Ein hartes Jahr gut gemeistert

BRK-Kreisverband Landsberg gibt Jahresbilanz für ein großes Einsatzspektrum

BRK-Fahrzeug mit „Helfer vor Ort“ und Geschäftsführer des BRK-Kreisverbandes Landsberg.
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Neues Fahrzeug für die Landsberger „Helfer vor Ort“. Einer von ihnen: Daniel Fellner (r.). Refinanziert werden soll der Wagen durch Spenden, hofft Andreas Lehner (l.)
  • vonAndrea Schmelzle
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Landsberg – Von Rettungsdiensten, Wasserwachten, ambulanter Pflege, Flüchtlingsarbeit bis hin zum Neubau des Sozialzentrums: Das Einsatzgebiet des Bayerischen Roten Kreuzes ist riesig. Der Kreisverband Landsberg hat das vergangene, coronageprägte Jahr Revue passieren lassen.

„Es war ein hartes und anstrengendes Jahr“, berichtet Andreas Lehner, Geschäftsführer des BRK-Kreisverbandes Landsberg. „Durch Corona mussten wir unsere kompletten Verfahren umstellen – wie wohl jeder.“ Home­office, Beratungen zum Teil nur über Telefon oder E-Mail, eigene Jubiläumsfeierlichkeiten, die ausfallen mussten, etwa das 30-jährige Jubiläum der Kita Weil. Dass es durch Corona kaum Veranstaltungen gab und große, wie das Ritterturnier Kaltenberg, ausgefallen sind, habe man gespürt, auch in den Einsätzen. Der Sanitäts- und Rettungsdienst habe insgesamt weniger Einsätze gefahren als im Vorjahr. Jedoch habe es Einsätze gegeben, an die man sich durchaus erinnern könnte: etwa die Brände in Greifenberg oder der Lagerhalle in der Holzhausener Straße.

„Wir waren immer da, wenn wir gebraucht wurden“, so Lehner. Das sei zu einem großen Teil auch dem Ehrenamt zu verdanken. Mit die größte Gemeinschaft nehme hier etwa die Wasserwacht ein. Das liege an der Lage der Stadt – zwischen Lech und Ammersee. 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, sind die Mitglieder der Wasserwacht da, um bei Notfällen am und im Wasser professionell zu helfen, freiwillig und ehrenamtlich. Das vergangene Jahr sei auch in diesem Bereich etwas ruhiger gewesen, so Lehner, aber auch hier mit ein paar spektakulären Einsätzen: Man denke an den Unfall des jungen Mannes, der betrunken das Motorboot seines Vaters im Bojenfeld vor Riederau geschrottet habe.

Ein Überblick darüber, wie das vergangene Jahr für die BRK-Gruppen verlief:

Rettungsdienst: An den vier Standorten im Landkreis wurden fast 13.500 Einsätze gefahren, 744 Einsätze weniger als im Jahr zuvor. Davon waren mehr als 5.400 Notfall- und Notarzt­einsätze. Über120.000 Stunden sind geleistet worden – weit über 20.000 davon ehrenamtlich. Die Wagen des Rettungsdienstes haben dabei mehr als 500.000 Kilometer zurückgelegt.

Wasserwacht: Die Wasserwachten der neun Ortsgruppen im Landkreis haben über 200 Einsätze absolviert, 41 weniger als im Jahr zuvor. Jugendarbeit und Ausbildungsstunden haben hier durch die Corona­krise deutlich gelitten: Mit knapp über 2.000 Ausbildungsstunden liege man nur bei der Hälfte des Vorjahres, so Lehner. In die Jugendarbeit wurden fast 8.000 Stunden investiert – 11.000 weniger als noch 2019. Alle stationären und mobilen Schnelleinsatzgruppen seien jederzeit in Alarmbereitschaft. Diese Stunden könnten statistisch gar nicht erfasst werden, meint Lehner.

