"Packerl-Bruno" und die Politik

Kabarettist Bruno Jonas beglückt mit scharfzüngigem Humor

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Hadert gerne mit der Welt: der Kabarettist Bruno Jonas.

Landsberg – Überall Pakete. Nur eine kleine Lücke ist noch frei. Bruno Jonas spielt Paketschalter für all die Nachbarn, die arbeiten. Wobei er natürlich auch arbeitet, aber wie’s sich für einen kreativen Kopf gehört eben zuhause. Hier nimmt er die von „DHL-Zustelltürke Murat“ gelieferten Pakete an. Weshalb Jonas‘ aktuelles Programm „Nur mal angenommen“ heißt. Eine Herausforderung. Denn nimmt der Passauer in der ersten Hälfte noch sanft Anlauf, fordert er im zweiten Teil mit scharfzüngigem Kabarett nicht nur den Humor, sondern auch das Wissen seines Publikums.

„Der Kluge lernt aus allem und von jedem, der Normale aus seinen Erfahrungen und der Dumme weiß alles besser.“ Soll Sokrates gesagt haben. Vielleicht stellt sich Jonas die Sokrates-Büste ja wegen diesem Zitat zwischen die Pakete. Oder weil er der ist, der alles hinterfragt? Seine Frau warnt ihn gern mal: „Blöd daherreden mögen alle, gscheit daherreden mag niemand.“ Er produziere „verbales Geröll“. Was Jonas nicht abhält, weiterhin Worte zu feuern. Und damit auch gerne mal einen Steinschlag auszulösen.

Als erste müssen die Grünen herhalten. Die sich sicher bald zur Religionsgemeinschaft entwickeln. Das Erlöserhafte habe der Hofreiter Toni ja schon mal. Und ach die Umwelt … „Ich ess Lachs, bis er ausgestorben ist. Danach ist’s nämlich zu spät.“ Ist ja eh nur vorgeschobener Aktivismus: Jedes Ostern Lämmchen schmausen, aber Probleme mit dem in Buttermilch eingelegten Babyeisbär-Carpaccio haben? Und überhaupt, was will den dieser Fratz aus Schweden? Auch Statistiken hat Jonas im Visier. Die Giftstoffe steigen, ebenso die Lebenserwartung: „Da muss es einen Zusammenhang geben.“ Aber zurück zur Politik, Und ihren Protagonisten, die bei Jonas fast das Tourette-Syndrom, auch Niederbayern-Modus genannt, auslösen. Zum Beispiel, wenn ihm Hausmeister Yilmaz die Türkei erklärt: „Wir haben auch eine Demokratie.“ Und Jonas die Galle schon am Kehlkopf steht, „Du Türkenzipfel, magst a Fotzn“, rutscht es ihm fast heraus. Aber Yilmaz soll ihm das Bad machen, da schluckt er lieber. „Und so wie Angela im Sultanat schaut, will die auch ein neues Bad.“

In der zweiten Hälfte des Programms dreht Jonas auf. Samt Gitarre und Rocksong. Referiert über Trumps und Kim Jong-uns gemeinsamen Friseurbesuch. „America First“ nehem Trump völlig ein – da werde die Zeit zur Weltrettung knapp. Aber kein Problem, kann ja Deutschland machen, mit seinen fünf U-Booten und den drei Fregatten samt Gorch Fock als „Trojanisches Pferd“. Aber sollte Deutschland nicht erst auf dem eigenen Kontinent aufräumen? Mit den nationalistischen Bewegungen an jeder Ecke Europas. Und überhaupt Deutschlands Überheblichkeit, indem es kurzerhand Juan Guaidó als Präsidenten anerkenne…. Irgendwie auch ein bisschen Weltpolizeigehabe.

Bruno Jonas‘ bewährtes Rezept funktioniert: Das Weltbild auseinandernehmen und ad absurdum führen. Dafür mag ihn das Publikum. Auch das im Sportzentrum. Zum Abschluss gibt’s viel Applaus. Und als Zugabe ein Gedicht vom Meister des scharfzüngigen Humors. 

Susanne Greiner

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