Ein "Blaues Wunder" auch am Lech?

Die Osterferien sind fast um, da legt die UBV Hausaufgaben auf den Tisch, die dort schon längst hätten liegen müssen – findet nicht nur das Stadtoberhaupt. Für seine Fraktion hat Christoph Jell vergangene Woche beantragt, die im Stadtrat beschlossene neue Gehwegbrücke unterhalb der Lechstaustufe 15 in Stahl-/Stahlseilbauweise zu erstellen. Damit ließen sich die Kosten um einen „hohen sechsstelligen Betrag“ reduzieren.

Von der Hängebrücke nach dem Vorbild des „Blauen Wunders“ über die Iller nahe Altusried (Oberallgäu) hält Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) nicht viel. Ob sich das Gebilde aus Stahl und Stahlseilen, wie von der UBV angeführt, besser in das Lechtal südlich des Englischen Gartens einfügen würde, das wagt er zu bezweifeln. Über Geschmack lasse sich auch hier streiten, so seine Antwort an UBV-Fraktionschef Jell, keinesfalls aber über Sicherheit und Funktionalität. Hier macht Lehmann im Vergleich zu der insgesamt 1,6 Millionen Euro teuren Stahlkonstruktion aus der Feder des Münchener Planers Harald Trepte doch einige Nachteile aus. Während die vor Wochen nach einer Ortsbesichtigung vom Stadtrat beschlossene Variante alle im Vorfeld geforderten Kriterien erfülle, sei das beim „Blauen Wunder“ nicht der Fall. Die Allgäuer Hängebrücke sei nur eingeschränkt nutzbar: sie könne nicht mehr als 60 Personen tragen, sie sei nicht barrierefrei und stünde im Winter nur eingeschränkt für die Flussüberquerung zur Verfügung. Darüber hinaus besitze die Hängebrücke nach Ansicht Treptes keine „vergleichbare Dauerhaftigkeit“. Vorhandene Verformungen an dem Paradebeispiel über die Iller „geben Anlass zu Fragen.“ All diesen Einwänden widersprechen Jell und UBV-Ortsvorsitzender Wolfgang Neumeier vehement: „Wir bestehen mit Nachdruck darauf, dass die von uns vorgeschlagene Variante den angestrebten Zweck ebenso sicher und funktional erfüllt, dafür aber erheblich weniger Kosten anfallen.“ Und eben die 1,5 Millionen Euro für die Brücke sowie die 100000 Euro für die Erschließung im Westen seien ausschlaggebend gewesen, das Projekt im Stadtrat abzulehnen. „Das ist in der aktuellen wirtschaftlichen Krisensituation nicht vertretbar, es geht wesentlich billiger“, behauptet das UBV-Duo und legt angenehmere Zahlen vor. Eine geschätzte Bausumme von 500000 Euro habe die eigene Projektierung ergeben. Zweite Fußgängerbrücke? Im Auftrag der Stadt solle nun ein auf Brücken in Stahl-/Stahlseilbauweise spezialisiertes Planungsbüro eine qualifizierte Kostenschätzung erstellen, fordern Jell und Neumeier. Ein Einsparungspotenzial im hohen sechsstelligen Bereich rechtfertige die Ausgaben dafür. Damit nicht genug des Guten. Sollte die Rechnung der Unabhängigen aufgehen, ließe sich sogar noch eine weitere Fußgängerbrücke realisieren – unter der A96-Brücke, um die Bewohner der Schwaighofsiedlung und des Landsberger Nordens den kurzen Weg von West nach Ost und nach Sandau zu ermöglichen. Es sei zu prüfen, ob man so eine Stahlkonstruktion für Fußgänger direkt unter die Brücke hängen könne. Brückenbauer Trepte hält diesen Vorschlag für „nicht ausreichend bedacht“. Die zunehmenden Verkehrslasten beanspruchten Strassenbrücken immer stärker, somit stünden Reserven für angehängte Stege nicht zur Verfügung. Ob der Antrag der UBV zur Behandlung in den Stadtrat gelangt, wird sich demnächst erweisen. Zunächst stellt OB Lehmann den direkten Kontakt zwischen Planungsbüro Trepte und den Fachleuten der UBV Landsberg zur Klärung anstehender Fragen her. „Danach werden wir sehen…“, so Lehmann.

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