Brückenbau mit Augenmaß

An dieser Stelle soll die neue Fußgängerbrücke über die Bahnlinie zur Hans-Multscher-Straße führen. Foto: Schwaiger

Sie findet allseits Gefallen, wäre aber im Bauausschuss fast gescheitert: die neue Gehwegbrücke über die Bahnlinie Landsberg-Schongau. Auf Höhe des AKE-Kin­der­gartens soll sie die Wohngebiete Katharinenanger und Englischer Garten verbinden und abseits vom starken Verkehr in der Katharinenstraße einen sicheren Weg in die Altstadt gewährleisten. Einziges Manko: Menschen mit Behinderung werden sie (vorerst) nicht nutzen können.

Einzig auf diesen Sachverhalt konzentrierte sich am Mittwoch die Debatte. Vertreter aller Fraktionen sprachen sich vehement dafür aus, die Stahlkonstruktion über die Bahnlinie sofort mit einem Aufzug zu bestücken. Aufgrund der Topografie könne nur dieser eine behindertengerechte Ausführung gewährleisten. Allerdings schlägt dies, so Stadtbaumeisterin Annegret Michler, mit bis zu 150000 Euro zusätzlichen Baukosten zu Buche und danach pro Jahr mit bis zu 20000 Euro für die Wartung. Für die Brücke mit Treppenanlage fallen 350000 Euro an. „Wir sollten mit Augenmaß an die Sache rangehen“, forderte OB Ingo Lehmann (SPD) mit Blick auf die klamme Haushaltssituation. Er plädierte dafür, erst die Brücke zu bauen und dann „bei Bedarf“ nachzurüsten. Das aber stieß auf wenig Gegenliebe im Bauausschuss. Allen voran Barbara Juchem (CSU). Die Behinderten- und Seniorenbeauftragte des Landkreises erinnerte unter anderem an die „ge­- setzliche Verpflichtung“, kommunale Neubauten barrierefrei zu gestalten. Außerdem hätte sie von OB Lehmann gerne gewusst, wer denn im Nachhinein den Bedarf feststelle. Martha Borgmann (UBV), Seniorenreferentin des Stadtrates, warf sich ebenfalls mächtig ins Zeug für den Aufzug, schließlich seien neben den Rollstuhlfahrern auch Senioren mit Rollatoren darauf angewiesen. Das Veto der 2. Bürgermeisterin: „Der Weg in die Stadt ist sehr weit; den nutzt wohl niemand im Rollstuhl“, so Sigrid Knollmüller (CSU). Selbst innerparteilich hatte Lehmann Mühe, seine Richtung durchzusetzen. Dieter Völkel (SPD) stimmte gegen das Projekt, weil der OB den Aufzug ausgeklammert hatte. Die neue Gehwegbrücke setzt nordöstlich des AKE-Kindergartens barrierefrei an und überquert die Bahnlinie zur Einmün­dung der Hans-Multscher-Straße. Die nutzbare Breite auf der Stahlkonstruktion soll 2,5 Meter betragen, wobei der Gehweg aus einer Stahlplatte besteht, die mit Epoxydhart beschichtet und Quarzsand aufgeraut ist. Eine drei Meter breite Treppe mit Schiebespur für Kinderwagen und Fahrräder überwindet auf der Ostseite die acht Meter Höhenunterschied. Da nach acht Stufen jeweils ein Zwischenpodest vorgesehen ist – fünf sind es insgesamt – wird die Treppenanlage 52 Meter lang. Für eine barrierefreie Rampe mit sechsprozentiger Steigung und zwölf Podesten müssten entlang der Bahnlinie auf 148 Meter Büsche und Bäume abgeholzt werden, was nach An­sicht Lehmanns „ziemlich brutal“ wäre. Außerdem würde die Brücke mit langer Rampe rund 150000 Euro mehr kosten. Einzig ödp-Stadtrat Wolfgang Buttner lehnt die neue Brücke generell ab. Die kaum befahrene Bahnlinie könne man auch an einem ebenerdigen Übergang queren. Derlei Gespräche seien bereits erfolgt und aussichtslos, berichtete Lehmann. Die Bahn akzeptiere keine neuen Übergänge. In den Stadtrat Ungeachtet dessen und des 8:7-Votums des Bauausschusses möchten Wolfgang Buttner und Reinhard Skobrinsky (BAL) sowie weitere sieben Ratsmitglieder von UBV, CSU und Grüne den Brückenbau via Überprüfungsantrag in den Stadtrat bringen. „Welchen Sinn macht eine Brücke, wenn die Entfernung von dort zur Altstadt sowohl durch den Englischen Garten als auch über die Katha­rinenstraße exakt dieselbe ist“, will Skobrinsky nach seinem „Praxistest“ wissen.

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