Apfeldorf: Telekom entschuldigt sich

In Apfeldorf stand das Thema Breitbanddebakel ganz oben

+
Problem Breitbandausbau: Bei der Bürgerversammlung in Apfeldorf das große Thema. Schuld sei ein Subunternehmen, behauptet die Telekom.

Apfeldorf – Im Großen und Ganzen eigentlich in Ordnung: Bürgermeister Georg Epple zeigte sich bei der Bürgerversammlung zufrieden. Den Bürgern selbst war der Breitbandausbau und seine Tücken ein großes Anliegen. Ein Telekom-Vertreter stand bei der Veranstaltung Rede und Antwort.

Zufriedenheit, ein paar Ermahnungen und zwei große Projekte, die aber ihr Geld kosten werden: So präsentierte Bürgermeister Georg Epple seinen Rückblick auf 2017 den Apfeldorfern. Wirklich viele waren nicht da, nur rund 60 Leute. Doch Epple freute sich dennoch: „Danke, dass so viele trotz des tollen Sommerwetters hier in die Mehrzweckhalle gekommen sind, wo man auch draußen so schön sitzen kann.“ Entschuldigt abwesend: Landsbergs Landrat Thomas Eichinger und Alt-Landrat Erwin Filser. Dafür war der Telekom-Vertreter Klaus-Dieter Strauß zu Gast, der den Bürgern den unglücklichen Verlauf des Breitbandausbaus im Dorf mit seinen Pannen zu erklären suchte.

Dennoch musste Epple erst mal klarstellen: Das Positive überwiegt im Dorf am Lech. Die Finanzlage ist mit 1,6 Millionen Euro und 130.000 Euro Schuldenstand beruhigend, Gauschützentag, Schmankerltag und Adventsmarkt brachten viele Besucher ins Dorf und die neue Straßenbeleuchtung ist keine Lichtverschmutzung, so Epple. Man habe einiges gegen die Hochwassergefahr gemacht – für die Bienen wolle man künftig auch mehr tun: nämlich blühende Flächen ansähen. „Das macht weniger Arbeit beim Mähen und die Bienen und Vögel haben eine Lebensgrundlage“, sagte Epple. Jedoch hatte er auch Ermahnungen für Bürger und Hausbesitzer im Gepäck: Bitte keinen Hausmüll in die Hundetoiletten. Gehölze, die auf die Straße ragen, bitte beschneiden. Für Autos Stellplätze auf dem eigenen Grundstück nützen (und nicht den Straßenrand). Und kein Regenwasser in die Kanalisation leiten, sondern versickern lassen. Epple appellierte an die Vernunft der Apfeldorfer, denn „sonst müssen wir da eines Tages Konsequenz zeigen und die Kosten auf alle umlegen“.

An Großprojekten kündigte er an: das neue „Dorfgemeinschaftshaus“. Dieses Projekt hieß früher „Mehrzweckhallenumbau“, doch das Interkommunale Entwicklungsprogramm ISEC, bei dem der Zweite Bürgermeister Gerhard Schmid hohe Kompetenz zeigte, bringe viele finanzielle Vorteile: ein Förderprogramm, bei dem die Apfeldorfer statt einer Million nun zwei Millionen Budget haben und im Norden einen beachtlichen Anbau hinstellen können. Doch die Planungen dauern noch: „Bei der derzeitigen Auftragslage am Bau rechnen wir nicht mit einem Beginn vor 2019“, sagte Epple

Auch auf dem Zettel: der neue Tiefbrunnen – für den die Bürger schon mal ein wenig „Taschengeld zurücklegen sollten, denn umsonst gibt es das leider nicht, diese Kosten sind umlagefähig.“ Für die Feuerwehr berichtete Kommandant Dominik Baur, der in seiner noch kurzen Amtszeit mit seiner fitten Truppe die Ausrüstung auf Vordermann gebracht hatte. Deutliche Worte gab es zum Feuerwehrauto: „Das Löschfahrzeug ist alt, verursacht viele Reparaturen und sollte zeitnah ersetzt werden.“

