Chance oder Nachteil?

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Die Firma Mensch möchte sich im Eresinger Gewerbegebiet mit einem Neubau deutlich vergrößern. Das trifft nicht bei allen Eresingern auf Verständnis. Ein Bürgerentscheid soll am kommenden Sonntag nun die Klärung bringen.

Eresing – Am kommenden Sonntag, 25. Januar, entscheiden die Eresinger per Bürgerentscheid darüber, ob das Gewerbegebiet im Norden der Ortschaft um rund 6,4 Hektar erweitert wird oder nicht. Hier möchte die ortsansässige Firma Mensch sich mit einem Neubau erheblich vergrößern. Die Befürworter sehen in dem Vorhaben eine Chance für Eresing und möchten das Unternehmen als Gewerbesteuerzahler in der Gemeinde halten. Die Gegner betrachten die geplanten Gebäude als überdimensioniert für die Eresinger Flur und befürchten unter anderem weiter steigenden Verkehr.

Die Forderung, parallel zur Erweiterung des Gewerbegebiets die seit Jahren gewünschte Umgehungsstraße zu realisieren, wurde bereits bei einem gemeindlichen Informationsabend im November laut. Und auch in einem offenen Brief des Eresingers Sascha Heuft wird die Umfahrung angemahnt – nicht, wie der Anwohner der stark befahrenen Hauptstraße und Geschäftsführer einer ortsansässigen Firma schreibt, weil durch die Erweiterung des Gewerbegebiets das Verkehrsaufkommen steigen würde, „sondern weil die Verkehrssituation jetzt schon unerträglich ist“. 

Heuft wirft der Gemeinde vor, mit dem Kauf eines Grundstücks im Norden des bestehenden Gewerbegebiets „den schwarzen Peter der Umgehungsstraße an die Firma Mensch weiterzugeben und sich der Verantwortung zu entziehen“. Die Eresinger seien vor vollendete Tatsachen gestellt worden, was Heuft als „Planung am Bürger vorbei“ kritisiert. Eine Erweiterung der Firma Mensch wäre in seinen Augen besser nach Westen hin aufgehoben. „Hinterhalb dieser Hallen könnte auch die Umgehungsstraße Richtung Schöffelding verlaufen.“ Die Gewerbebauten würden sich an diesem Standort besser in die Landschaft einpassen und als Lärmschutz dienen, ist er überzeugt. 

Auch Landtagsabgeordneter Thomas Goppel, der ebenfalls im Ort wohnt, hat sich in die aktuelle Debatte eingeschaltet. Er befürwortet die Pläne für das Gewerbegebiet, „damit das Angebot an Arbeitsplätzen in Eresing mit dem Zuwachs an Schlafstellen Schritt hält“. Unbestritten seien die geplanten Neubauten „groß und wuchtig“. Da die Gemeinde die Gewerbesteuereinnahmen aber benötige, um ihren Verpflichtungen auch in Zukunft nachzukommen, müsse man die Bauvorhaben in einem vertretbaren Bebauungsplan sinnvoll umsetzen. Ohne die Erweiterung des Gewerbegebiets werde diese Entwicklung für Eresing gestoppt und abgehängt. Goppel fordert, „intelligent zu planen statt zu verhindern“. Für Fragen der Gebäudehöhe etwa sollten im Dialog mit den Bauwerbern alternative Lösungen gefunden werden „statt abzublocken“. 

Die Frage beim Bürgerentscheid lautet: „Sind Sie dafür, dass die Gemeinde Eresing das Gewerbegebiet für die ortsansässige Firma Mensch und das ortsansässige Sozialtherapeutische Netzwerk (Rotes Haus) auf der geplanten Fläche im Norden entlang der Geltendorfer Straße erweitert?“

Die Situation

Derzeit ist das Eresinger Gewerbegebiet 8,4 Hektar groß. Die Erweiterung soll 6,4 Hektar betragen. Hier will die Firma Franz Mensch, Großhandelsunternehmen für Einweg- und Hygieneprodukte, auf einer Fläche von rund 12 000 Quadratmetern ein rund 94 Meter langes, 80 Meter breites und 20 Meter hohes Lagerhaus sowie ein dreigeschossiges Verwaltungsgebäude errichten. Später sollen die Lagerflächen verdoppelt werden. Auch die Behinderteneinrichtung Sozialtherapeutisches Netzwerk, die ebenfalls bereits im Eresinger Gewerbegebiet heimisch ist, möchte sich ausdehnen und plant den Neubau eines Wohnheims für Menschen mit Behinderung.

Ulrike Osman

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