Abschied mit Open-Air-Gottesdienst

Brandursache in Uttinger Christuskirche noch ungeklärt

Pfarrer-Ehepaar Alexandra und Jochen Eberhardt Utting
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Entsetzt vom Anblick ihrer ausgebrannten Christuskirche zeigte sich das Pfarrer-Ehepaar Alexandra und Jochen Eberhardt nach ihrer Rückkehr vom abgebrochenen Urlaub. Sie möchten die Kirche schnellstmöglich wieder aufbauen.
  • Dieter Roettig
    VonDieter Roettig
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Utting – Die Ursache des verheerenden Vollbrandes der evangelischen Christuskirche in der Uttinger Laibner Straße ist nach wie vor ein Rätsel. Brandermittler der Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck und von der Augsburger Polizei-Hundestaffel mit speziell ausgebildeten Spürhunden konnten im Inneren sowie im Umfeld der Ruine keine Hinweise auf Brandbeschleuniger oder Fremdverschulden finden. Trotzdem wird der Brandschutt labortechnisch genauestens untersucht, wobei das laut Polizeipräsidium Oberbayern-Nord noch mehrere Tage dauert. Ebenfalls ist ungeklärt, ob und welch ein technischer Defekt das Feuer ausgelöst haben könnte. Den Gesamtschaden bezifferte die Polizei nach einer ersten groben Schätzung auf eine halbe bis eine dreiviertel Million Euro.

Das Feuer wurde am frühen Mittwochmorgen von einem Zeitungsausträger entdeckt und gemeldet. Die schon nach wenigen Minuten eintreffende Uttinger Feuerwehr konnte zunächst wenig ausrichten, da die östliche Kirchenfassade bereits im Vollbrand stand. Weil die im rückwärtigen Teil des Grundstücks befindliche Kirche nicht direkt mit einer Drehleiter angefahren werden kann, mussten die Feuerwehrleute von Handleitern aus löschen. Unter der Regie von Florian Hoffmann, Uttings Feuerwehrkommandant und Bürgermeister, waren im Laufe der Löscharbeiten rund einhundert Einsatzkräfte am Werk, auch von den Nachbarfeuerwehren aus Schondorf, Greifenberg, Dießen und Finning. Gemeinsam gelang es, ein Übergreifen der Flammen auf das direkt angrenzende Gemeindezentrum zu verhindern. Dazu wurden Dachziegel entfernt und Scheiben eingeschlagen. Das fast einhundert Jahre alte im Stil skandinavischer Holzknüppel-Kirchen erbaute Gotteshaus aber war nicht mehr zu retten. Die Schallluken des Glockenturms erzeugten eine Sogwirkung wie bei einem Kamin und beschleunigten den Brand.

Geschmolzene Orgel

Als das Uttinger Pfarrer-Ehepaar Alexandra und Jochen Eberhardt am Mittwoch aus ihrem jäh abgebrochenen Gardasee-Urlaub an der Kirche eintraf, bot sich ihnen ein trauriges Bild der Verwüstung: Verbranntes und angekohltes Holz und Mobiliar, Trümmer, Scherben, Asche und sogar die geschmolzenen Orgelpfeifen aus Zinn. Wegen akuter Einsturzgefahr wurde die Kirche sofort mit einem Bauzaun samt Polizei-Absperrband abgeriegelt. Nur die Brandfahnder dürfen auf das Gelände. Bei allem Entsetzen über das Unglück freute sich Pfarrerin Alexandra Eberhardt, dass keine Menschen zu Schaden gekommen sind.

Sofort informierte sie die evangelische Gemeinde via Homepage über das Unglück mit dem einleitenden Satz „Wie fasst man in Worte, was man selbst noch nicht fassen kann?“ Überwältigt zeigte sie sich von der spontanen Welle an Hilfsangeboten und dem einhelligen Wunsch, die Kirche sehr zeitnah wieder aufzubauen. Dabei zitierte sie die Worte einer Kirchenvorsteherin: „Gemeinde, das sind die Menschen, das sind wir. Und wir sind nicht abgebrannt.“

Auf das umgehend eingerichtete Spendenkonto für den „Wiederaufbau Christuskirche“ sind bereits erste Gelder eingegangen (IBAN DE66 7005 2060 0000 1055 69 – BIC BYLADEM1LLD). Auch die Gemeinde wird mit einer Finanzspritze zum Wiederaufbau beitragen. Das versprach Bürgermeister Florian Hoffmann beim „Abschieds-, Trost- und Hoffnungsgottesdienst“ am Sonntag auf der Wiese vor der Brandruine. Unter einem von den Thainiger Vereinen zur Verfügung gestellten Zeltdach sowie kleineren Zelten trafen sich gut zweihundert Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde zu einer bewegenden Messe. Mit Blumen schmückten sie im Anschluss die Absperrung und nahmen in einer ganz persönlichen Andacht Abschied von der Kirche, in der sie Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten und auch Beerdigungen erlebt haben.

Kurz vor dem 100.

Am 10. Juli 2027 hätte die historische Christuskirche ihr einhundertjähriges Bestehen gefeiert. Erste Überlegungen für ein Festprogramm gab es bereits im Kirchenvorstand. Jetzt darf man sich wohl Gedanken für die Einweihung der neuen Kirche machen.

Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert war nur ein verhältnismäßig geringer Anteil der Uttinger Bevölkerung evangelisch. Erst 1927 erhielt der „Evangelische Verein Utting“ einen Betsaal in Holzknüppelbauweise, aber noch ohne Glockenturm. Im hinteren Teil gab es einen kleinen Gemeinderaum, in dem Kindergottesdienste, Bibelstunden und Chorproben stattfanden. Vier Jahre später wurde der Betsaal mit einem Turm für drei Glocken erweitert, mauserte sich also nach landläufigen Maßstäben zu einer richtigen Kirche.

In den folgenden fünfzig Jahren veränderte sich das Gesicht der Kirche nur geringfügig. Wegen der wachsenden Mitgliederzahl musste ein Gemeindezentrum angebaut werden. Zwischen 1987 und 1990 wurde das Gotteshaus renoviert und bekam den offiziellen Namen „Christuskirche“. Die Kirchenbänke hat man dabei verbannt und Stühle angeschafft, um flexibel auch andere Veranstaltungen durchführen zu können – wie beispielsweise Ausstellungen, klassische Konzerte oder sogar einen Poetry-Slam-Wettbewerb.

Wo bis zum Neubau die Gottesdienste der evangelischen Gemeinde abgehalten werden, ist derzeit in der Klärung. Die katholischen Nachbarn haben schon mal ihre Leonhardi-Kirche in der Dießener Straße angeboten. Die Corona-Teststation ist bereits umgezogen vom Gemeindezentrum in den Bürgertreff „17 & Wir“ in der Bahnhofstraße.

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