Bürgerentscheid: Kein neuer "Zugang zur Natur"

Riesenjubel auf der einen (Lech)Seite, tiefes Bedauern auf der anderen: Eine deutliche Mehrheit der am Bürgerentscheid beteiligten Wähler (35,46 Prozent) hat sich gegen die geplante Rad- und Fußgängerbrücke unterhalb der Staustufe 15 ausgesprochen. 73,39 Prozent erteilten dem städtischen Vor­- haben im Bürgerentscheid 1 „Stopp dem Brückenbau“ eine Absage und 70,3 Prozent im Entscheid 2 „Zugang zur Natur“.

Mit einem derart eindeutigen Ergebnis in den zwei Bürger­entscheiden hatten im Vorfeld keine der beiden Seiten gerechnet – schon gar nicht die Gegner des Lechsteges. Dem entsprechend überschwäng­lich fiel am Sonntagabend der Jubel aus. Von einem „grandiosen Erfolg“ sprach UBV-Vorsitzender Wolfgang Neumeier. Der „geplättete“ Sprecher der Bürger­initiative „Stopp dem Brückenbau“ sei sich zwar sicher gewesen, dass die Mehrheit der Lech­- städter gegen den Steg sein werde, aber nicht gleich so klar. Neumeier wertet das Ergebnis als Indiz dafür, das BI-Ohr an der Stimme des Bürgers gehabt zu haben. Von Politik und Verwaltung wünscht er sich für die Zukunft „mehr Bodenhaftung“. Ein gutes Stück weiter geht BAL-Stadtrat Rein­hard Skobrinsky: Er be­trachte das Ergebnis „auch als Abstrafung für die rot-schwarze Mit-dem-Kopf-durch-die-Wand-Machtpolitik“. Die Bürger hätten sehr genau erkannt, dass es wesentlich wichtigere Dinge in Landsberg gibt und deshalb zielsicher und richtig entschieden. Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) sieht die Sache naturgemäß ganz anders. Ein gutes Projekt für die Naherholung sei vor allem an der allgemeinen wirtschaftlichen Unsicherheit ge­scheitert. Dass Landsberg gut dastehe und etwa in diesem Jahr durch den Grundstücksverkauf an Edeka ein Vielfaches an Einnahmen erziele, habe da offenbar keine Rolle gespielt. „Natürlich bin ich über den Ausgang des Bürgerentscheides enttäuscht“, räumt er im Gespräch mit dem KREISBOTEN ein. „Wir haben stets versucht, hart in der Sache, aber fair im Umgang zu sein und werden dies auch nach der Niederlage so halten“, reflektiert Steffen Merunka für die BI „Pro Lechsteg“. Die demokratisch legitimierte Entscheidung werde akzeptiert. Ausdrücklich weist der BI-Sprecher aber darauf hin, dass es zumindest in einem der 23 Stimmbezirke eine Mehrheit (62 %) für den Lechsteg gab: in der Ka­tharinenvorstadt I. Dort wohnen vorrangig junge Familien mit Kindern. „Schade, dass gerade für deren Bedürfnisse keine Mehrheit erreichbar gewesen ist“, so Merunka. Die deutlichste Mehrheit gegen den Lechsteg gab es übrigens in Zehentstadel/Agrarbildungszentrum: 88,64 Prozent und in der Stichfrage gar 89,14. Apropos Stichfrage, die aufgrund des klaren Ergebnisses ohne Bedeutung blieb: Von den 7285 Wahlbeteiligten im gesamten Stadtgebieten kreuzten hier 5026 (71,38 %) das „kein Brückenbau“ an. Daran will sich der Oberbür­ger­­meister nach Ablauf der Bindungsfrist (ein Jahr) halten: „Von meiner Seite gibt es da keine neue Initiative.“ Das eingesparte Geld möchte er für den Schuldenabbau verwenden.

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