Erfahrungsbericht:

Immobil im Herzen Bayerns

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„Bahnland Bayern, Zeit für Dich!“ Wie wahr, wie wahr...

Landsberg/Kaufering – „Mobil im Herzen Bayerns.“ Das verspricht der Slogan der BRB. Nicht ganz. Der Zugverkehr zwischen Landsberg und Kaufering lässt zu wünschen übrig. Für die kommenden Wochen muss die BRB den Zugverkehr auf der Strecke einstellen. Der Grund: Personalmangel. Alle Lokführer sind entweder krank, im Urlaub oder werden gerade ausgebildet. Schienen­ersatzverkehr, kurzum: Busse sollen‘s richten. Aber auch die haben so ihre Tücken. Helmut Dürr aus Landsberg kann ein Lied davon singen. Er versuchte, Anfang Juli mit dem Zug nach München zu kommen. Die Geschichte eines Scheiterns.

Es war ein ganz gewöhnlicher Sonntag, an dem Dürr komfortabel im Zug von Landsberg nach Kaufering zuckeln wollte. Nun verkehrt am Wochenende die Bahn nicht im Fünfminutentakt. Aber ab und zu fährt dann doch ein Zug – wenn nicht Schienenersatzverkehr besteht. Und den gibt es seit Übernahme der Strecke durch die BRB äußerst häufig. So auch an jenem 7. Juli.

An diesem Sonntag steht Dürr an der Haltestelle Landsberg Schule. Auf der Infotafel ist zu lesen: „BRB 15:38 nach Landsberg: Zug fällt aus. SEV ist eingerichtet.“ Und anschließend: „15:47 nach Kaufering: pünktlich auf Gleis 1.“ Verwirrend, findet Dürr: „Wenn kein Zug nach Landsberg fährt, dann fährt von dort auch keiner weg.“ Dennoch, er vertraut der Anzeige, die der Fahrkartenautomat bestätigt, und zieht ein Ticket nach Kaufering.

Mitleidensgenosse ist ein Peruaner, der rechtzeitig am Flughafen München muss. Sein Flug nach Lima wartet nicht. Die polyglotte Fahrplan-App auf seinem Handy verkündet frohgemut: „BRB to Kaufering: in time.“ Die beiden warten. Nichts geschieht. Deutschland sei doch ein „well organized country“, fragt hoffend der Peruaner. Aber erste Zweifel sind gesät. Und die werden bestätigt.

Dürr rät dem Peruaner zum Taxi. Er, zeitlich flexibler, macht sich auf die Suche nach dem SEV. Nicht, dass an der Haltestelle Landsberg Schule etwas davon stünde, wo er abfährt. Geschweige denn, dass er hier gar nicht verkehrt. Doch Dürr weiß aus leidvoller Erfahrung Bescheid und läuft im strömenden Regen dem SEV entgegen zum Bahnhof.

Aber auch dort: gähnende Leere. „Fall Sie mal wieder einen gespenstischen Ort aufsuchen möchten, gehen Sie am Wochen­ende auf den Landsberger Bahnhof“, rät er später Oberbürgermeister Mathias Neuner in einem Brief. „Kein Zug, kein Bus, kein Taxi, kein Mensch, das Bahnhofsgebäude abgesperrt.“ Und auch hier kein Hinweis auf den SEV. Dürrs einziger Lichtblick ist die Handynummer eines Taxiunternehmens, bei dem er tatsächlich erfolgreich ein Taxi bestellen kann.

Während er wartet, schiebt sich ein Taxi-Kleinbus auf einen verwaisten Busbahnsteig. Dürr winkt, keine Reaktion. Er läuft zum Kleinbus, klopft an die Scheibe: „Ich habe ein Taxi bestellt.“ „Ich bin der SEV nach Kaufering“, informiert der Taxifahrer. Immerhin, der SEV existiert, denkt Dürr. Fährt aber dennoch mit dem bestellten Taxi nach Kaufering. Und reicht die Quittung mitsamt eines launigen Beschwerdebriefs an die BRB zur Erstattung ein.

Leider bleiben das nicht Dürrs letzte schlechte BRB-Erfahrungen. Auch am ersten Ruethenfest-Wochenende klappt nichts. Sein Sohn aus München möchte ihn samt kleiner Tochter besuchen. Wieder fährt nur der SEV von Kaufering in die Lechstadt. Wobei im Kleinbustaxi keine Kindersitze sind, weshalb Dürrs Sohn ein kindertaugliches Taxi bestellt – „Quittung beiligend, um Erstattung wird gebeten.“

„Ihre Bahn fährt, wenn Sie grad mal lustig sind. Am Wochenende häufig lustlos“, schreibt Dürr später in seinem BRB-Beschwerdebrief. Und weiter: „Keine Mitnahme von Kindern, Fahrrad sowieso nicht. Körperbehinderte braucht man nicht mitnehmen: Die schaffen es in Kaufering eh nicht zum oder vom Bahnsteig.“ Eine treffende Zusammenfassung, die zu Denken gibt.

Noch hat Dürr seinen Humor nicht verloren. Er weist auf die Werbung der Bayerischen Eisenbahngesellschaft hin: „Bahnland Bayern, Zeit für Dich.“ Und fährt fort: „Ja, Zeit brauchst du im Bahnland Bayern – Nerven und Humor auch.“ 

Susanne Greiner

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