"Noahs Flut"

Regenbogen steht für Hoffnung

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Am Ende verspricht der Regenbogen Hoffnung: Die Aufführung von Brittens „Noahs Flut“ am Freitagabend in der Heilig-Kreuz-Kirche bereitete sowohl Zuschauern als auch Darstellern viel Freude und gute Musik.

Landsberg – „Noahs Flut“ ist eine Kinderoper. Manchmal heißt sie auch Kirchenoper, in der Partitur ist sie als Mirakelspiel bezeichnet. Ihr Komponist Benjamin Britten widmete das Werk 1957 seinen Neffen und Nichten. Er schrieb es ausdrücklich für Laienmusiker, denn nur Noah und seine Frau fordern professionelle Sänger. So werden Tiere und Tratschen vom Kinderchor dargestellt. Britten wollte Freude am Musizieren vermitteln. Die Aufführung in der Heilig-Kreuz-Kirche am Freitag hat gezeigt: Es funktioniert.

Als „heiter, poetisch“ wird die Stimmung des biblischen Singspiels bezeichnet. Das scheint in Anbetracht der dargestellten Geschichte seltsam. Ein erzürnter Gott, den seine Schöpfung reut und der als Rache eine Sintflut schickt, die nur acht Menschen und „Tiere, je ein Paar, Männlein und Weiblein“ überleben, ist eher dramatisch. Trotzdem wirkt Brittens Komposition heiter – wegen der zahlreichen Kinder, die in phantasievollen Masken die Tiere darstellen. In der Landsberger Aufführung wirkt auch der Ablauf des Mythenspiels eher spielerisch. Die verantwortliche Regisseurin Katha­rina Buzin leitete nicht nur Schultheatergruppen, sondern auch die Carl-Orff-Festspiele in Andechs.

Dirigentin und Leiterin Marianne Lösch, Gründerin des Landsberger Kinder- und Jugendchors, lässt zu Beginn den Volkschor die Lage beschreiben: „Verloren Mensch und Tier, die Erde finster und verwirkt.“ Gott spricht in der tragend durchdringenden Stimme von Landrat Thomas Eichinger aus der Kanzel zu Noah: „Es ist ein Maß erreicht“. Die Flut wird kommen. Schnell beginnt Noah, überzeugend von Daniel Weiler gesungen, mit dem Bau der Arche: Kartonteile, die mit Schwalbenschwanzverbindungen auf der Bühne zusammengesteckt werden. Das praktikable Bühnenbild stammt aus der Feder dreier Familien von beteiligten Kindern.

Jetzt kommen die Tiere – deren farbenfrohe Masken hat Katharina Schellenberger gebastelt. Zebras, Tiger, ein Pfauenpärchen. Daneben Hasen, Mäuse, sogar ein Marienkäfer, der eines seiner Beine verstaucht hat. Später taucht noch ein einzelnes weißwolliges Lämmchen auf. Nachwuchs auf der Arche. Allein Noahs Frau, grandios gesungen von Altistin Vanessa Fasoli, weigert sich. Die ihr zugedachte Rolle ist zwiespältig: Einerseits bevorzugt sie, mit ihren Freundinnen zu tratschen und zu trinken. Andererseits möchte sie diese nicht allein lassen. Kurz bevor die blauen Stofftücher des Meeres über ihr zusammenschlagen, wird ihr die Entscheidung abgenommen: Ihre Söhne tragen sie auf die Arche.

Die Kinder des Mirakelspiels kommen aus den unterschiedlichsten Chören Landsbergs und sind mit Leidenschaft dabei. Brittens Musik wirkt beileibe nicht schlicht und ist ganz sicher nicht einfach zu singen. Dennoch scheint sie zu gefallen und den Ehrgeiz zu kitzeln. Denn was am Ende dabei herauskommt, ist trotz Modernität sehr melodiös. Sechs Kinder sind Solisten: Britten schrieb die Rollen von Noahs drei Söhnen und dessen Frauen für Kinder, ohne dabei Kompromisse in Bezug auf den Anspruch zu machen. Eine große Rolle hat Noahs Ältester Sem, in der Heilig-Kreuz-Kirche von Ramona Ritter hervorragend gesungen. „Nach vielen Proben hat die Musik richtig Spaß gemacht“, lacht sie. „Schade, dass wir bei all dem Aufwand nur zwei Aufführungen machen.“

Das Streichquintett ist in der Landsberger Aufführung mit Profis besetzt. Zum Beispiel die Violinistin Yasuka Morizono, Stipendiatin der Yehudi Menuhin-Stiftung. Doch Britten hat die Instrumentierung auf Kinder ausgerichtet: viel Schlagwerk, ideal für Licca Percussiva. Und Blockflöten, die in Tonleitern das auf- und abwogende Meer während des heftigen Sturms darstellen: Schüler der Musikschul-Klasse Susanna ­Ricchio. Sie begleiten einen der jüngsten Darsteller, den Raben Elias Appel, auf seiner erfolglosen Landsuche. Und gurren, wenn Lara Haubrich als die von Noah nach vierzig Tagen Sintflut ausgeschickte Taube samt Ölzweig tanzend zurückkehrt. Am Ende schließt Gott mit Noah einen Bund: Solch eine Sintflut wird niemals wiederkehren. Endlich verziehen sich die Regenwolken, Sonne, Mond und Sterne gehen an Holzstangen auf. Und als Zeichen der Hoffnung ziert ein Regenbogen das Schlusspanorama.

Susanne Greiner

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