Großer Widerstand der Bürger

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So wie dieser Entwurf könnte das geplante Bootshaus der Polizei in Holzhausen einmal aussehen.

Utting – Der Seminarraum im Haus Sieben Eichen der Verwaltungsschule in Holzhausen, wo die jüngste Uttinger Gemeinderatssitzung stattfand, platzte aus allen Nähten. Rund 300 Zuhörer wollten dabei sein, als das Gremium vergangene Woche über die Planungen für ein Bootshaus der Wasserschutzpolizei Dießen informiert wurde. So viel öffentliches Interesse herrsche normalerweise nur, wenn eine Polizeiinspektion aufgelöst oder verkleinert werden solle, zeigte sich der Vizepräsident des Polizeipräsidiums Oberbayern-Nord, Günther Gietl, überrascht.

Das Bootshaus soll am Dampfersteg in Holzhausen errichtet werden, doch der Widerstand der Bürger ist groß. 30 Meter lang und – vom Wasserspiegel aus – 5,80 Meter hoch soll das zweigiebelige Gebäude werden und Platz für ein 8,70 Meter langes Polizeiboot sowie ein Flachwasserboot bieten. Das Haus werde weder den Blick nach Andechs und auf die Alpen stören noch dazu führen, dass der Steg für die Öffentlichkeit gesperrt werde, betonten die Behördenvertreter. 

Idealer Standort 

Nach einer umfangreichen Standortsuche war Holzhausen nicht nur als einzige, sondern angeblich sogar ideale Option übrig geblieben. „Wir haben rund um den See alles geprüft“, sagte Richard Filser von der Liegenschaftsverwaltung des Polizeipräsidiums. Das Ostufer komme aus Witterungsgründen nicht in Frage. In Schondorf, Utting und Riederau sei die Nähe zu Personenschifffahrt und Badebetrieb problematisch, die Werft in Stegen sei zu beengt, eine vorgeschlagene Boots- und Badehütte in Dießen ebenfalls zu klein. 

Holzhausen dagegen sei aufgrund seiner zentralen Lage am Westufer einsatztaktisch bestens geeignet. Auch gebe es dort wenig Schifffahrt und Touristen. Ein tragfähiger Steg mit Treppenbau sei bereits vorhanden, so dass keine weiteren Eingriffe in die Natur nötig seien. Fazit: „Es sprechen alle Punkte für Holzhausen.“ 

Das erschien vielen unter den Zuschauern, die in einer eigenen Fragerunde zu Wort kamen, als recht einseitige Dar- stellung. Und auch Gemeinderätin Renate Standfest (GAL) kritisierte, in Bezug auf Holzhausen würden nur Vorteile genannt und kein einziger Nach- teil. „Das ist keine objektive Abwägung.“ Warum das Polizeiboot überhaupt ein Bootshaus braucht, wurde wiederholt gefragt. In der Vergangenheit sei es doch auch ohne gegangen. 

Laut Tobias Hofrichter von der Wasserschutzpolizei in Dießen war man in den vergangenen zehn Jahren während der Wintermonate nicht in der Lage, den gesetzlichen Aufgaben auf dem See nachzukommen, da das Boot gezwungenermaßen auf dem Trockenen gelegen habe. „Gott sei Dank“ sei in dieser Zeit nichts passiert, was einen Polizeieinsatz auf dem Wasser erfordert hätte. Das Einsatzspektrum reiche von der Personenrettung bis hin zur Überwachung des Naturschutzes und dem Einschreiten gegen Schwarzfischerei. 

Nach einer Serie von Außenborddiebstählen seien die Beamten ganze Nächte auf dem See patroulliert. „Das kann man nicht auf einem Schlauchboot ohne sanitäre Anlagen und ohne ein Dach über dem Kopf“, sagte Hofrichter. Das Argument, für die Personenrettung gebe es die Wasserwacht, ließ er nicht gelten. Die Einsatzleitung in solchen Fällen liege bei der Polizei. 

Die Gemeinde kann bei den Planungen übrigens nicht mitreden, auch ihr Einvernehmen ist keine Voraussetzung für den Bau. Der See sei außermärkisches Gebiet, erklärte Bürgermeister Josef Lutzenberger (GAL). Und da die Polizei hoheitlich tätig sei, dürfe sie – anders als jeder Privatmann – ein Bootshaus am See errichten. Genehmigt werde es vom Landratsamt, sofern eine Reihe von Einzelbescheiden – unter anderem in Sachen Naturschutz und Wasserrecht – positiv ausfalle, erklärte ein Vertreter des Staatlichen Bauamts Weilheim. 

Infrastruktur prüfen 

Natürlich brauche man eine funktionierende Polizei auf dem See, räumte Gemeinderat Karl Sauter (CSU) ein. Er regte jedoch an, den Standort Stegen noch einmal zu untersuchen. Auch Patrick Schneider (GAL) fand: „Es spricht alles für Stegen.“ Dort sei die nötige Infrastruktur vorhanden. Die Behördenvertreter sagten eine erneute Prüfung zu und wollen anschließend noch einmal im Gemeinderat berichten. Dann wird vermutlich auch über einen Antrag von Florian Münzer (GAL) abgestimmt. Er will, dass sich der Gemeinderat gegen das Bootshaus in Holzhausen ausspricht, auch wenn ein solcher Beschluss auf das Genehmigungsverfahren keine Wirkung hätte.

Ulrike Osman

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