Wohlfahrt & Soziales: In den Kleiderläden Landsberg, Kaufering und Dießen sind derzeit 125 Ehrenamtliche tätig, die mehr als 12.000 Einsatzstunden geleistet haben. „Unseren Laden in Geltendorf mussten wir leider auflösen“, sagt Marianne Asam, Bereichsleiterin Soziale Dienste. Er sei noch nicht etabliert genug gewesen und damit zu einem „Corona-Opfer“ geworden. Auch die Projekte „Einsamkeit“ und die Selbsthilfegruppe nach Krebs hätten unter Corona gelitten. Bereits ab März letzten Jahres konnte zudem keine Seniorenarbeit mehr stattfinden. „Das tut uns weh“, sagt Asam. Vereinsamung sei bei den Senioren ein großes Thema. Die Blutspende lief auch während Corona weiter: Rund 710 Stunden wurden in der Blutspende erbracht.

• Helfer vor Ort: Ein komplett ehrenamtlicher Bereich, den man hervorheben müsse, betont Lehner. Und ein wichtiger: Die HVO überbrücken „das therapiefreie Intervall“, bis der Rettungsdienst kommt. Die HVO in Denklingen, Dießen und Reichling haben insgesamt fast 650 Einsätze geleistet. Seit Mai 2020 gibt es auch einen HVO in Landsberg, der bis Ende vergangenen Jahres 115 Notfall- und fast 40 Hausnotrufeinsätze gefahren ist.

• Kitas: „Zum Januar letzten Jahres haben wir als Träger den Kindergarten Denklingen übernommen,“ berichtet Lehner. „In neun Einrichtungen betreuen wir mittlerweile über 900 Kinder. Und gehen davon aus, dass wir spätestens im nächsten Jahr die 1.000er-Marke knacken.“ Auch das Kita-Personal sei durch Corona belastet und müsse durch stets neue Regelungen sehr flexibel sein, so Lehner. Jedoch habe man 2020 nicht einen Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken müssen.

• Ambulante Pflege: Ein Bereich, der auch während der Coronakrise stabil geblieben ist, so Lehner. Bei keinem Patienten habe es, dank guter Hygienekonzepte, einen Coronafall gegeben. Täglich wurden rund 100 Patienten versorgt. In über 40.000 Hausbesuchen sind mehr als 74.500 Kilometer gefahren worden.

Flüchtlingsarbeit: Das sei ein „Riesenfeld“ geworden, meint Lehner. Über 500 Personen wurden von den BRK-Migrationsberatern betreut. Insgesamt fanden fast 50.000 Beratungskontakte statt – wegen Corona telefonisch oder per E-Mail.

Sozialzentrum: Der Beginn der Bauarbeiten des BRK-Sozialzentrums, mit dem auch Wohnungen für das Personal angeboten werden können, war eines der „Highlights“ in 2020, so Lehner. Fast eine Million Euro, 1.400 Tonnen Beton und 70 Tonnen Stahl habe man bereits aufgebracht. Bis Ende 2021 würde die Summe auf fünf Millionen anwachsen, meint Lehner. Anfang 2022 solle das Gebäude in Betrieb genommen werden.

Insgesamt entwickle sich der Kreisverband gut, so Lehner. Im vergangenen Jahr habe man die 300er-Marke bei den hauptamtlichen Mitarbeitern geknackt. Gute Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamt, eine leistungsfähige Vorstandschaft und zufriedene Mitarbeiter: „Wir hoffen, dass es so weitergeht“, sagt Lehner. Damit die Einsätze weiterhin sichergestellt sind, hofft der Kreisverband auf neue Fördermitglieder. Vor allem, um die wichtige Arbeit der fast 1.500 ehrenamtlichen Helfer zu unterstützen – die bisher mehr als 3.000 Stunden im Kampf gegen das Coronavirus aktiv waren.
Andrea Schmelzle

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