Landsberg 2035 und die Bürgerversammlung

Die meisten Ellighofener stimmen schweigend zu

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Vorne viel Platz, hinten drängt es sich. Oberbürgermeister Mathias Neuner und Ortssprecher Tobias Schmid bei der Bürgerversammlung in Ellighofen.

Landsberg – Für manche war es ein unwirkliches Erlebnis. Da kommen der Oberbürgermeister, der Ortssprecher, eine Moderatorin und ein Strategieberater in den Brunnenwirt, stellen ein gemeinsames Vier-Dörfer-Konzept sowie hehre Ziele für den Ortsteil Ellighofen vor und erwarten, dass man nun verbal oder mindestens mit Gesten – Daumen hoch, runter oder waagerecht – dazu seine Meinung äußert. Das hat es, zumindest mit einer derartigen Aussicht auf Erfolg, noch nie gegeben und deswegen konnten sich viele Ellighofener auch nicht entscheiden. Die erste Frage lautete folgerichtig: Mit welcher Daumenstellung enthält man sich?

Die Themen, die dann in der Diskussion angeschnitten wurden, waren allerdings auch nicht so einfach zu entscheiden; das muss man schon ein paar Tage drüber nachdenken. Soll am Ortseingang Richtung Erpfting ein reines Wohngebiet entstehen oder wäre nicht ein Mischgebiet besser, damit dort auch „ländlich gearbeitet“ werden kann? Sind vielleicht statt Einfamilienhäusern genossenschaftliches und Mehrgeneratio­nenwohnen sinnvoll? Sollten sich die Bürger darum bemühen, dass Ellighofen ein energie­autarkes Dorf wird oder setzt man weiterhin auf regionale und nationale Energieversorger? So sehr sich die Organisationsentwicklerin und Moderatorin Gabriele Übler aus Dießen auch bemühte: Spontane Meinungsäußerungen dazu konnte sie den Ellighofenern nicht entlocken.

Da blieb es dann im Großen und Ganzen eher beim Lob – und das gab es reichlich, zum einen für die einvernehmlich beschlossene gemeinsame Prä­ambel aller vier Dorf-Delegationen, zum anderen für die konkreten Ziele, die Ellighofen in den nächsten 17 Jahren verfolgen soll. Das Strategieprojekt „Landsberg 2035“ hat bereits jetzt etwas geschafft, was vor einiger Zeit noch in weiter Ferne war: Die Ortsteile kennen sich nun besser, wissen mehr voneinander und werden ihre begonnene Zusammenarbeit auch nicht wieder aufgeben. „Die Abstimmung der vier Dörfer wird über den Strategieprozess hinaus bleiben“, verkündete Ortssprecher Tobias Schmid, und man merkte, wie froh er darüber war. Gemeinsam sind die vier tatsächlich deutlich stärker, insbesondere wenn sie ähnliche Ziele haben. Und das ist, so Schmid, sehr oft der Fall.

Ein Stück Geschichte

Zwar hat die Grundschule in Erpfting für die Erpftinger noch eine viel größere Bedeutung, weil dort über den Schulbetrieb hinaus soziales Dorfleben stattfindet, aber auch die Ellighofener sind interessiert daran, dass die nahe Grundschule bleibt, ja sogar noch mit weiteren Angeboten ausgebaut wird. Früher wäre ein solcher gebündelter Interessenvortrag nicht zustande gekommen, jetzt hat er Gewicht. Auch das Thema Überquerung von Bahn, B17 und Lech ist in besonderem Maße ein Anliegen der Ellighofener – sie wollen ihr eigenes Lechufer wieder erreichen können. Durch die Addition der Pitzlinger Interessen und die gefestigte Idee aller vier Ortsteile, einen Radrundweg einzurichten (der KREISBOTE berichtete), wird nun aus einem Anliegen ein Konzept und wenn es in „Landsberg 2035“ einfließt sogar ein konkreter Beschluss.

Das war den meisten Teilnehmern im Raum sicher nicht bewusst: Tatsächlich wurde an diesem Abend in Ellighofen ein Stück Geschichte geschrieben, weil sich das Verhältnis der Ortsteile zur Kernstadt wandelt. Am Anfang hakt es zwar noch ein wenig. Tobias Schmid hatte damit gerechnet, dass jedes Dorf zwei Geschwindigkeits-Smileys erhält – für jeden Ortseingang eines. Ordnungsamtschef Ernst Müller hat aber nur zwei Smileys für alle Ortsteile zusammen bestellt. Soll ein Bote die jetzt wöchentlich weiterreichen? Aber das war ja eine Maßnahme, die noch vor der Strategiefestsetzung auf den Weg gebracht wurde; im endgültigen Papier, dessen Präambel bereits fertig ist, werden die Ziele und Maßnahmen hingegen akribisch formuliert.

Hin und wieder Stille

Letztlich funktioniert Bürgerbeteiligung vor allem dann, wenn einige sich ein Herz fassen, Freizeit opfern und die Arbeit stellvertretend tun. Das wurde am vergangenen Donnerstag in Ellighofen noch einmal deutlich. Sitzordnung, Lautstärke und auch die sehr intensive, wenig Zeit zum Atemholen lassende Moderation trugen sicher zur Sprachlosigkeit der bislang Nichtbeteiligten bei. Da trafen Menschen, die sich seit Monaten mit nichts Anderem beschäftigen, auf Menschen, die seit Monaten nicht einmal über dieses Thema nachgedacht haben.

Der Stadtverwaltung Landsberg jedenfalls ist zu raten, es in den weiteren Ortsteilen etwas ruhiger angehen zu lassen: Weniger Vortrag, mehr Gespräch und bitte auch mal hin und wieder Stille.

Werner Lauff

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