Brachialgewalt im Aufzug

Stellt Menschen mit Behinderung und die örtliche Feuerwehr immer wieder vor erhebliche Probleme: der Aufzug am Bahnhof in Geltendorf. Foto: Osman

Der Geltendorfer Bahnhof ist barrierefrei. Zumindest theoretisch. Praktisch kommt es immer wieder vor, dass die Aufzüge zu den Bahnsteigen streiken. Betroffene Fahrgäste rufen dann gern die Feuerwehr, doch die sieht allmählich nicht mehr ein, dass sie die Probleme der Bahn lösen soll. „Wir sind nicht das Kindermädchen für alles“, sagt Kommandant Ewald Kapfhammer.

Dreimal mussten die Freiwilligen im vergangenen Jahr ausrücken, um eingeschlossene Fahrgäste aus steckengebliebenen Aufzügen zu befreien, unter anderem an Heiligabend. Natürlich gibt es auch einen Notrufknopf, über den man bei der Unfallleitstelle der Bahn Hilfe anfordern kann. „Aber die Leute sind verwöhnt und alarmieren lieber per Handy die Feuerwehr, weil sie wissen, dass wir schneller da sind“, so Kapfhammer. Der jüngste Einsatz seiner Truppe am Bahnhof war Anfang Mai; und er eröffnete noch einmal eine neue Dimension. Ein Rollstuhlfahrer war auf Bahnsteig 2/3 aus dem Zug gefahren und musste feststellen, dass der Aufzug nicht funktionierte. Er rief die Feuerwehr und ließ sich über die Treppen zum Ausgang tragen. Warum der Mann nicht andere Fahrgäste oder Bahnmitarbeiter um Hilfe bat, weiß Kapfhammer nicht. Er möchte auch nicht ausgerechnet im Falle eines Behinderten die Notwendigkeit des Hilferufes infrage stellen. „Aber die Bahn hat gegenüber ihren Fahrgästen eine gewisse Fürsorgepflicht“; sagt er. „Das kann nicht alles unsere Aufgabe sein. Die Ehrenamtlichen müssen für einen Einsatz ihren Arbeitsplatz verlassen oder werden aus ihrer wohlverdienten Freizeit gerissen.“ Auch hat der Kommandant festgestellt, dass die Bahn sich mit der Reparatur kaputter Aufzüge neuerdings Zeit lässt. „Früher wurden Defekte innerhalb von 24 Stunden beseitigt, inzwischen kann es mehrere Tage dauern.“ Und schließlich fragt sich Kapfhammer, warum es überhaupt so häufig Probleme gibt – schließlich sind die Aufzüge relativ neu, da der barrierefreie Umbau des Bahnhofs erst wenige Jahre zurückliegt. Von Fall zu Fall „Gelegentliche technische Defekte kommen auch bei neueren Aufzügen vor“, sagt dazu ein Bahn-Sprecher. Oft sei aber Vandalismus die Ursache. Wie lange die Reparatur dauert, sei von Fall zu Fall verschieden. „Das hängt vom Schaden ab.“ Unter Umständen könnten die Aufzüge schon einmal mehrere Tage ausfallen. Ankommende Fahrgäste, die beim Verlassen des Geltendorfer Bahnhofes Hilfe brauchen, sollten sich an Bahn-Mitarbeiter wenden oder über eine Notfall-Telefonnummer, die in den Schaukästen auf den Bahnsteigen steht, Unterstützung anfordern. „Und wer im Aufzug steckenbleibt, soll bitte nicht die Feuerwehr alarmieren, sondern unsere Unfallleitstelle“, so der Bahnsprecher. Dies nicht etwa, um den Brandschützern Arbeit zu ersparen. „Die Feuerwehr öffnet die Tür mit Brachialgewalt. Dann ist der Aufzug erst recht kaputt.“

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