Kampfabstimmung:

Die Novizin macht das Bürgermeister-Rennen

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Unmittelbar nach der Vereidigung: OB Mathias Neuner bittet Bürgermeisterin Doris Baumgartl und 3. Bürgermeister Axel Flörke an seiner Seite Platz zu nehmen.

Landsberg – Doris Baumgartl (UBV) ist für die nächsten sechs Jahre erste Stellvertreterin von Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU), Axel Flörke (Landsberger Mitte) wurde zum 3. Bürgermeister gewählt. Bis beide vom neu konstituierten Stadtrat in ihre Ämter gehoben waren, gab es allerdings einige überraschende Wendungen.

Vor der Wahl war hinter den Kulissen viel diskutiert und verhandelt worden – „vielleicht zu viel“, wie ein Stadtrat später meinte. Zu einem schiedlichen Ergebnis und gemeinsamen Kandidaten führten die Gespräche im Vorfeld jedenfalls nicht. Klar war lediglich, dass für Margarita Däubler (SPD) als 2. Bürgermeisterin keine Mehrheit zu finden gewesen wäre. Statt ihr gingen Baumgartl und Flörke in die Kampfabstimmung, die die UBV-Novizin in geheimer Wahl zur offensichtlichen Überraschung einiger Räte und Zuhörer im Rathaussaal mit 17:13 für sich entschied. „Ich bedanke mich für das Vertrauen, das Sie in mich als Stadtratsneuling gesetzt haben“, sagte Baumgartl am Ende der Ratssitzung. „Ich wünsche mir eine offene und konstruktive Zusammenarbeit, die hoffentlich immer sachbezogen ist.“

Neustadträtin wird auf Anhieb Bürgermeisterin

Der Unterhaltungswert steigerte sich bei der Wahl des 3. Bürgermeisters noch einmal. Axel Flörke wurde von seiner Fraktion erneut vorgeschlagen, dazu nominierte die CSU ihren neuen Fraktionssprecher Tobias Wohlfahrt. Dass die SPD dann als dritten Kandidaten Felix Bredschneijder ins Rennen schicken würde, war so nach den Vorgesprächen nicht geplant gewesen. „Das ist eine komische Sache, wochenlang besprechen sich die Fraktionen zu diesem Thema und dann erfahren wir ein paar Minuten vor der Sitzung, dass er kandidiert. Das muss wohl eine Sache aus dem Bauch heraus gewesen sein“, wunderte sich ein Stadtrat kurz nach der Wahl.

Die Spannung im Gremium war spürbar, auf Antrag der Grünen-Fraktion wurde der (bereits begonnene) Wahlgang dann ausgesetzt – man wollte auf den einzig noch fehlenden Stadtrat, Ludwig Hartmann, warten. Als der aus München eintraf, zog CSU-Mann Wohlfahrt überraschend seine Kandidatur ohne Angabe des Grun­- des zurück. Nach dem Gang an die Urnen stand das enge Ergebnis zugunsten von Flörke fest: Mit 17:14 Stimmen gewann er gegen Bredschneijder, der ihm anschließend als einer der ersten Räte zur Wahl gratulierte.

Baumgartl und Flörke hatten ihren neuen Platz neben Oberbürgermeister Mathias Neuner gerade eingenommen, als sie schon ein erstes Zeichen setzten: Zehn Minuten lang diskutierte der Stadtrat über die Entschädigung für die beiden Bürgermeister. Die war vor einigen Jahren auf 800 bzw. 400 Euro festgesetzt worden, dann aber vorschriftsmäßig jedes Jahr linear erhöht worden, so dass Baumgartl jetzt 957,02 und Flörke 501,29 Euro erhalten hätten.

Selbst gekürzt

Stadtjustitiarin Petra Mayr-Endhart erläuterte auf Nachfrage, die Erhöhung sei zwin­gend gewesen sei, OB Neuner verlas Vergleichszahlen aus anderen Städten. Bevor die Diskussion aber richtig in Schwung kam, beendete sie Doris Baumgartl. „Es wurden in Landsberg in der letzten Zeit viele Steuern und Gebühren erhöht. Sie haben einmal 800 Euro beschlossen, für mich sollte es auch dabei bleiben“, kürzte sie sich selbst die Aufwandsentschädigung. Axel Flörke wollte dem keineswegs nachstehen: „Wir haben von der Landsberger Mitte in der Vergangenheit für eine Reduzierung plädiert. Da wäre es jetzt kontraproduktiv, wenn ich etwas anderes sagen würde.“

Christoph Kruse

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