Der Blumenladen bleibt!

Reine Verwaltungssache… Cartoon: Pfeffer

Am Dienstagvormittag hat OB Mathias Neuner (CSU) die verfahrene Situation um das im Kloster­eck geplante Kulturbüro entschlossen aufgelöst: Obwohl krank, suchte er den Weg zu dem meistdiskutierten Blumenladen der Stadt und zog gegenüber der Inhaberin die Kündigung zurück. „Wir hatten ein langes, freundliches und konstruktives Gespräch“, so Neuner. „Ich habe Frau Kaiser gesagt, dass ihr Mietvertrag normal weiterläuft.“

Nachdem es zuletzt noch kategorisch geheißen hatte, das Kulturbüro käme „ins Kloster­eck oder gar nicht", schwenkte der OB jetzt in dieser Frage auf die Linie ein, die die große Mehrheit der Landsberger favorisierte, die sich öffentlich zu Wort gemeldet hatte: „Wir werden andere Standorte prüfen“, so Neuner gegenüber dem KREISBOTEN. Darunter seien auch die bereits genannten Räume in der Gogglgasse und im historischen Rathaus. Dafür werde man sich nun „ausreichend Zeit lassen“ und „in Ruhe ein Konzept erstellen, das Hand und Fuß hat und genaue Kostenschätzungen enthält.“ Unabhängig vom Blu­menladen will Mathias Neuner die Deckenfresken im Klostereck offiziell begutachten lassen. „Danach wissen wir, wie der Zustand aktuell wirklich ist, ob dringend saniert werden muss und was das die Stadt kostet“, so das Stadtoberhaupt. Ob die Absetzung des Tagesordnungspunkts „Kulturbüro“ im Finanzausschuss rechtens war, soll nach einem entsprechenden Antrag von UBV, Grünen und BAL zwar in der nächsten Stadtratssitzung noch ordnungsgemäß beraten werden, allerdings ist der Gegenstand nach der überraschen­- den Wende Neuners wohl hinfällig. Lesen Sie nachfolgend mehr dazu und zur Ratsdebatte. Von Meinungsmachern gejagt? Von TONI SCHWAIGER. Landsberg – Vor dem Rathaus werden Sonnenblumen verteilt, im Sitzungssaal reichen die Zuschauerplätze nicht aus. Das Thema Kulturbüro und Blumenladen am Kloster­eck beschäftigt Landsberg. Das Stadtoberhaupt freut sich über das „große Engagement für Mitbürger“. Er brauche die „direkte Anteilnahme, damit die Politik nicht am Bürgerwillen vorbei entschei­det“, betont Mathias Neuner (CSU) Tage später in seinem Bürgerbrief. Indes: Das Drehbuch für die Ratssitzung am Mittwoch sah Anderes vor: Tagesordnungspunkt „Abteilung Kultur und Bildung – Raum und Personal“ wird vertagt, die Kündigung bleibt eine Angelegenheit der „laufenden Verwaltung“ – wie wahr: Am gestrigen Dienstag gibt ein offensichtlich geläuterter OB bekannt, die Kündigung zurückzuziehen Zum Geschehen vom Mittwoch: Mit 10:4 Stimmen folgt der Finanzausschuss Neuners Vorschlag, nachdem dieser das Zollhaus an der Karolinenbrücke als Alternativstandort angepriesen hatte. „Ich denke, dass wir dort bald einen Blumenladen haben werden.“ Diese Zuversicht des Stadtoberhauptes schien zu überzeugen. „Dann ist ja die Kuh vom Eis“, freute sich Gunnar Kahmke (SPD). Hat Floristin Anita Kaiser-Schmid den neuen Mietvertrag erst mal sicher, dann möchten der OB und die Räte das Thema „Kulturbüro“ behandeln. Das wäre aber schon früher der Fall gewesen. UBV-Fraktionsvorsitzender Christoph Jell und weitere acht Ratsmitglieder von UBV, Grüne, BAL und ÖDP haben nämlich einen Überprüfungsantrag gestellt – damit hätte OB Neuner die Angelegenheit schnellstens auf die Tagesordnung des Stadtrates setzen. Zudem rief Jost Handtrack (Grüne), dem „Rat“ von Stadtjuristin Petra Mayr-Endhart folgend, die Rechtsaufsicht im Landratsamt an. Handtrack wollte Vertagung, Kündigung und Einrichtung des Kulturbüros überprüft wissen, um „den Weg für die Umsetzung des Bürgerwillens durch die Stadträte frei zu machen.