Filmpremiere in Schondorf:

Prix-Abriss im Zeitraffer

+
Beifall gab es bei der Bürgerversammlung für die mit Urkunde und Ehrennadel ausgezeichneten Vorbild-Schondorfer. Von links: Landrat Thomas Eichinger, Peter Raithel, Bürgermeister Alexander Herrmann und Herbert Thalhofer.

Schondorf – Fleißig waren die 16 Gemeinderäte im vergangenen Jahr. In 17 Sitzungen haben sie 329 Beschlüsse gefasst. Dazu kamen noch 35 vorbereitende Konferenzen und Ortstermine der diversen Ausschüsse. Einen Überblick über die wichtigsten Ergebnisse und Maßnahmen gab Bürgermeister Alexander Herrmann bei der Bürgerversammlung im voll besetzten Café Forster direkt am See. Unter den Besuchern auch Landrat Thomas Eichinger, der in Schondorf wohnt und damit ein „Heimspiel“ hatte.

Der Luftkurort mit seinen aktuell 3.944 Einwohnern musste zwar mit auf 1.212.487 Euro gesunkenen Gewerbesteuereinnahmen kalkulieren, aber die Einkommensteuerbeteiligung belief sich auf immerhin 3.016.679 Euro. Die Gesamtschulden konnten um 470.020 Euro auf 6.53 Millionen Euro gesenkt werden, was einer Pro-Kopf-Verschuldung von 1.695 Euro entspricht. Diese Summen werden drastisch nach unten gehen, wenn heuer noch das Sorgenkind Prixgelände an Investoren verkauft wird. Immerhin hat es die Gemeinde geschafft, im Jahr 2016 keine neuen Schulden zu generieren und einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen.

Die „Unendliche Geschichte Prix“ hat sich immer wieder verzögert, weil nach dem Abbruch der alten Fabrikhallen Bodenbeprobungen und Gutachten wegen eventueller Gefahrstoffe erstellt werden mussten. Als i-Tüpfelchen kam zuletzt noch das Wasserwirtschaftsamt Weilheim mit der Frage, ob das Prixgelände ein Überschwemmungsgebiet sei. „Nein“ war das Ergebnis eines hydrologischen Gutachtens, das neben der neuerlichen Zeitverzögerung den Preis eines Mittelklassewagens gekostet hat.

Schondorfer Modell

Mitte kommenden Jahres soll dann endlich mit der Bebauung begonnen werden, wobei 30 Prozent der entstehenden Wohnflächen für sozialgerechtes Wohnen verwendet werden müssen. Dieses „Schondorfer Modell“ bezieht sich nicht auf sozial schwache Menschen mit Wohnberechtigungsschein, sondern auf Bürger mit mittleren Einkommen. Für den Ankauf des Prix-Geländes und Bauvorbereitungsmaßnahmen hat die Gemeinde bislang rund 4,7 Millionen Euro ausgegeben. Über den Abriss der Hallen wurde den Besuchern der Bürgerversammlung ein imposanter Film von Alexander Grellmann in Uraufführung gezeigt – er hat ihn aus 50.000 Einzelfotos zusammengesetzt. Demnächst ist das Werk auf der Homepage der Gemeinde zu bewundern.

Für die sogenannte „Soziale Sicherung“ hat Schondorf im letzten Jahr 1.63 Millionen Euro ausgegeben. Darunter fallen die Personalkosten für Kindergarten und Hort, Jugendarbeit, Unterhalt der Spielplätze und auch Zuwendungen an den VDK, Blindenbund oder das Sozialmobil. Im Kinderhaus wurde für rund 30.000 Euro ein Therapieraum gebaut. Mit 112 Kindern sei hier die Obergrenze erreicht und künftig werde es bei der Platzvergabe ein Ranking geben. Auch der Hort mit 28 Kindern und die Mittagsbetreuung mit 55 Kindern seien ausgelastet.

