Die blumenlose Altstadt

»Blumen Strasser« im Vorderanger schließt nach 19 Jahren

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Philomena und Helmut Strasser – beide sind 70 Jahre alt – schließen nach 19 Jahren aus altersgründen ihren Blumenladen im Vorderanger. Nach einer kurzen Renovierung wird der Asia-Laden von gegenüber dort einziehen.

Landsberg – Es ist der letzte Blumenladen in der Altstadt. 19 Jahre lang winkte das Sonnenblumenschild „Blumen Strasser“ im Vorderanger den Kunden zu. Ab dem 30. Juni ist es damit vorbei. Es rentiert sich nicht mehr. Denn die Kunden kaufen lieber im Supermarkt. Aber Eigentümer Helmut Strasser hört auch aus Altersgründen auf: „Mit 70 muss man nicht mehr im Laden stehen.“ Und auch seine Frau Philomena möchte mit ihren 70 Jahren nicht mehr Blumen verkaufen: „Ich habe die Kraft nicht mehr.“ Nach dem Auszug wird renoviert. Und ab dem 1. August wird der Asia-Laden von gegenüber einziehen.

Langweilig wird es Helmut und Philomena Strasser im Ruhe­stand sicher nicht werden: „Wir haben einen sehr großen Garten“, lacht Helmut. Wenn sie jünger wären, würden sie ja auch gerne weitermachen. Trotz harter Konkurrenz durch Supermärkte und Internet, betont Philomena: „Uns macht unser Beruf wahnsinnig Spaß.“

Die Strassers kennen und lieben ihr Handwerk. Bevor sie 1999 nach Landsberg kamen, hatten die beiden einen Laden in München: „Da sind die Leute von Pasing zu uns nach Schwabing gekommen“, schwärmt Philomena. Doch irgendwann wurden die Mieten in München zu teuer. Über ihren Blumenhändler erfuhren die Strassers von dem Ladengeschäft in Landsberg – und zogen um.

Bis vor Kurzem habe der Einzelhandel noch gut funktioniert, meint Helmut. Die Kunden hätten noch Fachwissen und Beratung geschätzt. „Heute holen sich die Leute Gartentipps aus dem Internet und kaufen dann im Supermarkt“, erzählt Philomena. Wenn sie eine Pflanze verkaufe, dann habe sie diese aber auch gepflegt.

Insgesamt habe sich das Kundenverhalten geändert, bedauert die 70-Jährige. Die Leute hätten generell das Gefühl, im Einzelhandel zu viel zu bezahlen. Dass dabei auch die Beratung miteinbegriffen ist, vergäßen viele. Und zudem seien die Supermärkte oft nicht günstiger. Manche sogar teurer. „Der Einzelhandel kann heute eigentlich kaum überleben“, so Strasser. „Überall hören auch die Blumengeschäfte auf. Die Zeiten sind vorbei.“ Sträuße gebe es ja heute bereits an jeder Tankstelle. Da lohne es sich auch nicht mehr, sonntags zu öffnen – was er jahrelang gemacht habe.

Seit fünf Jahren spüre er die Krise im Einzelhandel deutlich, „seit drei Jahren ist es ganz akut.“ Besonders akut in Landsberg, ganz besonders im Vorderanger, unter anderem auch wegen der mangelnden Parkplätze. „Die Landsberger kaufen kaum mehr bei uns“, bedauert Philomena und Ehemann Helmut ergänzt: „Wir sind froh, dass so viele Touristen nach Landsberg kommen.“

Am 30. Juni winkt die Sonnenblume zum letzten Mal und lädt zum Blumenkauf im Vorderanger ein. Schon jetzt ist viel Blühendes und Grünes günstiger zu ergattern. Alles, was er nicht losbekommt, wird Helmut noch übers Internet verkaufen. Und dann werden sich die Strassers ihrem eigenen Garten mit Herzblut widmen.

Nach einer kleinen Renovierung wird Mujibullah Beene mit seinem Asia-Laden von gegenüber im ehemaligen Blumenladen einziehen: Beene muss aus seinem bisherigen Laden raus, weil das Haus verkauft und saniert wird. Es bleibt also zumindest ein bisschen grün im Vorderen Anger 226.

sug

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