Mächtige Bäume gefällt:

300 Jahre alte Linde wird zu Brennholz

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Aus für die 300 Jahre alten Linden in der Dettenschwanger Fischbachstraße. Zugunsten eines Bauvorhabens wurden die Bäume ab Donnerstag von einer Spezialfirma mit schwerem Gerät zerlegt.

Dießen-Dettenschwang – Alle Einwände, Proteste und sogar eine Online-Petition waren vergebens: Die zwei rund 300 Jahre alten Dorflinden auf einem Privatgrundstück in der Dettenschwanger Fischbachstraße sind Geschichte. Das Ordnungsamt im Dießener Rathaus hat die Genehmigung für Straßensperre und Fällarbeiten bis zum heutigen Mittwoch erteilt. Bis dahin hat die Firma Josef Guggenmos aus Denklingen die mächtigen Linden mit schwerem Gerät in transportfähige Teile zerlegt und das weitläufige Wurzelwerk ausgegraben.

Grund für das Aus der prächtigen Linden ist ein Bauvorhaben (Einfamilienhaus mit Garagen und Werkstattanbau) der Grundstücksbesitzer Blanka und Martin Kolodziej, die in Bad Kohlgrub das Hotel „Bavaria Dream“ betreiben. Das Baugesuch wurde bereits seit Oktober vergangenen Jahres im Bau- und Umweltausschuss sowie im Gemeinderat der Marktgemeinde Dießen behandelt. Hier machte sich Michael Hofmann (Bayernpartei) stark für den Erhalt der Linden.

Auch in der jüngsten Bürgerversammlung hielt Hofmann ein Plädoyer für eine „Unterschutzstellung der Linden“. Er bekam Beistand von Stefan Meyer aus Dießen, der bei Change.org sogar eine Online-Petition für die Linden eingestellt hatte. Bis zum Beginn der Fällarbeiten hatten sich 223 Befürworter für den Erhalt eingetragen. Auch der Pitzlinger Konrad Schmid, ehemaliger Umweltreferent im Landsberger Stadtrat, zählt zu den Linden-Freunden. Er spricht von einem schweren Umweltfrevel: „Es ist ein Skandal, dass ein Privatmann solch einmalige Linden fällen lassen kann, um das Grundstück besser bebauen zu können.“

Bürgermeister Herbert Kirsch hat alles versucht, um den Gegnern der Linden-Fällung gerecht zu werden. Er holte juristischen Rat ein, fragte beim Bayerischen Gemeindetag nach und kam zu dem Schluss, dass eine Baumschutzverordnung nicht das geeignete Instrument sei. Das Baurecht könne durch diese Verordnung nicht ausgehebelt werden. Kurz gesagt: Baurecht bricht Baumrecht.

Gefahr durch Fäulnis

Auch das Landratsamt Landsberg sah keine rechtliche Möglichkeit, die Linden zu schützen und zu erhalten. Man schickte sogar Baumsachverständige nach Dettenschwang. Die stellten fest, dass die Linden keinen „ortsbildprägenden Charakter“ hätten. Auch könnten die Linden nicht als Naturdenkmäler oder geschützte Landschaftsbestandteile ausgewiesen werden. Die Gutachter des Landratsamtes stellten zudem Fäulnis und Bruchgefahr fest, so dass eine Gefährdung der Verkehrssicherheit bestehe. Die Baumkronen würden schließlich die ganze Breite der Fischbachstraße überragen.

Dem widersprachen die Befürworter des Linden-Erhalts. Selbst bei Stürmen im letzten Herbst und Winter sei kein einziger Ast auf die Straße gefallen. Stefan Meyer bringt in einem Kommentar seiner Onlinepetition dazu starken Tobak: „Die Behörden haben kläglich versagt, sie tragen die Hauptverantwortung für den Ausverkauf unserer Heimat.“

Dieter Roettig

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