CSU-Empfang

Ein Weißbier mit Obama

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Mathias Neuners Cousin Thomas Schwarzenberger, der Bürgermeister von Krün, im Festsaal des Historischen Rathauses.

Landsberg – Sonntag, 7. Juni 2015. Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßt den zum G7-Gipfel angereisten US-Präsidenten Barack Obama in Deutschland mit Weißwurst und Weißbier vor dem Rathaus in Krün. Neben Obama sitzt „The Honorable Thomas Schwarzenberger“, damals wie heute „Lord Mayor“, Bürgermeister des 1.900-Einwohner-Orts im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Wie sich die Gemeinde durch den ­Gipfel in Schloss Elmau veränderte, erzählte Schwarzenberger (46) beim Frühjahrs­empfang der Landsberger CSU.

Deren Ortsvorsitzender wird die Geschichte schon mal gehört haben. CSU-Mitglied Thomas Schwarzenberger und Mathias Neuner sind nämlich ­Cousins. Sie haben den gleichen Großvater und der war ebenfalls Bürgermeister in Krün, ist der Vor-Vorgänger von Schwarzenberger und übte das Amt 16 Jahre lang aus. Schwarzenberger wird ihn wohl übertreffen; in zwei Monaten feiert der Bürgermeister sowie Kreis- und Bezirksrat 15-jähriges Amtsjubiläum und die nächste Wahl ist noch nicht in Sicht. Nachdem Schwarzenberger in seinem amüsanten Vortrag auch noch genüsslich verwandtschaftliche Beziehungen zur Familie Goppel offenlegte („die Schwägerin ist eine Cousine“), war die familiäre Prägung des diesjährigen CSU-Empfangs umfassend manifestiert.

Anderthalb Jahre zuvor habe die Gemeinde erfahren, dass Elmau, ein Luxushotel am Ortsrand von Krün, der Tagungsort des G7-Gipfels sein werde. Von da an sei in der „Alpenwelt Karwendel“, zu der auch Mittenwald und Wallgau gehören, alles anders geworden. Krün sei mit 485.000 Gästeübernachtungen und 95.000 Ankünften pro Jahr ein Touristenort; da große Wirtschaftsbetriebe fehlen, sei die Verschuldung hoch und die Steuerkraft „auf dem Niveau der Oberpfalz“. Große Sprünge „wären für uns nicht möglich gewesen“, sagte Schwarzenberger, und die Formulierung zeigte bereits: Der Ort hat die Gunst der Stunde ziemlich gut genutzt.

Das war vor allem „infrastrukturell“ der Fall. Zwei Wochen nach der Ankündigung hatte die Gemeinde schon eine Wunschliste von 30 Vorhaben aufgestellt. „Wenn wir das nicht machen, können wir keinen Gipfel ausrichten.“ Viele Projekte, auf die man sonst zehn bis 15 Jahre wartet, seien in Rekordzeit und mit optimaler Förderung realisiert worden. Rathausplatz, Wasserversorgung, Breitband-Internet, Feuerwehr-Auto, jetzt ging auf einmal alles.

Allein in Krün gab es Maßnahmen im Wert von acht Millionen Euro; die Zahl der Bauvorhaben verdreifachte sich. Zusätzlich habe das staatliche Bauamt noch einmal zwei bis drei Millionen investiert. Der Bahnhof in Klais sei eigentlich in der „vorletzten Renovierungskategorie“ gewesen; plötzlich habe man ihn in einem halben Jahr tipptopp hergerichtet. Die Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen sei „lösungsorientiert“ gewesen. Jetzt, nach dem Gipfel, sei sie wieder „problemorientiert“.

Bitte geheim halten

Die aus viereinhalb Mitarbeitern bestehende Gemeindeverwaltung musste sich im Zusammenhang mit dem Gipfel allerdings auch gehörig anstrengen. In Sachen „Sicherheit und Ordnung“ sei es bis dato nur um die Genehmigung von Feuerwehrfesten und Trachtenumzügen gegangen – „Demonstrationen hat man in Krün nicht gekannt“. Glücklicherweise sei der Gipfel trotz 52 angekündigter Demos „der friedlichste aller Zeiten gewesen“, zumal 18.000 Polizeibeamte im Einsatz gewesen seien (sie generierten 250.000 Übernachtungen). Viele Demonstranten seien am Vorabend durch ein Unwetter demotiviert worden und andere hätten die Erschwernisse der Bergwelt unterschätzt, berichtete Schwarzenberger. Ach ja, und überhaupt die Berge: den Damen und Herren in Berlin habe man erstmal klarmachen müssen, dass es in Krün noch richtigen Winter gibt, was das Zeitfenster für Baumaßnahmen erheblich reduzierte.

Drei Wochen vor dem Gipfel seien dann 25 Vertreter des Auswärtigen Amts und der Bayerischen Staatskanzlei zum Bürgermeister gekommen und hätten Obamas und Merkels Besuch angekündigt, aber es müsse noch geheim bleiben. „Spätestens als kurz danach 40 Amerikaner mit schwarzen Anzügen und Sonnenbrillen durch den Ort liefen, war das mit dem Geheimhalten nicht mehr ganz so einfach“. Dann habe die Gemeinde wirklich ein Organisationsproblem gehabt: Wie holt man in vier Tagen bereits anderweitig – bei der Feuerwehr, der Bergwacht oder dem Roten Kreuz – dienstlich eingeplante Mitglieder der gemeindlichen Blaskapelle zum Musikmachen zurück, ohne zu sagen, warum?

Kurzweiliger Rückblick

Nachher sei das alles vergessen gewesen, bei strahlendem Wetter und bester Bergsicht, als die Bundeskanzlerin Hände schüttelte und „sich mehr oder minder auf den Schoß eines Musikers setzte“. Barack Obama („er fesselt einen direkt, wenn er auf einen zukommt“) habe dann auch den Kontakt zu den Einwohnern gesucht – ein 15-jähriges Mädchen aus Krün habe sogar ein Selfie mit ihm machen können. Dann erklärte Schwarzenberger dem Präsidenten, dass man in Bayern „Grüß Gott“ sagt, und was sagte Obama bei seiner Ansprache? „Grüß Gott!“ Es war einfach ein Traum.

Zugegeben: Strategische Zukunftsgedanken gab es heuer beim CSU-Empfang nicht. Aber dafür einen kurzweiligen Rückblick in einen eindrucksvollen Moment der Bayerischen Geschichte. Das hat Spaß gemacht. 

Werner Lauff

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