Zwischen Liebe und Gewalt

Breites Filmspektrum bei Snowdance in Landsberg

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Noch vor der offiziellen Eröffnung gab's gleich mal eine Weltpremiere: Zu "Frieda- Coming home" kamen auch Filmcrew samt Regisseur Michael W. Driesch (3. von links).
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Filme unterschiedlichster Themen, Glamour und gute Laune gab's bei der Eröffnung des Snowdance-Festivals.
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Filme unterschiedlichster Themen, Glamour und gute Laune gab's bei der Eröffnung des Snowdance-Festivals.
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Filme unterschiedlichster Themen, Glamour und gute Laune gab's bei der Eröffnung des Snowdance-Festivals.
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Auch die Säulenhalle wird zum Kinosaal.
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Filme unterschiedlichster Themen, Glamour und gute Laune gab's bei der Eröffnung des Snowdance-Festivals.
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Filme unterschiedlichster Themen, Glamour und gute Laune gab's bei der Eröffnung des Snowdance-Festivals.
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Filme unterschiedlichster Themen, Glamour und gute Laune gab's bei der Eröffnung des Snowdance-Festivals.

Landsberg – Geladene Prominenz, lokale Politiker, zahlreiche Filmschaffende und andere Gäste fanden sich am Samstag im Stadttheater ein, um die Eröffnung des siebten Snowdance Independent Film Festival zu feiern. Das schon am ersten Tag mit einer Weltpremiere aufwarten konnte.

Als Festivalmacher Tom Bohn nach einer optisch beeindruckenden Licht- und Videoinstallation von Vanessa Hafenbrädl die Stars Götz Otto und Max Tidof auf die Bühne bittet, strahlt Glanz und Glamour auf die vollbesetzten Zuschauerreihen herab. Humorvoll geben die beiden Schauspieler Anekdoten zum Besten und spielen sich professionell die Bälle zu. Oberbürgermeister Mathias Neuner hat die Ehre, den Eröffnungsfilm „Bruder Schwester Herz“ anzumoderieren.

Die Geschwister Lilly und Franz leben auf einem Hof und widmen sich der Rinderzucht. Umgeben vom Großvater, einer Angestellten und trinkfreudigen Kumpanen wird gearbeitet und gelegentlich ein Ausflug in die Dorfkneipe unternommen. Unterbrochen wird der Alltag durch die Ankunft des Musikers Chris, in den sich Lilly verliebt und wenige Tage später mit ihm den Hof verlässt. Franz bleibt – bis seine Schwester zurückkehrt. Und die Probleme beginnen.

Im anschließenden Gespräch erzählt Regisseur und Drehbuchautor Tom Sommerlatte, dass er eigene Kindheitserlebnisse in die Story eingeflochten hat. Und so fühlt sich der Film ein wenig wie das Blättern in einem fremden Fotoalbum an. Was genau empfindet Franz für seine Schwester? Wie weit würde er gehen? Es gibt Andeutungen und Blicke. Die versprochene Romantik allerdings bleibt aus.

Während sich die Gäste beim Essen und Tanzen erfreuen, gibt es zu später Stunde im Olympiakino noch harte Kost. „EneMe“ von Regisseur Jakob Gisik. Romantik erstickt hier nach wenigen Sekunden im Kugelhagel. Blut und Rosen bleiben auf dem Asphalt zurück und das war’s dann auch mit der heilen Welt. 

Gut vorstellbar, dass Drehbuchautor Adnan Köse die Story als Serie konzipiert hat, denn was er in 101 Minuten packt, würde für mehrere Stunden reichen. Dieser Film legt ein Tempo an den Tag, wie man es von Trailern kennt.

Nach sieben Jahren Knast kommt Chris zurück nach Deutschland und wird wieder in die kriminelle Organisation seines Vaters integriert. Sein Bruder Andre mischt im Geschäft mit Särgen und Waffen mit. Natürlich gibt es bald Ärger mit Geschäftspartnern und Konkurrenten. Verrat ist an der Tagesordnung, man lässt die Kugeln sprechen. Eine davon hat Chris seit einem mysteriösen Unfall in seiner Kindheit im Kopf, aber nicht nur die bereitet Probleme. Er will raus aus dem Kreislauf von Rache und Gewalt. Und weg vom despotischen Vater. Es kommt zum Zwist und Twist und am Ende muss jeder Opfer bringen. Brachiales, kompromissloses Kino.

Wenn Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Michael W. Driesch nach der Vorführung seinen Film erklären muss, dann ist etwas schiefgelaufen. Denn eigentlich sollte ein Film für sich sprechen. Die Handlung: Das New Yorker Pärchen Mark und die schwangere Olivia machen Urlaub in Europa und buchen sich für die ersten Tage in einem alleinstehenden Haus in Deutschland ein. Leider vergeudet der Film viel Zeit, bis sie endlich dort ankommen und die unerklärlichen Vorkommnisse ihren Lauf nehmen. Wirklich unerklärlich sind sie allerdings gar nicht, denn eigentlich weiß der aufmerksame Zuschauer schon bald, auf was die Geschichte hinausläuft.

Der Finne Timo Willmann, der Marc spielt, wirkt teilweise ein wenig mit seiner Rolle überfordert. Die Dialoge wirken nicht immer flüssig, vielleicht, weil das Drehbuch in Deutsch verfasst und dann übersetzt wurde. Das Sound Design wirkt bis auf einen wirklich ansprechenden Teil ganz ohne Musik oder Geräusch etwas derb: Jede spannende Szene wird unüberhörbar angekündigt. Gelungen hingegen ist die Kameraarbeit von Julia Kampmann, deren Bildsprache die Location wunderbar mysteriös erscheinen lässt. Eine Folge innerhalb einer Mysterie-Anthologie wäre vielleicht das bessere Format für „Frieda“ gewesen.

Das Programm

Beim diesjährigen Snowdance Festival sind insgesamt 20 Filme zu sehen. Darunter auch einige Dokumentationen wie zum Beispiel „2030“, „Unser Erbe“ oder „Data Science Pioneers“. Elf dieser Filme stehen im Wettbewerb um die Preise für die besten Filme und Schauspieler, die am Samstag verliehen werden. Im Anschluss an die Verleihung startet schließlich der Ball der Filmemacher.

Ein besonderer Leckerbissen fürs Auge sind die vier Kurzfilmnächte „Black Shortz“, Dramatic Shortz“, „Lunatic Shortz“ und Epic Shorts“. Ebenfalls empfehlenswert: „All I never wanted“, das den Alltag von Frauen in der Medienwelt von heute beleuchtet. Oder auch das finnische Drama „One Half of Me“, das basierend auf einer wahren Geschichte den Lebenskampf einer querschnittsgelähmten Frau zeigt.
Dietrich Limper

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