Bullenhaltung im Kloster St. Ottilien

Sie liegen im eigenen Mist

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Kaum Platz, kein Stroh und kein Weidegang – engagierte Tierschützer um Daniela Böhm laufen gegen die Zustände in den klösterlichen Stallungen in St. Ottilien Sturm.

St. Ottilien – Ins Visier von Tierschützer ist die Bullen- und Kälberhaltung im Kloster St. Ottilien geraten. Sie haben im Internet eine Petition gestartet, die mittlerweile mehr als 4500 Menschen unterschrieben haben.

Sie fordern für alle Mastrinder Gummimatten und Stroh, regelmäßigen Weidegang, zweimal tägliche Stallreinigung und mittelfristig einen neuen Stall. Initiatorin der Proteste ist Daniela Böhm, eine Tochter von Karl-Heinz Böhm, des Gründers der Stiftung „Menschen für Menschen“.

Auf einem Spaziergang über das Gelände der Erzabtei geriet Böhm, die ganz in der Nähe wohnt, zufällig in den Bullenstall der Klosterökonomie. Was sie dort sah, erschütterte sie. „Die Mastrinder sind jeweils zu viert in engen Boxen untergebracht, sie haben kaum Platz, um sich zu bewegen und können nicht einmal richtig liegen“, ist Böhm empört. Die 51-Jährige stellte Fotos und Bei­träge ins Internet und löste damit eine kontroverse Diskussion auf der Facebook-Seite der Erzabtei aus. Sie wandte sich auch an die Tierschutzorganisation PETA und das zuständige Veterinäramt im Landsberger Landratsamt, das daraufhin zweimal zu Kontrollen in St. Ottilien anrückte.

Daniela Böhm hat die Mastrinder-Protestwelle ins Rollen gebracht.

Das Ergebnis: Die Behörden haben nichts zu beanstanden. „Sowohl der Bullenstall als auch derKälberstall entsprechen den Vorgaben des Tierschutzgesetzes und der Nutztierhaltungsverordnung“, stellt Amtstier­ärztin Christina Brundke fest. Die Bullen hätten ausreichend Platz, Gummimatten zum Hinlegen gebe es auch. „Und Stroh ist nirgendwo vorgeschrieben“, so Brundke lapidar. Das Kloster selbst sieht sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. „Die Haltungsbedingungen unserer Mastrinder liegen über den amtlich vorgegebenen Standards und sind gute fachliche Praxis“, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Echtheit von Böhms Fotos wird nicht bestritten, aber um sie zu machen, „muss man sich ganz schön verrenken“, schreiben die Mönche auf ihrer Facebook-Seite.

Ein Weidegang sei für Bullen nicht möglich, da sie nicht so friedlich seien wie Kühe. Man sorge sich um die Sicherheit der Mitarbeiter und Spaziergänger. „Wenn mir im Stall so ein 700-Kilo-Bulle gegenübersteht, dann weiß ich, wieso der nicht auf die Weide darf“, sagt Stefanie Merlin, Sprecherin der Erzabtei. Die Tierschützer verwei­sen jedoch darauf, dass es durchaus Betriebe gebe, die ihren Bullen eine grüne Wiese gönnen.

Es geht noch schlimmer

Das Kloster hält seine Landwirtschaft in vielerlei Hinsicht für vorbildlich. „Andere Ställe sehen ganz anders aus“, sagt Merlin. „Aber da kommt man halt nicht rein.“ Auch in St. Ottilien hat man mittlerweile Absperrungen angebracht. Die Amtstierärztin habe sie zum Schutz der Rinder vor Krankheiten empfohlen, so heißt es. Immerhin dürfen Besucher noch einen Blick über die Stalltür werfen.

Dass die Tierhaltung in St. Ottilien aus amtlicher Sicht noch gut wegkommt, beruhigt Daniela Böhm ganz und gar nicht. „Mir ist bewusst, dass es noch viel schlimmer geht“, sagt sie. Dass die Bestimmungen des Tierschutzgesetzes eingehalten würden, mache die Haltung aber noch nicht akzeptabel. Von daher müsse die Frage erlaubt sein, „ob es für ein christliches Kloster nicht angemes­- sener wäre, eine offensichtlich nicht artgerechte Tierhaltung ganz zu unterlassen“. Ulrike Osman

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