Mit der Sanierung der Winter­halle im Bahnhof wurde inzwischen ein wichtiges Projekt ab- geschlossen. Die neuen öffentlichen Toiletten, darunter eine für Behinderte, schlugen allein mit 103.859 Euro zu Buche. Schön anzusehen ist das neue farbenfrohe Fries, das von Schondorfer Realschülern zum Thema Verkehr gemalt wurde.

Damit der jetzt schicke Bahnhof nicht – wie oft in vergangenen Zeiten – durch Schmierereien verunstaltet und von Vandalen beschädigt wird, wurden Videokameras installiert. „Seit die Kameras da sind“, freute sich Bürgermeister Herrmann, „gibt es keine Fälle mehr von Vandalismus.“ Wegen der Zerstörungswut gegenüber der Packstation der Post und dem Fahrkartenautomat der Bahn wurde der Automat entfernt, was vor allem die auf den Zug angewiesenen Schondorfer Senioren bedauern. Bürgermeister Herrmann versprach, sich hier vehement bei der Bahn einzusetzen, damit wieder ein Fahrkartenautomat aufgestellt wird.

Blitzer kommt

Schondorf war bislang die einzige Gemeinde am Westufer, in der nicht geblitzt wurde. Das ändert sich jetzt. Der Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberland wird den fließenden Verkehr unter anderem in der Uttinger-, Landsberger- und Schulstraße kontrollieren. Das ist angebracht: Bei einer nächtlichen Testmessung wurde kürzlich in der Ortsdurchfahrt ein Autofahrer mit Tempo 120 km/h geblitzt…

Zum Thema Prixgelände äußerte sich auch Landrat Thomas Eichinger (CSU) in seinem Grußwort. Als Maßnahmen seitens des Landkreises hier würden ab Januar 2018 mit der neuen Dreifachturnhalle, der Mensa sowie der energetischen und brandschutztechnischen Sanierung des Altbestands der Wolfgang-Kubelka-Realschule 19,5 Millionen Euro aufgewendet.

Zum Greifenberger Warmbad, das zur Verwaltungsgemeinschaft Schondorf gehört, sprach Eichinger die Hoffnung aus, dass ab Sommer 2019 in neuen Becken gebadet werden könne. Die jetzige Saison sei definitiv die letzte. Und im Seniorenheim Theresienbad Greifenberg stehe in Kürze die Brandschutzsanierung an. Beim Thema Asyl bat Eichinger die Schondorfer Bürger eindringlich, Wohnraum für die anerkannten Asylbewerber zur Verfügung zu stellen.

Dass der Ammerseeraum um Schondorf, Greifenberg und Eching für Touristen und Urlauber besonders attraktiv ist, belegten die Zahlen im Jahres­rückblick der Verwaltungsgemeinschaft. Die 37 Vermieter mit rund 313 Betten konnten 28.598 Übernachtungen melden. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer betrug 3,2 Tage.

Ausgezeichnet

Zum Finale der aufschlussreichen Bürgerversammlung wurden zwei herausragend aktive Schondorfer mit Urkunden und der Ehrennadel der Gemeinde ausgezeichnet. Peter Raithel, der unermüdliche Motor des Vereins „Gemeinsam“ nahm die Nadel mit dem Schondorfer Einhorn-Wappen stellvertretend für seine ehrenamtlichen Helfer entgegen. Herbert Thalhofer, seit Jahrzehnten Vorstandsmitglied und Kassier in diversen Vereinen, bekam ebenfalls die Ehrennadel. Er rief in seiner Dankesbotschaft zur regen Teilnahme am bundesweiten „Stadtradeln“ auf, das er zusammen mit Barbara Freier für Schondorf koordiniert. Im letzten Jahr hätten 97 Schondorfer Radler 16.773 Kilometer „erradelt“, was es heuer zu toppen gelte.

Dieter Roettig

Auch interessant

Meistgelesen

VR-Siegerin wie Südstaatenlady
VR-Siegerin wie Südstaatenlady
Landsbergs Finanzen sind bald wieder "live"
Landsbergs Finanzen sind bald wieder "live"
Viel fordern, viel erreichen
Viel fordern, viel erreichen
Sozialer Wohnungsbau gestemmt
Sozialer Wohnungsbau gestemmt

Kommentare