Braucht’s das in Krisenzeiten? Neue Landsberger Fußgängerbrücke wird zum Zankapfel

Für manche ist er in krisengeschüttelten Zeiten purer Luxus, für andere eine absolute Notwendigkeit: die neue Brücke über den Lech. Nächstes Jahr sollte er unmittelbar an der Staustufe 15 erfolgen. Es gilt die Neubaugebiete Obere Wiesen und Katharinenanger, aber auch den Englischen Garten besser an das Naherholungsgebiet Lechpark Pössinger Au anzubinden. Was im Haushalt bereits festgezurrt ist, gerät jetzt ins Wanken, weil deutlich teurer als geplant: um die 1,9 Millionen Euro soll’s kosten.

Im Oktober vergangenen Jahres war man im Bauausschuss überein gekommen, eine Entwurfsplanung mit Kostenberechnung erstellen zu lassen. Dies für zwei Varianten der Fußgängerbrücke, ober- und unterstrom der Lechstaustufe 15. Nach ersten Schätzungen war man von 1,3 Millionen Euro ausgegangen, verteilt auf die Haushaltsjahre 2009 und 2010. „Diese Summe ist nicht zu halten“, gestand Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) nun im Finanzausschuss ein. Laut Berechnung des Planungsbüros Trepte-Häusele müssen allein für die Baukosten je nach Variante 400000 be- ziehungsweise 600000 Euro mehr veranschlagt werden. Angesichts der sehr deutlichen Kostensteigerung ließen kritische Töne im Ausschuss nicht lange auf sich warten. „Am Ende werden es über zwei Millionen Euro sein“, prognostizierte UBV-Stadtrat Dr. Reinhard Steuer, das sei in der heutigen Zeit nicht zu rechtfertigen. Auf solch „schönen Luxus“ dürfe man getrost verzichten. Da es im Moment weit wichtigere Projekte gebe riet UBV-Fraktionschef Christoph Jell, über das Vorhaben noch einmal nachzudenken. Weitaus deutlicher wurden die Grünen. Ruth Satzger etwa findet es „skandalös, über zwei Millionen Euro für eine Freizeiteinrichtung zur reden, während wir Investitionen in unsere Schulen gestrichen haben.“ Ein klares „Nein“ auch von Ludwig Hartmann. „Hätte sich das Holzcluster im Frauenwald wie gewünscht entwickelt, dann hätten wir pro Jahr vier Millionen Euro mehr Gewerbesteuer und könnten uns die Brücke leisten.“ Nachdem auch Reinhard Skobrinsky (BAL) die „zu hohen Ausgaben für eine Freizeiteinrichtung“ kritisiert hatte, platzte dem OB der Kragen. „Wir investieren doch nicht in einen Funpark, sondern in die Erschließung des schönsten Teiles unserer Natur im Stadtgebiet, in ein weiteres Stück Lebensqualität.“ Und eben die gute Erreichbarkeit des Naherholungsgebietes Lechpark Pössinger Au müsse man den Menschen in den westlichen Neubaugebieten unbedingt gewährleisten, betonte Harald Reitmeir für die CSU. Den jahrzehntelang gehegten Wunsch dürfe man sich in „nicht so guten Zeiten“ durchaus erfüllen, sagte Dieter Völkl (SPD), um mit dem Auftrag auch die Wirtschaft zu stützen – „das ist eine unserer Aufgaben“. SPD-Chef Ludwig Kaiser, der an dem Projekt unbedingt festhalten möchte, schlug letztlich einen Termin am Lech vor. Mit 10:5 einigte sich der Finanzausschuss darauf, das Thema im Rahmen einer Ortsbesichtigung im Stadtrat zu behandeln und dann einen Grundsatzbeschluss zu fällen, ob die Planung überhaupt weiterbetrieben werden soll. Pylonen oder Stützen Bei beiden Varianten ist das Büro Trepte-Häusele von einer 2,50 Meter breiten Stahlkonstruktion mit Asphaltbelag ausgegangen. Das Bauwerk oberstrom der Stufe 15 ist aufwendiger, da es über Pylonen von Seilen getragen wird. Deshalb ist sie mit 1,9 Millionen Euro auch teurer als Variante 2. Diese befindet es etwa 80 Meter unterstrom der Staustufe, ruht auf zwei Stützen und dürfte mit 1,7 Millionen Euro zu Buche schlagen – zuzüglich der Kosten für den Grunderwerb. Diese sind erforderlich, um im Westen den Zugang zur Brücke von der Verbindungsstraße Englischen Garten-Zehnerhof zu gewährleisten.

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