Überraschung beim Bürgerentscheid:

Vier Windräder dürfen’s sein

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Das Votum der Bürger für den Bau von bis zu vier Windrädern war auch für den Vertreter der Bürgerinitiative Fuchstal, Adalbert Augustin (links), überraschend. Strahlende Gesichter gab es dagegen auf Gemeindeseite (von rechts): Wahlleiter Martin Storhas, Rathausmitarbeiterin Eva Maria Sporer, Bürgermeister Erwin Karg und Geschäftsstellenleiter Gerhard Schmid.

Fuchstal – Zweimal „Ja“ beim Bürgerentscheid: Anders als in Denklingen, wo vor vier Wochen der Windkraft eine klare Absage erteilt worden war, hat die Mehrheit der Wähler ein Votum für bis zu vier Anlagen auf Gemeindegrund abgegeben.

Das war die Frage im Ratsbegehren. Mit ebenso klarer Mehrheit votierten sie aber auch für die Forderung der „Bürgerinitiative Fuchstal“, die die Planungen solange stoppen will, bis alle Gutachten vorliegen und die entsprechenden politischen Voraussetzungen auf Bundes- und Landesebene getroffen sind.

So fühlen sich sowohl die Gemeindevertreter als auch die Repräsentanten der Bürgerinitiative als Sieger. Beide Ergebnisse scheinen aber nur auf den ersten Blick unterschiedlich, denn auch das Ratsbegehren fordert das Vorliegen aller rechtlichen und politischen Voraussetzungen. Die Wahlbeteiligung lag bei 52,7 Prozent.

Während um 19 Uhr im Keller des Leederer Rathauses noch die Briefwahlstimmzettel der Europawahl nachgezählt wurden, trudelten im Geschäftszimmer im Erdgeschoss bei Eva Maria Sporer bereits die Waschkörbe mit den Ergebnissen und ausgezählten Stimmzettel des Bürgerentscheides ein. Die Auszubildende nahm die Unterlagen der vier Fuchstaler Stimmbezirke entgegen, prüfte die Formalien und übermittelte die Daten an Wahlleiter Martin Storhas. Die Zahlen schwirrten nur so durch das Rathaus, denn für den Ratsentscheid zeichnete sich bereits um 19 Uhr eine Mehrheit ab. Für das endgültige Ergebnis fehlte aber noch die Auszählung der Briefwahlstimmen. Um 20.10 Uhr standen dann die Ergebnisse fest.

Die Fuchstaler Bürger konnten auf dem Stimmzettel zunächst ihr Votum zu den Forderungen der „Bürgerinitiative Fuchstal“ abgeben. Für den geforderten Stopp der Planungen stimmten 1012 Wahlberechtigte (72,8 Prozent), 378 (27,2 %) sprachen sich dagegen aus. Immerhin 106 Stimmen waren ungültig. Wahlberechtigt waren 2835 Fuchstaler.

Bei dem zweiten Votum, der Frage des Ratsbegehrens, sprachen sich 734 Fuchstaler (52,2 Prozent) für bis zu vier Windkraftanlagen aus, 671 (47,7 %) stimmten dagegen. Ungültig waren hier 91 Stimmabgaben.

Neuer Entscheid

Die beiden Ergebnisse des Bürgerentscheides wurden im Anschluss an die Auszählung unterschiedlich interpretiert. Adalbert Augustin und Rosemarie Breves waren als Vertreter der Bürgerinitiative ins Rathaus gekommen und fühlten sich bestätigt. Für sie darf eine Planung für die vier Windräder nicht durchgeführt werden, solange nicht alle Voraussetzung aus ihrem Bürgerentscheid erfüllt sind. Ist dies der Fall, wollen Augustin und Breves einen neuen Entscheid herbeiführen. „Wir sagen doch nicht Ja zu vier Windrädern“, unterstrich Augustin auf Nachfrage.

Fuchstals Bürgermeister Erwin Karg sieht in den Ergebnissen des Ratsbegehrens ein Votum für den Gemeinderat und gegen die Bürgerinitiative. Man sei über zwei Jahre im Gemeinderat in Sachen Windkraft immer einer Meinung gewesen. Das Ergebnis für die Windräder zeige, dass man nicht „blöd“ gewesen sei.

"Klares Signal"

Die Mehrheit der Fuchstaler wolle die Energiewende, sagte Karg und fügte hinzu, dass die Entscheidungen für den Bau von vier Windrädern auch ein „klares Signal“ an die Nachbargemeinde Denklingen sei. Dort hatten sich in einem Bürgerentscheid mit identischer Fragestellung 81 Prozent der Wähler für einen Stopp der Planungen zum Windpark ausgesprochen. Allerdings hatten die zerstrittenen Denklinger Räte kein Ratsbegehren auf den Weg gebracht.

Für Bürgermeister Erwin Karg bedeutet die Entscheidung pro Windkraft aber nicht, dass die Gemeinde die Anlagen selbst baut und betreibt. Wenn die Wirtschaftlichkeit nicht gegeben sei, könnten das auch andere Investoren tun, so der Bürgermeister. Ziel sei, dass sich Fuchstal mit alternativer Energie selbst versorge.

Siegfried Spörer

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