Wo bleibt der flotte Takt?

Die neue Schranke in der Schlossergasse/Ecke Schmalzturm können Busfahrer via Fernbedienung aktivieren. Foto: Schwaiger

Die Hauptplatzdurchfahrt ist seit dieser Woche nicht mehr möglich, der für die Umbauzeit avisierte Viertel-Stunden-Takt beim Stadtbus kommt für die Landsberger Bürger aber frühestens im zweiten Halbjahr 2012 – falls überhaupt. Weder Machbarkeit noch Finanzierbarkeit sind bislang geklärt, auch die Fahr­zeuge stehen in den nächsten Monaten noch nicht zur Verfügung.

Im November hatte OB Ingo Lehmann (SPDD) im Finanzausschuss betont, die Wirtschaftlichkeit des Stadtbusverkehres stehe während der Umbauphase „nicht im Vordergrund“, es gehe „eher um den Gedanken, wie man den Bürgern etwas anbieten kann, was ihnen in dieser schwierigen Phase weiterhilft.“ Dazu gab es dann auf Anregung des Wiener Verkehrsexperten Prof. Hermann Knoflacher detaillierte Pläne, die die Verwaltung prüfen sollte: Eine Taktverkürzung von 30 auf 15 Minuten, in den Abendstunden und am Samstag sollte das Angebot zusätzlich ausgeweitet und durch Stadtteil-Taxis ergänzt werden. Dass sich dadurch das Defizit von bisher 500000 Euro jährlich mindestens verdoppeln werde, nehme man bewusst in Kauf, so Lehmann. Zumindest in den beiden kommenden Jahren gehöre es „auch dazu, dass man wenigstens noch die Hinfahrt zu Kino oder Theater mit dem Bus erledigen kann. Und wenn das ein Erfolg wird, können wir 2014 ohnehin nicht mehr zurück.“ Das Konzept beschlossen die Ratsmitglieder im Finanzausschuss einstimmig – im Moment ist man offenbar sehr weit von einer Umsetzung entfernt. Im neuen Fahrplan der Landsberger Verkehrs-Gemeinschaft (LVG), der in der vergangenen Woche veröffentlicht wurde, sind lediglich die notwendigen Streckenänderungen und zusätzlichen Haltestellen vermerkt, eine Taktverdoppelung hingegen nicht. Das ist für Christoph Eisele nicht überraschend. Der Landsberger Busunternehmer stellt klar: „Ich verfüge noch nicht einmal über die Fahrzeuge dafür. Viele haben da falsche Vorstellungen von Lieferfristen.“ Für die Busse ist Eisele nun ein „vorläufiger, unverbindlicher“ Liefertermin vom Hersteller genannt worden: Ende Juni 2012. „Und dann bräuchte ich ja noch die Fahrer.“ Dietmar Winkler, im Landratsamt für den ÖPNV zuständig, weist außerdem darauf hin, dass nicht nur deshalb bisher noch ein großes Fragezeichen hinter den Plänen steht. „In einem Nebensatz hat Professor Knoflacher ja gesagt, dass der Takt nur sinnvoll ist, wenn der Bus überhaupt fahren kann“, erinnert Winkler. Um das zu klären, müsse man die ersten Wochen nach der Sperrung der Zufahrt zum Hauptplatz abwarten. „Es ist zu befürchten, dass uns die Katharinenstraße dann nicht mehr so viele Probleme macht, die alte B17 dafür mehr.“ Eisele ergänzt: „Es weiß ja im Moment noch niemand, ob nicht das Chaos in der Neuen Bergstraße ausbricht. Falls wir den Halb-Stunden-Takt nicht mehr vernünftig bedienen können, können wir nicht den Viertel-Stunden-Takt einzuführen. Es bringt niemand etwas, wenn vier statt zwei Busse im Stau stehen.“ Probleme könnte dabei die Anfahrt zum Hauptplatz von der Neuen Bergstraße her bereiten, weniger die Durchfahrt durch den Hinteranger. Denn falls es von der Schlossergasse abwärts zum Dauer-Stau kommt, ist vorgesorgt. Dann würde die inzwischen installierte Schranke am Schmalzturm zum Einsatz kommen und die Straße sperren. „Für die erhalten die Stadtbusfahrer einen Piepser für die Durchfahrt, das funktioniert ja am Penzinger Feld schon so“, erklärt Eisele. Ebenfalls noch völlig offen ist, wo das Geld für die Taktverdoppelung herkommen soll. Der Landkreis trägt im Regelfall die Hälfte des Defizits mit. Bei einem 15-Minuten-Takt wären das voraussichtlich 250000 Euro mehr als bisher. „Das ist natürlich nirgends vorgesehen, diese Idee kam ja erst, als der Haushalt bereits verabschiedet war“, erklärt Dietmar Winkler, „darüber müsste dann die Nahverkehrskommission und eventuell der Kreisausschuss ent­- scheiden.“ Bislang allerdings gibt es noch gar keine offizielle Anfrage seitens der Stadt. Von der Stadtverwaltung war zu dem Thema bis Redaktionsschluss am Dienstag Nachmittag keine Stellungnahme zu erhalten.

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