Corona sorgt für erschwerten Start im Dießener Rathaus

Sandra Perzul: Amtsantritt mit Prioritätenliste

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Wachwechsel nach 24 Jahren im Dießener Rathaus: Sandra Perzul löst Herbert Kirsch ab, der aber als Gemeinderat der Kommunalpolitik treu bleibt.

Dießen – Sieben Kandidaten haben sich ums Bürgermeister-Amt in Dießen beworben. In die Stichwahl schafften es schließlich Florian Zarbo (Freie Wähler Dießen) und Sandra Perzul (Dießener Bürger). Die gerade 40 Jahre alt gewordene Dipl.-Verwaltungsfachwirtin gewann die Stichwahl mit 55,84 Prozent und zieht nun als erste Frau in das Rathaus der größten Gemeinde am Ammersee-Westufer ein. Im KREISBOTEN-Interview erzählt sie von ihren Vorbereitungen in der Coronakrise.

Der Countdown läuft. Wie bereiten Sie sich in diesen schwierigen Zeiten auf Ihr neues Amt vor?

Sandra Perzul: „Die Corona-Pandemie und ihre Folgen erschweren die derzeitige Situation und den Übergang in mein neues Amt etwas. Ursprünglich war ich Ende April für ein Einführungsseminar für neu gewählte Bürgermeister/innen in Fürstenfeldbruck angemeldet, das nun auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Aktuell finden dafür Gespräche mit meinem Vorgänger Herbert Kirsch und dem Geschäftsleiter Karl Heinz Springer statt und ich arbeite mich derzeit schon von zu Hause in die verschiedenen Unterlagen ein.“

Werden Sie von Ihrem Vorgänger eingearbeitet? Wann findet die offizielle Übergabe statt? Wird Sie Ihr Vorgänger künftig unterstützen, wenn Sie bei laufenden Angelegenheiten einen Rat brauchen?

Perzul: „Herbert Kirsch hatte bereits in den vergangenen Monaten immer wieder betont, dass er jedem/r seiner Nachfolger/innen bei Fragen zur Verfügung stehe, wenn dies gewünscht ist. Auch mir hat er nach dem Stichwahlabend am 29. März noch einmal angeboten, dass ich mich jederzeit an ihn wenden könne. Wir sind derzeit im engen Kontakt, was die Übergabe betrifft und ich weiß, ich kann mich auch künftig bei Fragen immer an ihn wenden.“ 

Hemmt es Sie oder beruhigt es Sie, wenn Ihr Amtsvorgänger im Ratsgremium sitzt?

Perzul: „Ich habe in den vergangenen Monaten immer wieder gesagt, ich freue mich über eine gelungene Mischung aus erfahrenen Ratsmitgliedern und neuen Gesichtern im neu gewählten Gemeinderat, egal aus welcher Fraktion diese kommen. Ich bin überzeugt, dass die jahrelange Erfahrung der älteren Kollegen gerade bei schwierigen Themen von Vorteil ist, dass aber durch junge, neue Mitglieder am Ratstisch auch frischer Wind reinkommt und wir auch mal den Mut haben müssen, zusammen über den Tellerrand zu sehen und uns auch Ideen aus anderen Gemeinden zu holen.

Herbert Kirsch wird künftig einer von 24 Ratsmitgliedern sein, der seine Meinung vertreten wird. Daneben gibt es dann aber noch 23 andere Räte. Von seiner jahrzehntelangen Erfahrung werden wir sicherlich profitieren können. Dennoch werde ich zusammen mit dem neuen Gemeinderat auch einmal neue Wege gehen. Die Corona-Pandemie stellt uns alle vor eine noch nie dagewesene Situation, die keiner bisher so erlebt hat. Daher heißt es jetzt fraktionsübergreifend eng zusammenzuarbeiten und zu schauen, wie wir gemeinsam die besten Lösungen für die Gemeinde treffen.“ 

Werden Sie im Rathaus oder im Home Office arbeiten?

Perzul: „Ich werde ab 1. Mai meine neue Arbeitsstelle antreten und ab 4. Mai mein Büro im Rathaus beziehen. Dann wird sich im Laufe der kommenden Wochen zeigen, ob stundenweises Home-Office aktuell für mich in Frage kommt.“ 

Wann findet die erste Sitzung des neuen Gemeinderats statt?

Perzul: „Die konstituierende Sitzung mit dem gesamten neuen Gemeinderat ist momentan für den 11. Mai geplant.“ 

Wer wird Sie vereidigen?

