Ernst, aber nicht dramatisch

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Es bleibt beim „Von oben herab“: Mit überwältigender Mehrheit haben sich die Anwesenden dafür ausgesprochen, dass Landsbergs Bürgerversammlungen auch weiterhin im Stadttheater und nicht mehr im Sportzentrum stattfinden sollen.

Landsberg – Dass OB Mathias Neuner nicht gerade ein Füllhorn von guten Nachrichten ausschütten würde, war den Teilnehmern der Bürgerversammlung wohl schon vorher klar, „die Lage ist ja bekannt“, meinte auch Neuner selbst.

So achteten die meisten vor allem auf die Einschätzungen und Schlussfolgerungen des Stadtoberhauptes. Dessen Fazit: Die Lage ist ernst, aber nicht dramatisch, „das Leben in Landsberg ist weiterhin lebenswert und schön“.

Ein Beleg dafür sei der jüngste „Nightgroove“ gewesen. „Die Situation ist nicht ganz einfach, aber sie tut der Lebensfreude in Landsberg keinen Abbruch. Ich bin von vielen Leuten angesprochen worden, die mir gesagt haben, dass sie immer noch stolz sind, in einer der schönsten Städte zu leben.“ Auf die wichtigsten Punkte ging der 46-Jährige im Anschluss ein.

• Finanzen: Durch Derivate, Schulden und fehlende Jahresabschlüsse sei beim Bürger „Interesse geweckt“ worden. Man befinde sich bei der Verschuldung „schon am oberen Ende, besorgniserregend ist das aber nicht.“ Neuner warb dafür, die Lage differenziert zu betrachten. „Die Personalkosten sind in den letzten Jahren auch nicht stärker gestiegen als die Kreisumlage, dabei haben wir den Kindergarten übernommen, FUN eingegliedert und die Kinderkrippe ist auch schon eingerechnet.“ Die Zahlen könnten ohne weiteres durch Ausgliederungen „kosmetisch geschönt werden“, aber: „Wir wollen ja ehrlich miteinander umgehen“. Hätte man nicht in den vergangenen Jahren erhebliche Summen in das Sportzentrum, das Betreute Wohnen und die neuen Sozialwohnungen investiert, hätte Landsberg jetzt „30 Millionen Schulden weniger. Aber dafür haben wir auch Immobilien.“

• Haushalt sanieren: Landsberg muss weiterhin die Einnahmen erhöhen und die Aus­gaben verringern, „das klingt einfach, ist es aber nicht.“ Für die Bürger stehen noch die Erhöhung der Friedhofsgebühren und die Einführung einer Straßenreinigungsgebühr zur Diskussion. „Auch ich bezahle das als Landsberger. Da müssen wir jetzt durch, das ist nicht einfach. Einer muss es ausbaden und das bin eben ich.“ Auch intern werde es Umstrukturierungen geben, die nicht einfach durchzusetzen seien.

Man werde sich hier an das Gutachten halten, das der Prüfungsverband bis 2014 erstellen soll. „Danach wissen wir, ob wir zu viel oder zu wenig Personal haben oder vielleicht sogar zu viele Leistungen anbieten.“ Mit Personalausgaben von 27 Prozent bewege man sich lediglich „eine winzige Kleinigkeit über dem Schnitt in Bayern.“ Man wolle aber auf jeden Fall Gutachten und Wettbewerbe weniger nach außen vergeben und mehr im Haus selbst machen -_ „Frau Michler weiß ein Lied davon zu singen“.

• Parkgebühren: Inzwischen bewegen sich laut Neuner die Zahlen der Parker „wieder in die Richtung, wie sie vor der Erhöhung waren.“ Mit der erneuten Anpassung habe man jetzt einen Kompromiss gefunden, mit dem alle leben könnten. Ohnehin sei die Aufregung relativ zu sehen: „Mir hat ein Bürger erzählt, dass in Meran der Tageshöchstsatz bei 21 Euro liegt. Bei uns sind es sieben Euro und wir sind doch schöner als Meran.“

• Hauptplatzumbau: Er ist für OB Neuner „Landsbergs schönste Baustelle“, die er sich täglich ansehe. Das Miteinander von Fußgängern und Autofahrern funktioniere inzwischen deutlich besser als am Anfang, „nicht nur, weil jetzt wieder gesperrt ist.“ Momentan geht das Stadtoberhaupt davon aus, dass die Fahrspur in West-Ost-Richtung Mitte Juni wieder geöffnet werden kann, im Sep­- tember sollten die Bauarbeiten abgeschlossen sein. Mit 4,92 Millionen Euro blieben die Baukosten vermutlich knapp unter dem Haushaltsansatz. Die Diskussion, ob Verwaltung oder Stadtrat über die „Zebrastreifen“ entscheiden dürfen, verstand der OB nicht: „Es hat mich überrascht, dass fünf weiße Streifen scheinbar so wichtig sind.“

• Mutterturm und Herkomer-Museum: Bis jetzt sind beim Patronatskomitee 122000 Euro Spenden eingegangen. Zu­sammen mit Zuschüssen und dem Beitrag der Stadt von rund 50000 Euro sei damit eine „Grundsanierung“ möglich. Neuner liebäugelt weiterhin mit einer Wiedereröffnung des Museums im Herkomer-Jahr 2014. Dafür benötige man allerdings noch weitere 300000 Euro an Spenden.

• Wertstoffhöfe: Mit der Einführung der Gelben Tonne im kommenden Jahr werden in Landsberg nur noch drei Sammelstellen zur Verfügung stehen: Neben den beiden über­wachten Plätzen in Landsberg-Ost und -West können die Bürger ihren Plastikmüll auch in Erpfting entsorgen. Alle anderen Container für Leichtverpackungen werden abgeschafft. „Ich hatte an dieser Stelle eigentlich mit einem Aufschrei gerechnet“, meinte Neuner zur ausbleibenden Reaktion der Teilnehmer. Genaue Informationen werde der Landkreis Landsberg in seinem Mitteilungsblatt veröffentlichen. „Der hat so etwas nämlich. Aber vielleicht kriegen wir das ja auch noch irgendwann.“

Christoph Kruse

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