"Ein Raum, der Kultur möglich macht"

Bürgermeister im Gespräch: Was braucht die Nachtkultur in Landsberg? 

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Veranstalter Oggy Georgi (links) im Kultur-Gespräch mit Landsbergs Bürgermeistern (von links):3. Bürgermeister Felix Bredschneijder, Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl und 2. Bürgermeister Moritz Hartmann.

Landsberg – Kultur wird meist mit bestimmten Inhalten gefüllt: Theater, Klassik, Thomas Mann. Aber es gehört mehr dazu. Eigentlich ist Kultur alles, was nicht Natur ist. Alles, was der Mensch selbst gestaltet, auch Tanzen, Feiern, Musik ‚nebenher‘ hören. Kurzum: Party. Doch allein, dass es dafür einen eigenen Begriff gibt – Nacht- oder auch Subkultur –, trennt ihn von dem, was Kultur angeblich ausmacht. Auch in Landsberg hat es die Nachtkultur schwer, erst recht momentan. Um über Probleme und Möglichkeiten zu sprechen, hat Veranstalter Bastian Georgi eine Bürgermeister-Session auf seiner ‚Zim-mer-Decke‘ initiiert. Und mit OB Doris Baumgartl, 2. Bürgermeister Moritz Hartmann und 3. Bürgermeister Felix Bredschneijder über Nachtkultur geplaudert.

Landsbergs Nachtkultur ist dürftig, zum Leidwesen der Jüngeren, „sagen wir der 13- bis 30-Jährigen, definiert Georgi. „Dabei ist die Nachtkultur ein Ventil der Gesellschaft.“ Georgi weiß das nur zu gut, war es doch sein „Glücklich“ in der Katharinenstraße, das 2017 als einer der letzten Clubs abseits vom Main-Stream in Landsberg schließen musste. Obwohl dort nur zweimal im Monat der Bass wummerte, war es den Nachbarn zu laut. Und auch rechtliche Aspekte wie Bebauungspläne, die mögliche Club-Orte als Mischgebiete und somit als verbotenes Terrain für Clubs ausweisen, verhindern Nachtkultur.

Ein Großteil der Landsberger sei aber tolerant, ist OB Baumgartl (UBV) überzeugt. „Es sind meistens nur Einzelne, die sich beschweren.“ Dabei habe sie nicht den „ewigen Nörgler“ im Kopf, sondern auch denjenigen, der um vier Uhr morgens aufstehen müsse. Ob für den eine Wohnung in der Innenstadt sinnvoll ist, sei eine andere Frage. Georgi hat sich zu diesem Thema umgesehen und in Freiburg ein Vorbild gefunden. Dort weise die Stadt neue Mieter darauf hin, dass für das Wohnen in der Innenstadt eine gewisse Lärmtoleranz aufgebracht werden müsse. Ob so eine Sensibilisierung für Landsberg auch denkbar wäre? Eine Idee, die Bredschneijder (SPD) in Augenschein nehmen will.

Zeitlich begrenzte Veranstaltungen wie beispielsweise ein Event über drei Tage an zwei Wochenenden seien auch in der Altstadt in Bezug auf Lärmtoleranz problemlos, so Bredschneij­der. Dauerhafte Einrichtungen hätten es weitaus schwerer. Die sieht Georgi auch nicht als absolut notwendig. Vielmehr benötige es eine Lokalität, die auch den Jugendlichen selbst offenstehe: ein Raum für junge Kreative, ohne dafür in Vorleistung gehen zu müssen, „ein Raum, der Kultur möglich macht.“ Wie damals die Pflugfabrik, in der das Festival „Isotope“ Heimat fand.

Insgesamt sieht Baumgartl die Räumlichkeiten respektive Treffpunkte für Jüngere im Sommer mit Freibad und Lechufer in der Innenstadt generell als ausreichend. Und was den Skaterpark angehe, wisse man zwar noch nicht, wo er hinsolle, „aber dass wir ihn wollen, ist klar.“

Party im Juze?

Im Winter fehlten sie jedoch, was teilweise das neue Jugendzentrum, „ein moderner Bau“, auffangen könne. Dort seien sicher auch einzelne Veranstaltungen für Jugendliche möglich. Eine Lösung, die Georgi so nicht sieht: „Als das ‚Glücklich‘ ins Juze zog, kamen die Leute irgendwann nicht mehr.“ Das jetzige Juze sei kein Ort für Partys, das Wort Jugendzentrum schrecke ältere Jugendliche eher ab. So habe das Jugendzentrum in Königsbrunn ein besser funktionierendes Konzept. Schon allein deshalb, da es nicht Jugendzentrum, sondern MatriX heißt. Grünen-Bürgermeister Hartmann hofft auf einen „Neustart, einen Etikettenwechsel“ des Jugendzentrums an der neuen Stelle in der Innenstadt. „Auch wenn ein ‚Jugendzentrum‘ wohl immer eher die Jungen unter den Jüngeren ansprechen wird.“

Jugendliche suchten sich ihre Räume selbst, weiß Hartmann. „Manchmal funktioniert’s, manchmal nicht.“ Die Gesellschaft müsse diese ‚freien‘ Treffpunkte außerhalb des Juzes, beispielsweise am Lech, tolerieren. Landsberg brauche solche Treffpunkte dringend. Momentan sei es für Jugendliche besonders schwierig, da zum Beispiel auch die üblichen Abiturfeiern am Lechufer verboten waren: „Die mussten sich jetzt heimlich treffen, und klar gehen die dann eben in den Wildpark, um da Beer Pong zu spielen.“ Die Stadt müsse für Events einen Rahmen bieten. Vielleicht in Gebäuden auf dem ehemaligen Fliegerhorst in Penzing, die für Veranstaltungen geöffnet würden. Obwohl man so die Nachtkultur wieder aus der Stadt verbanne.

Ein weiteres Manko sieht Georgi im Kultur-Marketing der Stadt. Zwar sei es inhaltlich gut, aber kaum jemand bekomme es mit. Beispielsweise beim Projekt „Kunst hält Wache“: Viele hätten das Banner in der Neuen Bergstraße gesehen, die Aktion aber nicht einordnen können. Er hoffe hier auf eine Stadthomepage, die auch außerstädtische Veranstaltungen aufliste, also praktisch eine Öffnung der städtischen Kulturseite www.kulturinlandsberg.de für alle. Und Georgi hofft auch auf mehr Aktivität im Social-Media-Bereich: „Ihr drei wisst doch, wie’s funktioniert.“ Eine Anregung, die bei Baumgartl auf offene Ohren trifft: „Wir wissen, dass das ausbaufähig ist. Wir arbeiten dran.“
Susanne Greiner

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