"Fast ein Volksentscheid"

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Wer soll das verstehen? Die geplante Nachverdichtung auf einem Grundstück (roter Pfeil) im Kauferinger Baugebiet „Nord III“ löste eine Protestwelle bei 15 Familien aus. Der Marktgemeinderat stellte daraufhin die Planungen ein.

Kaufering – „Ich habe schon viele Bebauungspläne vorbereitet, aber so etwas ist mir in all den Jahren noch nie passiert." Was den Leiter der Tiefbauverwaltung, Andreas Giampa, so staunen ließ, war der Widerstand der Bewohner des Baugebietes „Nord III“ gegen die geplante Nachverdichtung auf einem Grundstück.

Insgesamt 15 Familien reichten überraschend Einwendungen bei der Gemeinde gegen den Plan ein. Giampa: „Das ist einmalig. Das war schon beinahe ein Volksentscheid.“ Die Folge: Die Gemeinde stellt die bereits weit gediehene Planung ein. Giampa machte im Gemeinderat deutlich, dass er es dennoch weiterhin für sinnvoll hält, Baulücken in Kaufering zu schließen. „Das entbindet uns nicht von der Verpflichtung, weiter darüber nachzudenken.“ In Nord III habe man versucht, eine maßvolle Verdichtung zu erreichen. „Das wäre im gesamten Gebiet höchstens für vier Grundstücke in Frage gekommen, auf den anderen stehen schon Mehrfamilien- oder große Einfamilienhäuser.“

Auf einem der Grundstücke wollte jetzt der Eigentümer ein zweites Haus in den großen Garten bauen; da man keine Einzelfallentscheidung treffen wollte, hatte der Rat beschlossen, die Nachverdichtung grundsätzlich zuzulassen. Diese Rechnung hatte man aber ohne die Nachbarn gemacht. „Sehr massive Einwände“ trafen in den Wochen danach bei der Gemeinde ein, so Giampa. „Ich hatte eigentlich gehofft, es kämen Anträge auf Anbauten, aber es hat niemanden gegeben, der pro gewesen wäre. Ich finde das ehrlich gesagt schade.“

Modern und energetisch

Zur Einstellung der Planungen gebe es aber keine Alternative. „Wir sind gehalten, eine Abwägung zu machen und die Öffentlichkeit ist massiv dagegen. Damit müssen wir das Verfahren einstellen.“ Das Gebiet Nord III sei somit „im Moment in dieser Hinsicht tot“, die von einigen Bewohnern kritisierte geplante Dachform beim Neubau allerdings nicht. „Das ist modern und energetisch, das werden wir in Kaufering noch öfter sehen. Aber in diesem Gebiet ist offenbar die Zeit einfach noch nicht reif.“

Einer Idee von Hans Koch wollte Giampa dann aber auch nicht folgen. „Was ist denn, wenn wir den Bebauungsplan dort aufheben“, hatte der SPD-Gemeinderat gefragt. Der Verwaltungsfachmann riet von einem solchen Vorgehen ab: „Man kann zwar an solche Spielchen denken. Dann gibt es sofortiges Baurecht für alle Einfamilienhäuser zur Nachverdichtung, aber wir hätten es überhaupt nicht mehr in der Hand. Dafür ist das Gebiet meiner Meinung nach noch zu jung.“ Auch Gabriele Triebel warnte: „Im ältesten Teil der Siedlung sieht man, wohin das führt, da baut jeder an, wie er will. Wenn wir da nichts tun, sieht es in zehn Jahren aus wie in Puchheim.“ Für Gabriele Hunger war die ungewöhnliche Reaktion der Anwohner eine Lehre: „Ich habe gelernt, dass man so etwas nicht auf dem Papier entscheiden kann, sondern vor Ort anschauen muss.“

Mit großer Mehrheit beschloss der Rat, die Planungen einzustellen – bei drei Gegenstimmen, darunter auch Bür­germeister Erich Püttner.

Christoph Kruse

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