“ Ach ja, das Drehbuch. Dieses sah zunächst das Lob des Stadtoberhauptes für die so diskussionsfreudige Bürgerschaft vor. Auf solch großes Engagement hoffe er auch, wenn es um „ganz wichtige Dinge“ gehe. Die Kündigung des Blumenladens sei „rechtens, richtig und vorbesprochen“, betonte Neuner. Mit dem Hinweis auf die besondere Bedeutung der ehemaligen Leonhardikapelle gab er das Wort an Bürgermeisterin Sigrid Knollmüller (CSU) weiter. Sie gehört zwar nicht dem Finanzausschuss an, doch als Kulturreferentin des Stadtrates er­hielt auch sie eine Rolle. Zunächst weit ausholend war ihre historische Abhandlung zu Gebäude, Kapelle und Fresken, dann brachte sie es auf den Punkt: „Mit der Verpachtung an die Gärtnerei Schindler begann das Leiden dieses Raumes.“ Die Stadt sei verpflichtet, solche Baudenkmäler zu erhalten und zu schützen, betonte Knollmüller mit Blick zum stellvertretenden Stadtbaumeister. Nebenrollen Peter Hubers Rolle war deutlich kürzer und präziser: „Den Fresken geht es nicht gut“, sagte er, es sei aber keine Gefahr in Verzug. Auf rund 30000 Euro wird die Sanierung geschätzt. Huber erinnerte auch daran, dass man schon vor Jahren die Verlegung des Blumensladens in die Musikschule untersucht habe. Das Vorhaben sei an den Kosten von über 200000 Euro gescheitert. Apropos: Bis zu 80000 Euro muss die Stadt für den Umbau und die Sanierung des Raumes am Klostereck investieren. Die designierte Kultur-Abteilungs- und VHS-Referatsleiterin Silvia Frey-Wegele – am Mittwoch eher mit einer Nebenrolle bedacht – signalisierte unmissverständlich, dass das Kulturbüro nur an dieser einen Stelle sinnvoll sei. „Die Arbeit in zwei Büros würde hohe Defizite mit sich bringen.“ Ein Konzept, was in Landsbergs Kulturbüro eines Tages geschehen soll, werde sie etwa in einem halben Jahr vorlegen. Für UBV-Rat Jell ein absolutes Unding: „Es werden Fak­- ten geschaffen, ohne auch nur einen Satz eines belastbaren Konzepts gehört oder gelesen zu haben.“ Und Jost Handtrack macht sich in einem Brief an den OB für eine Lösung im Historischen Rathaus stark – direkt neben dem städtischen Kultur- und Fremdenverkehrsamt. Seit gestern ist Neuner bereit, auch das in Betracht zu ziehen. Bekanntlich kommt das vermeintlich Beste zum Schluss – so auch im Blumenladen-Drehbuch. „Ich habe eine Alternative gefunden“, frohlockte das Stadtoberhaupt am Mittwoch im Finanzausschuss, bevor er die Debatte eröffnete. Die von ihm, Neuner, initiierten Gespräche zwischen Eigentümer und Kaiser-Schmid seien „erfolgreich“ verlaufen. „Ich denke, dass wir bald einen Blumenladen im Zollhaus haben, deshalb sollten wir vertagen, bis die Verhandlungen abgeschlossen sind.“ Wer wollte da noch Nein sagen? Die SPD jedenfalls nicht und auch nicht die CSU-Fraktion. Deren Sprecher, Helmut Weber, sieht angesichts der lautstarken Bürgerproteste gegen die Blumenladen-Kündigung das „Demokratiebewusstsein abgleiten“. Damit nicht genug: „Stadtrat und Verwaltung werden von Meinungsmachern gejagt.“ Und das Zollhaus? Das gehört Konrad Schmid, ist vermietet an seinen Schwiegersohn und an eine Café-Betreiberin weitervermietet. Diese habe sich ohne Wissen Schmids an den OB gewandt. Es könne also keine Rede davon sein, dass Neuner selbst eine Alternative gefunden habe. Unabhängig davon habe er, Schmid, bereits vor der Finanzausschusssitzung zwei Gespräche mit Floristin Kaiser-Schmid geführt. „Ich möchte ihr helfen“, sagt er, doch das sei bei zwei bestehenden Mietverhältnissen alles andere als einfach. „Wir befinden uns im An­fangsstadium, da ist absolut noch nichts geklärt.“ Das ist nach der Rücknahme der Kündigung nicht mehr nötig. Bereits ab Januar ohne weitere Investitionen bezugsfertig wäre ein Büro in der Goggl­gasse, das Schmid dem Oberbürgermeister vor der Ratssitzung angeboten hatte. Auch darauf will Neuner jetzt eingehen.

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