Verhärtete Fronten

Baugebiet Lechterrasse: Heftiger Gegenwind für Enthofer auf der Bürgerversammlung

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Zentrales Thema in der Diskussion: das geplante Baugebiet auf der Lechterrasse in Dornstetten. Am Rednerpult Unterdießens Bürgermeister Alexander Enthofer.

Unterdießen – Eine harte Auseinandersetzung um das geplante Baugebiet auf der Lechterrasse bei Dornstetten prägte am Montagabend die Bürgerversammlung in Unterdießen. Es kam zu dem erwarteten Schlagabtausch zwischen den Gegnern, die sich mittlerweile in einer Bürgerinitiative organisieren, und zwischen Bürgermeister Alexander Enthofer.

Der Rathauschef verspürte heftigen Gegenwind bei dem Abend in der Gemeindehalle, zu dem gut 140 Bürgerinnen und Bürger gekommen waren. Mit den Worten „bleib ruhig und ganz sachlich“ hatte ihm vor der Veranstaltung ein Besucher in der zweiten Tischreihe noch auf den Rücken geklopft. Dann nahm Enthofer einen großen Schluck aus der Spezi-Flasche und eröffnete um viertel nach acht Uhr die Versammlung. Schon bei der Begrüßung gab der Rathauschef – im dunklen Anzug und mit roter Krawatte – den Ausblick, dass man sich unter Wünsche und Anträge noch auf „eine ziemlich harte Diskussion“ einstellen könne. 

Enthofer hatte nicht zu viel versprochen. Brigitte Wagner aus Dornstetten forderte den Bürgermeister dazu auf, erst für die Infrastruktur zu sorgen und dann ein Baugebiet auszuweisen. Die Einmündung von der Zufahrt „Am Lech“ in die St. Gangolf-Straße sei sehr gefährlich. Da sei kein Seitenstreifen da, die Rechtskurve und der Hang seien unübersichtlich. Wie wolle man da für Kinder in einem neuen Baugebiet die Schulwegsicherheit gewährleisten, fragte Wagner. 

Sie fügte hinzu, dass auch kein Grundstück für einen Gehweg entlang der Gangolf-Straße bereist stünde. Enthofer antwortete, man müsse bauliche Möglichkeiten am östlichen Ortseingang von Dornstetten prüfen, zum Beispiel eine Verengung durch eine Insel, um die Geschwindigkeit zu reduzieren. Er stelle aber an anderen Orten fest: Wer oft zu schnell fahre, seien „die Mütter“ aus Wohngebieten. Er könne auch nicht alles reglementieren. Und es werde schwierig sein, Schülerlotsen zu finden. Die Gemeinde könne nicht immer für alles gerade stehen. 

Das Thema Wasser 

Weitere Redner von der Bürgerinitiative Dornstetten, bei der inzwischen 62 Frauen und Männer (bei 100 Bewohnern!) unterschrieben haben, waren Hans Spängler, Ernst Heckelmann, dessen Tochter Maya und Gerald Büchelmaier. Spängler verwies darauf, dass bei einer beabsichtigten Brunnenbohrung auf seinem Grundstück bereits nach zwei Metern eine Schicht mit Lehm gekommen sei. Diese dürfe man nicht durchstoßen, damit das Wasser oben vom unten verlaufenden Grundwasser getrennt bleibe. 

Enthofer entgegnete, im Nachbardorf Seestall seien wegen eines Baugebiets keine Probleme aufgetreten. Für Dornsteten habe man einen Gutachter beauftragt, auch sei das Wasserwirtschaftsamt eingeschaltet. Ernst Heckelmann, der oberhalb des Lechs eine Fischzucht betreibt und negative Auswirkungen durch das geplante Wohngebiet mit 14 Grundstücken befürchtet, sagte dem Bürgermeister ins Gesicht: „Ich find‘, Sie lassen mich verdammt im Regen stehen.“ Heckelmann bezeichnete es gar als „Ungeheuerlichkeit“, dass jahrzehntelang auf der Lechterrasse nichts angerührt wurde und nun so ein großes Baugebiet am Rande des Naturschutzgebiets und mit Auswirkung auf den Wasserhaushalt errichtet werde. 

Enthofer merkte dazu an, dass auf der Wiese, welche die Gemeinde von zwei Eigentümern erwerben konnte, vor zwei Jahren noch Gülle ausgebracht worden sei. Er wolle schon fragen, ob das besser für den Wasserhaushalt gewesen sei. Zu Heckelmann sagte er, dass der Gemeinderat in den vier Wochen nach Ostern, wenn die Planung für das Baugebiet erneut ausgelegt werde, zu einem Termin vor Ort komme. 

Gerald Büchelmaier, zusammen mit Alfons Wagner Sprecher der Bürgerinitiative, trat der Ansicht entgegen, dass da „lauter Zugezogene“ gegen das geplante Wohngebiet mobil machen würden. Nur fünf Leute aus der Bürgerinitiative seien in den letzten zwei Jahren neu in die Ortschaft gekommen. Er selbst lebe seit 38 Jahren dort. 

Die Planungshoheit 

Büchelmaier lud Landrat Thomas Eichinger vor Beginn der Bürgerversammlung ein, sich selbst mal ein Bild vor Ort zu machen. Der Landkreis-Chef erklärte am Montagabend, die Planungshoheit für das Baugebiet liege bei der Gemeinde. Man müsse schon sehen, dass der Landkreis Landsberg von starkem Zuzug geprägt sei. Der Wohnungsmarkt sei schwierig, die Baulandpreise seien stark gestiegen. Die Gemeinde Unterdießen vertrage auch einen gewissen Zuzug. Eichinger erklärte zudem, das Staatliche Landratsamt werde bei der Bauleitplanung sehr wohl der Pflicht als Aufsichtsbehörde nachkommen. Die gelte vor allem mit Blick auf den Natur- und Artenschutz.

Johannes Jais

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