesen, bis im Oktober 2010 der Gesellschaftsvertrag endlich habe unterzeichnet werden können, blickte Geschäftsführer Markus Sinn in seiner Eröffnungsrede zurück. Schließlich galt es, zehn unterschiedliche Parteien „unter einen Hut zu bringen“. Neben dem Landkreis Landsberg, der Stadt Landsberg und dem Markt Kaufering zählen die Herzogsägmühle, der Caritasverband Landsberg, die Lebenshilfe, das Sozialzentrum St. Martin, die katholische Jugendfürsorge, das Bayerische Rote Kreuz sowie die Regens-Wagner-Stiftung Holzhausen zu den zehn Kooperationspartnern. „Wir wollen mit BiLL Menschen helfen, die nicht das große Los gezogen haben“, sagte Sinn, „ihnen zeigen, dass sie keine Menschen zweiter Klasse sind.“ Die stellvertretende Bezirkstagspräsidentin Ursula Bittner lobte den „Willen zur Inklusion“, der durch das gemeinsame Projekt gezeigt werde. Als „Geschenk“ hatte sie die Zusage des Bezirks Oberbayern dabei, drei weitere Zuverdienst-Arbeitsplätze zu fördern. Nicht als „Endstation“ wollte Wilfried Knorr die Beschäftigungsinitiative verstanden wissen. Sie sei vielmehr für die Mitarbeiter eine „Brücke in den ersten Arbeitsmarkt“, erklärte der Direktor der Herzogsägmühle. Seiner Meinung nach dürfte es dem Sozialkaufhaus in der nahen Zukunft auch nicht an Kundschaft mangeln, eher im Gegenteil: „Ich habe die Befürchtung, dass bei der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklung die Käuferschicht eher größer als kleiner wird.“

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