Strafzettel für Helikoptereltern

Bürgerversammlung Schondorf: Auf dem Prix-Gelände gibt‘s Strafzettel

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Mit dem Silbernen Einhorn und Urkunden ehrte Bürgermeister Alexander Herrmann (rechts) verdiente Bürger für ihr ehrenamtliches Engagement: Fritz Deininger, Christine Königl und Erwin Ehle (von links).

Schondorf – Harmonisch ging es zu bei der Bürgerversammlung im vollbesetzten Saal des Gasthofs Drexl. Bürgermeister Alexander Herrmann führte souverän durch die Veranstaltung, bei der diesmal auch Mitarbeiter der Gemeinde zu Wort kamen. Beim traditionellen „Jetzt red i“ zum Abschluss meldeten sich nur wenige Bürger. Demnach scheint bis auf ein paar Fragen und Wünsche „alles paletti“ zu sein in der Ammersee-Gemeinde.

Zufriedenstellendes erfuhren die Zuhörer über die Haushaltslage der Gemeinde. Man war sparsam, habe keine neuen Kredite aufgenommen und sei „rein rechnerisch eigentlich schuldenfrei“. Wenn nämlich demnächst der Verkauf des Prix-Geländes für rund fünf Millionen Euro mit dem Investor abgewickelt werde, sei die Finanzlage wieder ausgeglichen.

Der 16-köpfige Gemeinderat war im abgelaufenen Jahr wieder fleißig und hat in 21 Sitzungen 368 Beschlüsse gefasst. Außerdem fanden 31 Ausschusssitzungen statt, davon zwölf vom Bauausschuss und sechs vom Ausschuss für Dorfentwicklung. Der Personalstand der Gemeinde mit Voll- und Teilzeitkräften betrage zur Zeit 72, so Bürgermeister Herrmann. Händeringend suche der Bauhof derzeit einen Landschaftsgärtner, ergänzte er. Die Einwohnerzahl beträgt aktuell 4.129, wobei ein leichter Männerüberschuss besteht.

Das Dauerthema Prix wurde etwas ausführlicher behandelt. Nach der endlich abgeschlossenen, weil komplizierten Altlastenentsorgung, gehe es nunmehr mit dem Investor Wüstenrot Haus- und Städtebau in die Zielgeraden. Wie mehrfach berichtet, werden auf dem knapp 9.000 Quadratmeter großen ehemaligen Industrieareal dreistöckige Geschosswohnungsbauten und 19 Reihenhäuser errichtet, wobei 30 Prozent für sozial schwächere Interessenten bereitgestellt werden müssen.

Die Bauarbeiten für die direkt angrenzende neue Dreifachturnhalle der Wolfgang-Kubelka-Realschule seien bereits im Gange, was laut Herrmann teilweise Verkehrsprobleme verursache. Denn einige „Helikopter-Eltern“, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule brächten oder abholten, würden rücksichtslos im Halteverbot parken und den Baustellenverkehr behindern. „Nach den Pfingstferien wird dort die Parküberwachung eingesetzt. Dann gibt es Strafzettel“, drohte Herrmann. Zur Entlastung habe er mit dem der Einfahrt gegenüberliegenden Kindergarten vereinbart, die Mitarbeiterparkplätze vorübergehend zur Verfügung zu stellen.

Auch zum geplanten Hotelneubau direkt neben der St. Jakob-Kirche gab es Neuigkeiten. Der Bauwerber habe sich den Wünschen von Kirche und Denkmalschutz gebeugt und werde einen neuen, kleiner dimensionierten Bauantrag einreichen. Von der Kirche ging es gleich zum Thema Friedhof, wo man steinerne Gemeinschaftsgräber für Urnen plane. Von den 45 Bestattungen im letzten Jahr seien nur neun klassische Erdbestattungen gewesen, so Herrmann. Der Trend gehe auch in Schondorf zu Feuerbestattungen. Dem wolle man mit pflegeleichten Gemeinschaftsgräbern nachkommen.

Den Dauerärger vieler Anwohner über die immer noch nicht abgeschlossene Buddelei für schnelles Internet erklärte Claudia Wenzel vom Bauamt. Schuld seien unkorrekt arbeitende Subunternehmer der Deutschen Glasfaser. Man habe sich inzwischen von einem polnischen Trupp getrennt und eine Ersatzfirma engagiert, die die aufgerissenen Straßen und Gehwege wieder herstellt. 640 Haushalte in Schondorf seien mittlerweile an das Glasfasernetz angeschlossen.

Marlene Orban, Gemeinderätin und Seniorenbeauftragte, berichtete vom vielseitigen Angebot des Seniorenzentrums Am Griesfeld. Bei gut 4.000 Einwohnern würden in Schondorf über eintausend Senioren leben. Sie könnten wählen zwischen Malkreisen, Gedächtnistraining, Schach, Büchertreffs, Wanderungen, Kegeln oder Kinobesuchen in Landsberg. Orban würde sich freuen, wenn noch mehr engagierte Helfer aktiv mitmachen.

Gemeindejugendpfleger An-

dreas Langgartner kam nach den Senioren zu Wort und berichtete von der vorbildlichen Jugendarbeit in Schondorf. Das Jugendhaus in zentraler Lage gegenüber dem Bahnhof werde sehr gut frequentiert, auch von jungen Leuten aus den Nachbargemeinden. Denn das Haus sei das einzige in der Region, das täglich geöffnet habe.

Zum Thema Asyl konnte die Integrationsbeauftragte Anne Pfefferkorn Erfreuliches vermelden. Alle der derzeit 62 in Schondorf lebenden Flüchtlinge hätten eine eigene Wohnung gefunden und 43 Prozent von ihnen eine Arbeit. Die anderen würden Praktika oder Ausbildungen absolvieren. Vielleicht machen einige von ihnen sogar beim „Stadtradeln“ mit, für das Barbara Freier und Herbert Thalhofer die Werbetrommel rührten.

Mit der Verleihung von drei Silbernen Ehrenzeichen der Gemeinde an verdiente Ehrenamtler ging die lange Bürgerversammlung zu Ende. Ausgezeichnet wurden Christine Königl für ihre nimmermüde Friedhofspflege, Fritz Deininger für sein Engagement bei den Papiersammlungen des TSV Schondorf sowie Erwin Ehle für seine langjährige Seniorenarbeit.

Dieter Roettig

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