Wieder das eigene Wasser

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Wassermeister Sebastian Filipp, Nachfolger von Wassermeister Anton Heiß, zeigte dem KREISBOTEN das Kauferinger Wasserschutzgebiet.

Kaufering – In jüngster Vergangenheit sahen sich die Bürger von ihrer Marktgemeinde unzureichend mit Informationen versorgt. Für den nicht kommunizierten Notverbund mit Landsberg erntete Bürgermeister Erich Püttner zuletzt herbe Kritik. Bei der Bürgerversammlung am Mittwoch vergangener Woche klärte Püttner seine Bürger umfassend über die Ursachen der Trinkwasserschmutzung, die durch abgestorbene Wurzeln ausgelöst wurde, auf. Gemeinsam mit den Wasser-Verantwortlichen der Gemeinde rechtfertigte er außerdem den Notverbund mit Landsberg, stellte die neue Maßnahme gegen künftige Keimangriffe vor und informierte über die Kostenlösung, die ab 2019 über den Wasserpreis zum Tragen kommt.

„Sie haben sicher gemerkt, wie lecker es schmeckt“, ergänzte Bürgermeister Erich Püttner im Anschluss an seine „Meldung des Tages: Das Wasser in unseren Leitungen ist seit heute wieder Kauferinger Wasser.“ Davor hatte man das Trinkwasser mehrere Monate durch einen aktivierten Notverbund aus Landsberg bezogen, nachdem im Juli coliforme Keime im Trinkwasser entdeckt wurden (der KREISBOTE berichtete). Bis zum 10. August hatten die Verantwortlichen im Kauferinger Wasserwerk das Wasser noch gechlort. Dann fiel jedoch der Entschluss, das Wasser vorerst aus Landsberg zu beziehen, bis sich die Quellfassung gänzlich regeneriert hat.

Dass ab diesem Zeitpunkt kein Kauferinger Wasser mehr aus den Leitungen kam, war den meisten Bürgern nicht bewusst. Erst ein Infobrief der Kauferinger Mitte, der in sämtliche Briefkästen der Marktgemeinde geflattert war, informierte die Bürger über den Sachverhalt – und griff gleichzeitig Bürgermeister Püttner für dessen mangelnde Transparenz an.

Wie schon Anfang November in der Sitzung des Marktgemeinderates publik geworden war, hatten abgestorbene Wurzelgeflechte die Verkeimung im Trinkwasser ausgelöst. Entstehen konnte das Problem erst dadurch, dass die 1996 gebaute Quellsammelleitung zu nah an die umliegenden Bäume gebaut wurde. Diese hatten in der Folge ihre Wurzeln in Richtung der Quelle ausgestreckt, bis sie schließlich in deren Leitungen hineingewachsen waren, wie eine Kamerabefahrung 2014 zeigte. Um 2019 wieder einen Wasserrechtsbescheid zu bekommen, sei „eine Sanierung deshalb zwingend notwendig gewesen“, erklärte Anton Heiß, Wassermeister der Gemeinde. Nachdem die Wurzeln im Zuge der Sanierung aus der Leitung gefräst wurden, tauchten bei einer Beprobung Keime auf. Timo Exel, Kauferinger Werksleiter und auch zuständig für den Bereich Wasser, versicherte den Bürgern, es habe „zu keiner Zeit eine Gefahr für die Bürger bestanden“. Mit Statistiken zu den regelmäßigen Trübungsmessungen belegte er den Bürgern anschaulich, wie die Keime aus dem Trinkwasser in den vergangenen Monaten kontinuierlich zurückgegangen waren, und unterstrich: „Die Aktivierung des Notverbundes Landsberg war richtig und wichtig.“ Denn nur so habe sich die Quellfassung erholen können und sei jetzt wieder voll funktionstüchtig. „Der einzige Fehler, den wir uns eingestehen müssen“, räumte der Werksleiter ein, „war, dass wir nicht kommuniziert haben.“

Um zukünftig gegen coliforme Keime gewappnet zu sein, lieferte Exel einen Ausblick auf die geplante Präventionsmaßnahme: Ab dem Frühjahr wolle man eine Desinfektionsanlage einbauen, deren UV-Licht die Keime bereits frühzeitig vermehrungsunfähig mache. Der Projektbeschluss ist für den 14. Dezember vorgesehen.

Hätte man das Wasser nicht aus Landsberg bezogen, wäre das Wasser bis Dezember gechlort worden. Auch deshalb bekräftigten die Verantwortlichen der Gemeinde: Die Entscheidung, das Trinkwasser aus Landsberg zu beziehen, war die richtige. Aber wer kommt nun für die Kosten des Landsberger Wassers auf? Die kaufmännische Werksleiterin Manuela Nitsche kündigte an, bis 2019 könne man die „Mehrkosten durch den Notverbund in Landsberg noch ausgleichen“, erst danach werde der Wasserpreis für die Bürger neu berechnet. Das Wasser, das zuletzt aus Landsberg bezogen wurde, spiele aber in der Berechnung nicht die Hauptrolle. „Entscheidend wird sein, wie viele Rohrbrüche es in den kommenden Jahren geben wird.“ Diese bereiten, so Nitsche, schon seit geraumer Zeit Probleme. Sollten die Rohre aber halten, könnte sich dieser Kostenfaktor aber auch positiv für die Bürger auswirken: „Wenn nur wenige Rohre brechen und wir einen Gewinn erwirtschaften sollten, schütten wir den Gewinn wieder an die Bürger aus.“ In welcher Höhe der Wasserpreis angesetzt werde, sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht absehbar, bestätigte auch Erich Püttner.

Auch in der anschließenden Diskussion versuchte Püttner sowie auch Wassermeister Anton Heiß alle Fragen zum Thema Trinkwasser zu beantworten. Nun hofft man in der Marktgemeinde, die Wasserkrise überwunden zu haben. Timo Exel jedenfalls wünschte sich, „man könne mit dem heutigen Abend seinen Frieden mit dem Thema finden“.

Marco Tobisch

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