Windkraftdebatte auf Augenhöhe

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So voll ist der Rathaussaal in Leeder bei Gemeinderatssitzungen selten. Mitglieder des Gartenbauvereins, der Feuerwehr Seestall und auch Gegner des Windkraftparkes aus Dienhausen verfolgten aufmerksam die Debatten und Beschlüsse

Leeder – Mit so vielen Besuchern der Ratssitzung hatte Bürgermeister Erwin Karg nicht gerechnet. Unter ihnen waren auch die Dienhau­sener Windkraftgegner. Sie brachten ihren neuen Flyer mit, mit dem sie gegen das Projekt protestierten. Erwin Karg nahm es gelassen.

Gegen den geplanten Windpark hat sich in Dienhausen eine Bürgerinitiative gebildet, an deren Spitze das Denklinger Gemeinderatsmitglied Martin Steger und Christian Unsin stehen. In einem gleichlautenden Schreiben empfahlen sie den Denklinger und Fuchstaler Gemeindeoberen, „keine weiteren Gelder zu investieren und keine weiteren Beschlüsse zu fassen, die eine Umsetzung in der momentan geplanten Größenordnung befürwortet, nicht bevor eine Akzeptanz unserer Mitbürger vorhanden ist und nicht, bevor alle Risiken eines solchen Projektes transparent aufgezeigt worden sind. Oder bis sich der Gemeinderat und die Bürgermeister für die in Kürze stattfindenden Kommunalwahlen neu definiert haben“.

Fuchstals Rathauschef hatte Steger und Unsin schriftlich geantwortet und moniert, dass er über das Vorhaben „aus der Zeitung erfahren musste“. Karg schrieb, „dass er gerne gekommen wäre, wenn er eine Einladung erhalten hätte“. Gleich- zeitig schlug der Bürgermeister vor, sich zu einem Gespräch im Rathaus in Leeder zu treffen.

Das aber lehnten die Ver­treter der Bürgerinitiative, die inzwischen unter dem Namen „Wald Windkraft Wahnsinn“ firmiert, schriftlich ab. Steger und Unsin wollen zunächst in einer zeitnahen Großveranstaltung „messen, wie die Resonanz aus den betroffenen Gebieten ist“. Die Windkraftgegner sagen klipp und klar: Wenn sich herausstellen sollte, dass das Interesse der Bevölkerung verschwindend gering ist, wollen sie sich der Mehrheit fügen. Sollten sich aber die Befürchtungen bewahrheiten, dass eine nicht zu vernachlässigende Mehrheit die Windkraft kritisch betrachtet, sollte man sich an einen Tisch setzen. Im Übrigen hoffen Steger und Unsin auf „gute Zusammenarbeit in Augenhöhe, sachlich und transparent“.

Bürgermeister Karg betonte in der Ratssitzung, dass er persönlich gar nichts von dem geplanten Windpark habe und sich aus anderen Gründen dafür einsetze. Er kritisierte aber die Aussagen der Gegner des Windparks auf Facebook und im Flyer, weil es sich so anhöre, als wolle man „den Wald platt machen“ und „den Sachsenrieder Forst in Grund und Boden planieren“.

Der Rathauschef bezeichnete diese Aussage der Gegner als „schlichtweg falsch“ und berichtete über seine Informationen von den Bayerischen Staatsforsten. Peter Graser habe ihm mitgeteilt, dass jedes Jahr in den Revieren von Dienhausen 1 bis 3 rund 45000 Festmeter Holz geschlagen würden. Für 30 Windräder sei dagegen ein einmaliger Einschlag von 6000 Festmetern erforderlich. Ein großer Teil würde wieder aufgeforstet. Die Kurvenradiuseinschläge für die Fahrzeuge seien eingerechnet. Das Wegenetz umfasse 50 Kilometer und sei auch heute schon für die schweren Fahrzeuge der Forstwirtschaft ausgelegt.

Der Denklinger Gemeinderat Martin Steger erteilte Karg Rederecht im Fuchstaler Rat. Steger wiederholte nochmals seine bereits schriftlich geäußerten Bedenken und bat darum, vor weiteren Entscheidungen zunächst die Resonanz der Bevölkerung auf die geplante Info­veranstaltung abzuwarten. Erwin Karg verwies seinerseits darauf, dass eine solche bereits für alle Gemeinden im Fuchstal im Dezember 2012 angesetzt gewesen sei und auch große Resonanz gefunden habe.

Die Beteiligung der Öffentlichkeit, so Karg, sei auch über das gerade angelaufene Raumordnungsverfahren gewährleistet (siehe eigenen Bericht). Den Vorwurf zu knapper Termine bei den Einspruchsfristen ließ Erwin Karg nicht gelten, da diese gesetzlich vorgeschrieben seien. „Man habe sich nichts vorzuwerfen“. Der Gemeinderat nahm letztlich den Wunsch der Windkraftgegner der Windkraftanlage zur Kenntnis.

Siegfried Spörer

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