Perzul: „Angedacht ist die Vereidigung durch das älteste anwesende Gemeinderatsmitglied, voraussichtlich wird dies also durch meine Kollegin Antoinette Bagusat erfolgen.“ 

Wer ist Ihr Favorit für den Posten des 2. Bürgermeisters? Man munkelt, Roland Kratzer sei es. Andererseits werden sicher die Freien Wähler Florian Zarbo als Zweitplatzierten der Bürgermeister-Wahl vorschlagen...

Perzul: „Aktuell ist alles noch offen. Der zweite Bürgermeister wird vom Gremium aller Gemeinderatsmitglieder in der konstituierenden Sitzung in geheimer Wahl gewählt. Für mich ist es vor allem wichtig, dass meine Vertretung und ich eng und in vertrauensvoller und konstruktiver Weise zusammenarbeiten können. Ich muss mich auf meinen Stellvertreter voll verlassen können. Wie der neue Gemeinderat entscheiden wird, wird sich am 11. Mai zeigen.“ 

Gibt es bereits einen Austausch mit den Fraktionen und den neu gewählten Ratsmitgliedern?

Perzul: „Die Corona-Pandemie erschwert uns einen persönlichen Austausch derzeit etwas. Natürlich finden Gespräche statt, aber eben auf anderen Kommunikationswegen. Dies wird auch in den kommenden Wochen so sein. Als Bürgermeisterin ist mir von Anfang an ein enger Kontakt zu den Fraktionen und Kollegen wichtig. Ich möchte daher auch regelmäßig Fraktionstreffen abhalten, sobald dies die Situation wieder ermöglicht.“ 

Welches sind Ihre dringendsten Themen, die Sie gleich angehen wollen? Zum Beispiel wegen der zu erwartenden geringeren Steuereinnahmen.

Perzul: „Aktuell können wir noch nicht abschätzen, welche finanziellen Auswirkungen in Form von Mindereinnahmen auf die Gemeinde zukommen werden bzw. welchen monetären Ausgleich die Kommunen von Seiten des Staates erwarten können. Gemeinsam mit der Verwaltung und hier der Kämmerei und dem Bauamt müssen wir daher schauen, welche vom bisherigen Gemeinderat angedachten Maßnahmen bereits angelaufen sind und welche derzeit noch gestoppt werden können.

Dann müssen wir im neuen Gemeinderat eine Prioritätenliste erstellen, welche Vorhaben in diesem Jahr noch zwingend begonnen bzw. weiter vorangetrieben werden müssen und welche vorerst verschoben werden können. Erst wenn wir Klarheit über die finanzielle Basis haben, können wir weiterplanen, welche Schritte wir als nächstes realisieren wollen.“ 

Was bedeuten die Corona-Beschränkungen für Ihre Arbeit und anstehenden Aufgaben?

Perzul: „Der Start als Bürgermeisterin findet in einer nicht leichten Zeit statt. Dies geht aber allen gewählten Mandats­trägern gleich. Corona und die damit ungewisse Zukunft macht den Leuten Angst. Die staatlichen Vorgaben und Beschränkungen haben außerdem gravierende Auswirkungen auf unser aller Leben. Viele Menschen machen sich Sorgen, wie es für sie und ihre Familien weitergeht, finanziell, beruflich und auch im Bereich der sozialen Kontakte.

Eltern leisten enormes im Spagat zwischen Home Office, Home Schooling, Kurzarbeit, Insolvenz des Arbeitgebers und dem Verzicht auf soziale Kontakt zur Familie und Freunden. Gerade die Kinder verstehen oftmals nicht, warum Freizeitaktivitäten gesperrt, der Kontakt zu Freunden und zu den Großeltern verboten ist. Viele Vereine und Organisationen mussten ihre angedachten Veranstaltungen absagen oder verschieben. Monatelange Planungen wurden über den Haufen geworfen. Keiner weiß, wann welche Einschränkungen wieder gelockert werden.

Diese Gesamtsituation macht sich natürlich auch in den anstehenden Aufgaben im Rathaus bemerkbar. Themen und Pläne, die von allen Fraktionen und auch von mir als Bürgermeisterkandidatin im Wahlkampf angedacht waren, müssen größtenteils erst einmal zurückgestellt werden, bis die finanzielle Situation geklärt ist. Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben. Momentan hat jedoch oberste Priorität, dass unsere Bürger gesund bleiben und unsere Unternehmen und Organisationen die Corona-Pandemie gut überstehen.“'
Dieter Roettig

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