Die Planungshoheit hat die Stadt

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Auf dem Areal zwischen A96-Rastanlage Lechwiesen (links) und Iglinger Straße (oben quer) im Landsberger Westen will der Freistaat die Gemeinschaftsunterkunft bauen.

Landsberg – „Wir sind irgendwie betroffen, aber wie genau?“ Das hat Hubert Ruhdorfer, Koordinator der neu gegründeten „Bürgerinitiative Asylunterkunft Landkreis Landsberg“ hinterfragt. Die Initiative will den Asylbewerbern zwar helfen, kritisiert aber eine große Gemeinschaftsunterkunft...

Eine solche möchte der Freistaat Bayern möglicherweise im Westen der Stadt errichten. Bei einem öffentlichen Gesprächsrunde ver­suchten Landrat Walter Eichner und Oberbürgermeister Mathias Neuner die Bürger aufzuklären – obwohl ihnen selbst noch Infos fehlen. Die Bürgerinitiative habe sich spontan und aus aktuellem Anlass gegründet, erklärte Koordinator Ruhdorfer im Bräustüberl. „Die Ausgangslage ist, dass wir nur wenige, unklare Informationen haben.“

Man akzeptiere die Asylbewerber, versicherte Ruhdorfer, und betonte, dass sich die rund 80 Anwesenden auch ehrenamtlich engagieren möchten – jedoch nicht in einer großen Sammelunterkunft. Ob eine solche in Landsberg von der Regierung tatsächlich gebaut wird, das stellten Landrat Eichner und OB Neuner (beide CSU) klar, wüssten sie selbst noch nicht.

Derzeit leben im Landkreis, verteilt auf Kaufering, Erpfting und seit Kurzem auch Scheuring, rund 144 Asylbewerber – dezentral untergebracht. Fest stehe, dass bis Jahresende weitere Flüchtlinge, der Landrat gehe dann von insgesamt 230 Personen aus, in den Landkreis kommen würden. Die Zahlen seien auf Erfahrungswerten beruhende Schätzungen der Regierung von Oberbayern, betonte Eichner.

Wie im KREISBOTEN berichtet, will der Freistaat nun eine Gemeinschaftsunterkunft auf einem seiner Grundstücke in der Lechstadt bauen. „Es liegt aber noch keine Entwurfsplanung dafür vor“, erklärte Neuner. Das Stadtoberhaupt ver­- stehe die Bedenken der Anwohner, wenn eine große Sammelunterkunft gebaut würde. Allerdings sei in großen Unterkünften auch eine bessere soziale Betreuung gewährleistet, das belege etwa ein Gutachten der Stadt Leipzig.

Bereits am Dienstag hatte der Landrat im Kreisausschuss betont, dass aus seiner Sicht und aus der der Verwaltung eine „durchgehende soziale Betreuung“ notwendig sei, damit der „soziale Friede“ in der Gemeinschaftsunterkunft auch gewahrt bleibe.

Zahlreiche Anwesende, insbesondere Frauen, betonten im Bräustüberl dagegen, dass sie sich gerne ehrenamtlich bei der Betreuung engagieren würden – allerdings nicht in einer Gemeinschaftsunterkunft. „Da traue ich mich als Frau nicht rein“, meinte eine Diskussionsteilnehmerin. Einer der Anwesenden kam selbst vor drei Jahren nach Deutschland und konnte derlei Bedenken nicht nachvollziehen. „Ich habe mit über 150 Leuten in einer Gemeinschaftsunterkunft gelebt“, erzählt er. „Die Leute hatten auch Angst – aber wovor? Es wohnen ja schließlich Menschen darin, da ist ja kein Tierheim!“

Aktuell sei die Sozialhilfeverwaltung des Landkreises laut Eichner „personell nicht in der Lage“, eine soziale Betreuung oder allgemeine Ansprechpartnerschaft für Alltagsprobleme der Asylbewerber zu gewährleisten. Da bei dezentralen Unterbringung die Betreuung vom Staat im Moment noch nicht bezuschusst werde, übernehme das momentan der Landkreis mit 30000 Euro pro Haushaltsjahr. Wie schon 2012 erhält der BRK-Kreisverband diese Summe nach entsprechenden Beschlüssen des Kreisausschusses. Auf eine weitere Wortmeldung hin betonte der Landrat, dass eine Gemeinschaftsunterkunft nicht nur ein Gebäude ist, sondern vielmehr der Betrieb einer Einrichtung mit einem Leiter, Büros und Betreuern vor Ort.

„Ich persönlich fände auch zwei kleinere Einheiten mit 60 Bewohnern besser“, räumte OB Neuer, „aber ich bin nicht der Fachmann.“ Auch Jarek Jarkiewicz, der selbst als Asylbewerber 1989 nach Landsberg kam, konnte aus seiner Erfahrung keine Musterlösung nennen. „Es ist unangenehm, wenn so viele Leute auf engstem Raum leben“, meinte er und erklärte aber gleichzeitig, dass es dennoch wichtig sei eine gut organisierte Betreuung vor Ort zu haben.

Der Landrat und der Oberbürgermeister betonten mehr­fach, dass die Stadt die Pla­nungshoheit habe, falls der Freistaat in Landsberg eine zentrale Unterkunft errichten wolle. „Eine Größe mit bis zu 120 Bewohnern ist sicher vertretbar“, erklärte Walter Eichner, „bei 200 sagen wir ganz klar: Nein.“ 

Nachdem sowohl den Mitgliedern der Bürgerinitiative als auch den Verantwortlichen in Stadt und Landkreis konkrete Informationen fehlen, schlug Stadtrat Jonas Pioch (Landsberger Mitte) vor, einen Experten einzuladen. OB Neuner betonte daraufhin, dass er gerne auch Verantworliche der Regierung von Oberbayern dabei hätte. Und Stadträtin Traudl Lüßmann (Grüne) kündigte an, dass ein Vertreter des Bayerischen Flüchtlingsrates einen Besuch in die Lechstadt plane.

Janina Bauch/Christoph Kruse/Toni Schwaiger


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