Hilfe für Ahrweiler

BRK Landsberg im Einsatz für die Flutopfer

BRK LL in Ahrweiler
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Schlammwüste Ahrweiler: Das BRK Landsberg war mit ehrenamtlichen Helfern vor Ort.
  • VonAndrea Schmelzle
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  • Susanne Greiner
    Susanne Greiner
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Landsberg – 120 Stunden im Einsatz, davon 15 Stunden geschlafen: Die beiden Kreisbereitschaftsleiter Steffen Schweckhorst und Thorsten Müller waren mit acht weiteren Mitgliedern des BRK Landsberg ehrenamtlich in Ahrweiler. Am Freitag vorletzter Woche machten sie sich mit fünf Fahrzeugen samt Anhängern und umfangreicher Ausrüstung auf den Weg. Anfang letzter Woche sind sie zurückgekehrt. Ihr Resumee: „Die Bilder in den Medien täuschen.“ Vor Ort ist es noch um einiges schlimmer. 

„Angefordert wurden zwei unserer Schnelleinsatzgruppen ‚Technik und Sicherheit‘ sowie ‚Betreuung‘“, berichtet BRK-Kreisgeschäftsführer Andreas Lehner. Die zehn Einsatzkräfte unter Leitung von Schweckhorst und Müller fuhren zuerst zum Bereitstellungsraum auf dem Nürburgring. „Dort wurden dann die konkreten Einsatzaufträge mitgeteilt“, so Lehner. Von da aus ging es weiter nach Ahrweiler – lokale Einsätze, die es jetzt nicht mehr gebe. Diverse DRK-Kreisverbände seien im Einsatz gewesen, sagt Lehner, aber auch andere Hilfsorganisationen, etwa der ASB oder die Johanniter.

„Das waren anstrengende Stunden“, sagt Schweckhorst. Am Donnerstagabend habe er noch bis in die Nacht organisiert, dann eine Stunde „gedämmert“ und um drei Uhr in der Früh ging es los. Am darauffolgenden Montagabend kamen die zehn Einsatzkräfte nach 120 Stunden Einsatz mit 15 Stunden Schlaf wieder in Landsberg an.

Die Bilder in den Medien könnten den Zustand vor Ort nicht wiedergeben, sagt Schweckhorst. Sein Vergleich: Bei der Triage gebe es zur Einteilung die Bereiche Grün, Gelb und Rot. Und die Bilder in den Medien seien eben aus dem ‚grünen Bereich‘. Dabei habe er nicht einmal alles gesehen, erzählt der 26-Jährige. Es gebe noch Orte, die nicht erschlossen seien. Brücken über die Ahr müssen erst noch gebaut, Personen solange per Boot über den Fluss gebracht werden.

Zuerst habe man eine Verpflegungsstation mit drei Feldküchen in der Innenstadt aufgebaut, erzählt der Landsberger Bereitschaftsleiter. Dazu Notstrom­aggregate für die Kühlung der Lebensmittel. Aber auch für die Menschen, die dort im Freien übernachtet hätten, erzählt der Bereitschaftsleiter. Zum Beispiel, um ihre Handys aufladen zu können. Dann hieß es kochen, mehrere tausend Essen pro Tag ausgeben, Plastikgeschirr einsammeln. „Um sechs Uhr gab‘s Frühstück, um 21 Uhr abends gingen die letzten Essen raus“, erzählt Schweckhorst. Die Essen wurden auch an acht dezentrale Verpflegungspunkte geliefert, dazu Getränke. „Gas wird es in Ahrweiler erst im Januar wieder geben“, sagt Schweckhorst. Bis die Wasserrohre wieder sauber seien, dauere es wohl auch noch. „Das ist alles fest eingetrockneter Schlamm, den bekommt nur mit Hochdruck weg.“ Wasser habe man nicht vom Hydranten nehmen können, da nicht klar war, wie verschmutzt es ist.

Manpower und Geld

Vor Ort seien nicht nur viele Hilfsorganisationen gewesen, auch die Bundeswehr, das THW, Feuerwehren. Alle ehrenamtlichen Helfer des BRK Landsberg hatten sich freiwillig gemeldet. „Wir machen das gerne“, sagt Schreckhorst. Die Eindrücke müssten sie aber erst verarbeiten. Diese Woche treffe man sich zum Grillen, um alles nochmal in Ruhe durchzusprechen. „Viele von uns würden aber auf jeden Fall nochmal fahren“, sagt er. Denn das, was dort gebraucht werde, seien nicht Kleider oder Essen: „Gebraucht werden Manpower und Geld.“

Er habe mit einem Mann aus Landsberg gesprochen, der dort privat helfe, erzählt Schweckhorst. Indem er zum Beispiel vor Ort die anderen privaten Helfer koordiniere oder Handwerker vermittle. Auch das mit einfachsten Mitteln: „Er baut dafür jeden Tag auf dem Marktplatz seinen Klapptisch auf.“ Es gebe einige private Helfer, manche seien dafür sogar von ihrem Arbeitgeber freigestellt worden. Aber auch die Menschen vor Ort helfen sich untereinander. Drei der acht Verpflegungsstützpunkte würden von Anwohnern betrieben, erzählt Schweckhorst. „Die verpflegen pro Tag rund 80 Personen.“ Dieses Helfen, gegenseitig, untereinander, von außen, ohne Leitungsstruktur, das sei „bemerkenswert“, meint der Bereitschaftsleiter.

Natürlich habe es auch Kontakte mit Betroffenen gegeben, sagt Lehner. Viele hätten sich die Sorgen „ von der Seele geredet“. Der Einsatz sei deshalb auch psychisch anstrengend gewesen. Zum Beispiel, wenn man Betroffene von einer Übersprungshandlung abhalten musste: Menschen, die den Keller ihres Hauses freischippten, obwohl das Haus kurz vor dem Einsturz stand. Wichtig sei eine Nachbereitung, meint Lehner. Die Bilder im Kopf müssten erst einmal verarbeitet werden. „Für einen solchen Einsatz kann man ja nicht im Vorfeld trainieren.“

Die Aufräumarbeiten halten an. Inzwischen steht die Behelfsbrücke. Bis Ahrweiler wieder ‚instandgesetzt‘ ist, dauert es aber noch. „Bis zu sechs Monaten“, schätzt Schweckhorst.

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