Bürokratie behindert Fahrdienst

Seit über 25 Jahren gibt es den Betreuten Fahrdienst des BRK Landsberg. Er befördert Menschen mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit und ermöglicht ihnen so die Teilnahme am sozialen und kulturellen Leben, übernimmt aber auch Krankenfahrten, bei denen die Patienten unterwegs keine medizinische Betreuung benötigen. Seit Januar gilt jedoch eine neue gesetzliche Regelung, die die Betroffenen verunsichert und die Nach- frage zurückgehen lässt, kritisiert der BRK-Kreisgeschäftsführer Anton Huber.

Früher standen jedem Bezugsberechtigten Fahrten von insgesamt 270 Kilometern im Monat zu, die das Rote Kreuz mit dem Landkreis abrechnete. Seit diesem Jahr ist der Bezirk Oberbayern zuständig, der keinerlei Vereinbarungen mit Fahrdiensten eingehen will. Stattdessen erhält man als Berechtigter einen Grundbetrag von 80 Euro im Monat, die man für Fahrdienste ausgeben kann – bei Bedarf auch etwas mehr. Dazu allerdings müssen Nachweise gesammelt und eingereicht werden. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sei vielen Betroffenen noch nicht klar, wie viel Geld ihnen tatsächlich zur Verfügung stehe, erklärt Huber. Auch seien viele mit dem Papierkrieg überfordert. „Die Mängel dieses neuen Systems werden im Laufe des Jahres immer deutlicher wer- den“, prophezeit der Kreisgeschäftsführer. Einen Berechtigungsausweis, der früher für fünf Jahre ausgestellt wurde, müssen die Betroffenen nun jährlich neu beantragen. Das BRK Landsberg will demnächst eine Ticketverwaltung anbieten, die den Betroffenen den Aufwand weitgehend abnehmen soll. Man erwirbt beim BRK ein Ticket für den Fahrdienst, das den Monat über „abgefahren“ werden kann. Die Verwaltungsarbeit – das Verbuchen der Fahrten und Sammeln der Einzelnachweise – übernimmt die Geschäfsstelle. „Das bedeutet für uns mehr Verwaltungs- aufwand, aber wir fühlen uns unserer sozialen Aufgabe verpflichtet“, sagt Huber. Tatsächlich bringt der Betreute Fahrdienst für viele ein Mehr an Lebensqualität mit sich, denn er ermöglicht Menschen mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit zum Beispiel Einkaufsfahrten, Kinobesuche und Ausflüge. Auch Fahrten zu medizinischen Behandlungen oder die Heimfahrt vom Krankenhaus übernehmen die BRK-Fahrer. Für Sitzend- und Liegendtransporte steht ein Kombifahrzeug zur Verfügung, hinzu kommen zwei Rollstuhlmobile und ein Mehrperso- nenbus. 6300 Einsätze Allein im vergangenen Jahr war der Betreute Fahrdienst des BRK Landsberg rund 6300 Mal im Einsatz und legte dabei insgesamt etwa 210000 Kilometer zurück. 60 Prozent der Fahrten waren Mobilitätshilfen für Menschen mit Behinderung, 40 Prozent betreute Krankenfahrten.

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