Kindergartenleiterin Tanja Annibalini zeigte angesichts der starken Auslastung des Kindergartens (derzeit 53 Kinder) viel Humor und Optimismus. Nicht ohne Grund, denn mit dem neuen Raum im Kellergeschoss bekommt der Kindergarten mehr Platz. „Es ist gerade nicht ideal, aber wir bemühen uns um das Beste.“ Den Kindern mache die Situation am wenigsten aus – im Gegenteil: „Baustelle“ sei gerade das angesagte Spiel. So fragte Annibalini gleich unverblümt in die Runde: „Wir hätten gerne eine ausrangierte große Kabeltrommel, kann uns da wer helfen?“

Auch die kommissarische Schulleiterin Christine Hartl, die eigentlich in Denklingen ihren Hauptjob hat, konnte von steigenden Schülerzahlen berichten: „Für das kommende Schuljahr gehen wir von 20 bis 22 Erstklässlern aus, das tut der Schule gut.“ Vor allem, da damit die Schule mit über 60 Schülern einen hauptamtlichen Schulleiter bekommt.

Aber Hartl, ursprünglich aus dem Chiemgau, gefällt es hier: „Hier ist was los, das Dorfleben funktioniert.“ Umwelttheater, Rathausbesuche („Jetzt stellen die Viertklässler plötzlich formale Anträge, dass es ins Schwimmbad gehen soll“), Projektwoche „Handwerk vor Ort“ – und natürlich der gemeindeeigene Schulbus, der Ausflüge erschwinglicher und unkompliziert macht: Hartl machte den Apfeldorfern klar, dass es ihnen und ihren Kinder wirklich gut geht.

Dann aber kam für einen Gast der Canossa-Gang: Klaus-Dieter Strauß von der Telekom hatte die undankbare Aufgabe, den Bürgern zu erklären, wie es zu den Mängeln beim Breitbandausbau kam. „Wir haben eine Firma beauftragt, mit der wir gute Erfahrungen hatten. Die wiederum haben die portugiesische Firma als Subunternehmer beauftragt, gegenüber der wir nicht weisungsbefugt sind“, bedauerte Strauß.

Leider: Alles nach EU-Recht legal und auch der hohen Arbeitsbelastung geschuldet. Doch Strauß versprach: „Wir schauen uns das vor Ort an, dokumentieren alles, graben zur Not dort wieder auf, wo kein verdichtungsfähiger Boden verarbeitet wurde.“

Strauß entschuldigte sich bei den Apfeldorfern „für das Chaos“, diese Firma werde man nicht mehr beauftragen. Für die Gewährleistung stünde die Telekom grade – allerdings nur für drei Jahre, was viele Bürger befremdete. Aber man tue, was man könne. Und: „Wir schauen auch, ob wir eine Kabeltrommel für den Kindergarten auftreiben.“ Das hohe Aufkommen an Fragen zeigte nicht nur Strauß: Der Infobedarf beim Thema Breitband ist in der Gemeinde hoch. Zu hoch für diese Bürgerversammlung.

Klaus Mergel

Auch interessant

Meistgelesen

18. Lange Kunstnacht lockt zahlreiche Besucher in Landsbergs Innenstadt
18. Lange Kunstnacht lockt zahlreiche Besucher in Landsbergs Innenstadt
Parkhäuser für Pendler in Kaufering und Geltendorf?
Parkhäuser für Pendler in Kaufering und Geltendorf?
Wettbewerb fürs neue Amt steht in den Startlöchern
Wettbewerb fürs neue Amt steht in den Startlöchern
Elektrofahrer-Treffen im Autohaus Sangl übertrifft alle Erwartungen
Elektrofahrer-Treffen im Autohaus Sangl übertrifft alle Erwartungen

Kommentare