Bürgerentscheid Eching zum Bti-Einsatz

Darf Bti im FFH-Gebiet Ammersee verwendet werden?

+
Der Bti-Einsatz, das den Verdauungstrakt der Larven schädigt, könnte ab 2021 stark reduziert werden.

Eching – Nicht mehr lange, und Echings Bürger entscheiden, ob das Biozid Bti am Echinger Ammerseeufer eingesetzt werden könnte: Am Sonntag, 17. November, fällt das Waagenzünglein (der KREISBOTE berichtete). Allerdings hat das Umweltbundesministerium ein Aktionsprogramm verfasst, das den Einsatz von Bti fragwürdig erscheinen lässt. Ist die Abstimmung also überflüssig? Nicht ganz. Denn ein mögliches Verbot des Biozids würde frühestens 2021 greifen. Und zudem ist das Aktionsprogramm noch kein Gesetz.

Die Echinger entscheiden, ob das Biozid in den Brutstätten per Drohne oder Handspritzgerät ausgebracht werden darf, vorausgesetzt, die Obere Naturschutzbehörde stimmt zu. Ein Bürgerentscheid, der fragwürdig erscheint, liest man das „Aktionsprogramm Insektenschutz“ des Bundesumweltministeriums mit Vorschlägen für konkrete Maßnahmen zum Artenschutz. Ausdrücklich wird darin eine Verminderung der Pestizide gefordert. Mit dem Begriff ‚Pestizide‘ bezeichnet das Umweltministerium jedoch Pflanzenschutzmittel und Biozide – also auch Bti. Denn: „Pflanzenschutzmittel und Biozide, die beide zur Bekämpfung von schädlichen Organismen angewendet werden, können, auch wenn sie zugelassen sind, negative Auswirkungen auf Insekten haben, die nicht zu den Zielorganismen gehören.“

Eine konkrete Maßnahme zum Schutz der Insekten lautet: „Der Bund wird ab 2021 die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln und Bioziden mit besonderer Relevanz für Insekten in ökologisch besonders schutzbedürftigen Bereichen verbieten.“ Zudem wolle man einen Mindestabstand (von fünf bis zu zehn Metern) zu Gewässern definieren, der bei der Ausbringung der Pestizide einzuhalten sei.

Diese besonders schutzbedürftigen Bereiche sind unter anderem Gebiete gemäß der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH). Dazu gehört am Ammersee tatsächlich das Ufergebiet bei Eching. Zu den besonders schutzbedürftigen Gebieten zählen allerdings auch Vogelschutzgebiete. Also zudem die „Vogelfreistätte Ammersee-Südufer“ und vor allem das Ampermoos, das in Eching beginnt. Aber der Ammersee trägt noch ein Umwelt-Label: Das bayerische Umweltministerium kategorisiert ihn als sogenanntes Ramsar-Gebiet. Dieses Prädikat beruht auf der gleichnamigen Konvention von 1971. Sie definiert geschützte „Feuchtgebiete, insbesondere als Lebensräume für Watt- und Wasservögel von internationaler Bedeutung“. In Deutschland gibt es davon gerade mal 34.

Kann man aufgrund dieses Aktionsprogramms die Abstimmung über Bti in Eching als überflüssig erachten, da ein Einsatz des Biozids am Ammersee als „besonders schützenswertem Gebiet“ verboten sein wird? Nein. Was von den Vorschlägen letztendlich umgesetzt und zum Gesetz wird, „ist noch vollkommen ungewiss“, bestätigt ein Sprecher des Ministeriums auf Nachfrage des KREISBOTEN. Zudem soll das Verbot ab 2021 gelten. Eching stimmt über einen Einsatz 2020 ab.

Außerdem ist im Aktionsprogramm in Bezug auf von Insekten übertragene Krankheiten zu lesen: „Zum Schutz der Gesundheit von Mensch oder Tier (...) ist es notwendig, bestimmte Insektenarten zu regulieren. Hierzu sind Konzepte zum Umgang mit solchen unerwünschten Insektenarten zu entwickeln und umzusetzen. Dies gilt insbesondere auch für invasive gebietsfremde Insektenarten.“ Ein Passus, der eher an eine Genehmigung eines Bti-Einsatzes denken lässt.

Diese unterschiedlichen Zielsetzungen im Aktionsprogramm beurteilt Biologe Dr. Carsten Brühl von der Universität Koblenz/Landau als kritisch. „Dadurch ist alles sehr aufgeweicht. Daher könnte man das auch so verstehen: Nur in manchen Schutzgebieten wird man auf Bti verzichten müssen, denn es gilt ja auch der Schutz vor den Krankheitsüberträgern.“ Brühl war mit an der Studie der Uni Landau/Koblenz beteiligt, die massive negative Auswirkungen von Bti auf die Zuckmückenpopulation und damit auch auf die von diesen Tieren lebenden Amphibien konstatierte (der KREISBOTE berichtete).

Eching kann bei einem Ja zu Bti nicht sofort agieren. Erst müssen die Brutstätten bestimmt, dann der Antrag an die Obere Naturschutzbehörde gestellt werden. Ginge der durch, wäre Eching die erste Ammerseegemeinde, die Bti einsetzt – trotz Ramsar, FFH- und Vogelschutz.
Susanne Greiner

Auch interessant

Meistgelesen

Nach möglichen Selbstmord auf der A96 sucht Polizei nach Zeugen
Nach möglichen Selbstmord auf der A96 sucht Polizei nach Zeugen
Die Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Die Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Online-Petition will 5G-Ausbau in Dießen verhindern - die Reaktion der Gemeinde
Online-Petition will 5G-Ausbau in Dießen verhindern - die Reaktion der Gemeinde
Mit dem KREISBOTEN zum PULS Open Air auf Schloss Kaltenberg
Mit dem KREISBOTEN zum PULS Open Air auf Schloss Kaltenberg

Kommentare